Nach den Kongresswahlen am 3. November droht dem Iran die nächste große Angriffswelle der USA und Israels. Während Vizepräsident JD Vance mit einem Brief an die Führung in Teheran einen letzten diplomatischen Ausweg auslotet, lässt Donald Trump intensiv militärische Optionen prüfen. Die Vorbereitungen sind konkret, ein Angriffs­befehl ist bislang nicht ergangen. Doch das Grundproblem zeichnet sich bereits ab: Der Präsident setzt auf eine massive Verschärfung jener Gewalt, die nach acht Monaten Krieg ihre entscheidenden Ziele verfehlt hat.

Iran ist schwer getroffen, aber keineswegs bezwungen. Seine Führung sitzt weiter an der Macht, verfügt über Raketen und kann die Öl-Schifffahrt am Persischen Golf bedrohen. Der Verzicht auf ein nukleares Druckmittel ist ebenso wenig gesichert wie ein Ende der Angriffe auf amerikanische Interessen und regionale Partner. Washington hat militärische Erfolge erzielt, daraus aber keinen politischen Sieg gemacht. 

Für die nächste Eskalation fehlt nach Ansicht vieler Experten in Washington öffentlich eine schlüssige Erklärung, warum zusätzliche Zerstörung nun Teherans Widerstand brechen sollte.

USA: Kräfte könnten binnen 96 Stunden nach einem Befehl größere Operationen beginnen

Den Stand der Planungen zeigt ein Treffen vom Donnerstag. Im Weißen Haus erläuterte Admiral Brad Cooper, Chef des für den Nahen Osten zuständigen US-Zentralkommandos Centcom, dem Präsidenten seine Optionen. Verteidigungsminister Pete Hegseth und Generalstabschef Dan Caine waren dabei. Nach CNN-Recherchen könnten amerikanische Kräfte binnen 96 Stunden nach einem Befehl größere Operationen beginnen. Israel bereitet mögliche gemeinsame Angriffe vor.

Trump hatte neue Schläge vor den Wahlen am 3. November ausgeschlossen, der Krieg ist an der Heimatfront absolut unbeliebt. Ein weiterer Kriegsschub vor dem Urnengang würde die Ölpreise treiben und republikanische Kandidaten belasten. Nach Schließung der Wahllokale „verliert diese Rücksicht an Gewicht“, heißt es im Umfeld Trumps. Die militärischen Risiken bleiben dieselben. Der Präsident kann den Beginn einer amerikanischen Offensive bestimmen; das Ende der iranischen Gegenwehr kann er nicht festlegen.

Erneute Angriffe – aber zu welchem Zweck?

Geplant werden nach CNN-Angaben über begrenzte Angriffe auf Radarstellungen und Raketenwerfer hinaus. Die möglichen Ziele umfassen militärische Einrichtungen, Energieinfrastruktur und Nuklearanlagen. Damit rückt erneut das wirtschaftliche Rückgrat Irans ins Visier. Betroffen wären womöglich Petrochemie, Stromversorgung und Verkehrswege; Brücken und Kraftwerke hat Trump bereits ausdrücklich bedroht. 

Iran-Krieg – Saudi-Arabien
Schwarzer Rauch und Flammen steigen aus einer Ölförderanlage in einem Industriegebiet im Süden von Riad auf. Sollten die USA den Iran angreifen, ist mit Vergeltungsschlägen Teherans gegen US-Verbündete zu rechnen.© Str/AP/dpa | Str

Die Hoffnung hinter solchen Schlägen ist, den Preis des Widerstands für Teheran unerträglich zu machen und so zum Einlenken zu zwingen. Doch zerstörte Kraftwerke und Fabriken treffen zunächst Millionen Menschen, die bereits unter dem Krieg leiden. Eine gezielt lahmgelegte zivile Versorgung wäre weit mehr als ein beiläufiger Kollateralschaden. Irans Führung hat angedroht, mit voller Härte auf US-Angriffe zu antworten, gezielt auch gegen politische Entscheidungsträger, die mit Washington verbunden sind.

Experten ziehen ernüchternde Bilanz

Das Stimson Center in Washington zieht eine ernüchternde Bilanz: Trump habe seine ursprünglichen Ziele nicht entscheidend erreicht. Irans nukleare Fähigkeiten seien nicht beseitigt, sein Raketenpotenzial bestehe fort, seine regionalen Verbündeten seien nicht ausgeschaltet. Selbst die Zerstörung von Marineeinheiten habe Teheran nicht daran gehindert, mit Waffen vom Land aus die Handelsschifffahrt zu bedrohen. Raketenexperte Jim Lamson betont: „Iran ist getroffen worden, aber das bedeutet nicht, dass es keinen Schaden mehr anrichten kann.“

Auch Nate Swanson, früher Mitglied von Trumps Iran-Verhandlungsteam, sieht keine besseren Erfolgsaussichten darin, erneut die Führung anzugreifen. Beim Council on Foreign Relations beschreibt er eine Regierung, die alte Instrumente hervorkramt, weil ihr gute Optionen fehlten. Der frühere CIA-Analyst Cole Bucy widerspricht der Hoffnung auf einen durch Bomben ausgelösten Aufstand der Zivilbevölkerung: Menschen suchten unter Angriffen Schutz. Die politischen Folgen, von denen ein amerikanischer Erfolg abhängen würde, ließen sich vom Pentagon nicht herbeibomben.

Mohsen Rezaei, der Sicherheitschef des Iran (links), bekam Post von US-Vize JD Vance.
Mohsen Rezaei, der Sicherheitschef des Iran (links), bekam Post von US-Vize JD Vance.© AFP | -

Teheran setzt seinerseits darauf, die Kosten des Krieges über die eigenen Grenzen hinauszutragen. Nach Medien-Recherchen hat Washington seine Partner am Golf vor möglichen Angriffen und iranischer Vergeltung gewarnt. Das Soufan Center verweist auf Drohungen gegen Flughäfen, Brücken, petrochemische Anlagen, Kraftwerke, Entsalzungsanlagen und Datenzentren. Auch über Planungen gegen Unterseekabel wird berichtet. Im Fadenkreuz stünden besonders jene Nachbarn, die Iran als Helfer der Amerikaner betrachtet.

USA reduzieren Botschaftspersonal

Zusätzliche Flugabwehr, weniger Personal an gefährdeten Standorten und reduzierte Botschaftsbesetzungen sollen amerikanische Verluste begrenzen. Sie schaffen keinen lückenlosen Schutz für die Region. Weder lassen sich sämtliche Drohnen und Raketen abfangen, noch können Energieanlagen, Wasserwerke und Kommunikationsverbindungen flächendeckend abgeschirmt werden. 

News aus den USA

Vances Brief an Sicherheitsratssekretär Mohsen Rezaei hält einen Ausweg offen. Doch die entscheidende Blockade besteht fort: Washington verlangt nukleare Zugeständnisse, Teheran fordert zuvor Entlastung von Sanktionen und Seeblockade. Trump lässt unterdessen die nächste Offensive vorbereiten. Sein Militär kann Iran noch schwerer verwüsten. Einen belastbaren Weg von diesen Trümmern zu einem dauerhaften Frieden hat der Präsident bisher nicht aufgezeigt.