Donald Trump muss keine neuen Sanktionen erfinden, um Wolodymyr Selenskyj gefügig zu machen. Er kann Hilfen entziehen, die Kiew im Abwehrkampf gegen Russland dringend benötigt: Geheimdienstinformationen, Waffen, Munition, Ersatzteile. Laut „Financial Times“ drohen US-Regierungsvertreter bereits mit zwei dieser Instrumente.
Was also folgt, wenn Kiew weiter russische Raffinerien angreift und damit Trumps Diesel-Deal mit Wladimir Putin torpediert, der vor den „Midterms“ am 3. November für sinkende Preise an US‑Tankstellen sorgen soll? Welche Daumenschrauben könnte er anziehen?
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Selektive Sperre wahrscheinlich
Geheimdienstdaten: Der schnellste Hebel. US-Satelliten und -Abhörsysteme liefern Erkenntnisse über russische Truppen, Raketenstarts, Luftabwehr und Ziele im Hinterland. Kiew hat eigene Aufklärung, kann amerikanische Daten aber nicht ohne Verluste ersetzen. Trump könnte die Daten ohne Kongressbeschluss sperren. Das ist schon mal passiert. Im März 2025 setzte Trump nach seinem Zerwürfnis mit Selenskyj im Oval Office die Zusammenarbeit zeitweise aus. CIA-Direktor John Ratcliffe bestätigte die Maßnahme; auch Daten für ukrainische Fernangriffe waren betroffen. Am wahrscheinlichsten wäre erneut eine selektive Sperre: weniger Informationen über russische Raffinerien und deren Luftabwehr, weiterhin aber Warnungen vor Raketenangriffen auf ukrainische Städte. Trump könnte Kiews Angriffsmöglichkeiten schwächen, ohne offen dessen Schutz vor russischen Bombardements preiszugeben. Eine Totalsperre wäre politisch kostspieliger.
Waffenlieferungen: Europa bezahlt, Washington verfügt. Beim Nato‑Programm „Purl“ finanzieren europäische Staaten amerikanische Waffen für die Ukraine. Aber: Bezahlt bedeutet nicht automatisch ausgeliefert. Die US-Regierung kann neue Pakete verzögern, Freigaben zurückhalten und Lieferabläufe in die Länge ziehen. Auch die Blockade dieses Programms soll laut „Financial Times“ bereits angedroht worden sein. Wahrscheinlich wäre eine Eskalation nach Waffengattungen: zunächst Artilleriemunition, Ersatzteile und weniger sensible Systeme. Patriot-Abfangraketen blieben die härteste Option. Ein Stopp würde die Abwehr ukrainischer Städte schwächen – mit Opfern und einem Imageschaden für Trump. Eine politische Entscheidung gegen Kiew ließe sich hinter dem Eigenbedarf des Pentagons verbergen: Der Iran-Krieg belastet US-Munitionsbestände. Europa müsste weiter bezahlen, ohne über die Auslieferung bestimmen zu können.
Bürokratische Zermürbung: Der unsichtbare Hebel. Exportgenehmigungen für amerikanische Technik, Weiterverkäufe durch Drittstaaten, Ersatzteile, Software und Wartung: Wo US-Freigaben nötig sind, könnte Washington auf die Bremse treten. Eigenständige europäische Systeme wären ausgenommen. Vorteil für Trump: kein spektakulärer Bruch, sondern schleichend weniger einsatzbereite Waffen und längere Reparaturzeiten. Eine solche Strafaktion wäre schwer nachzuweisen. Kurzfristig wirkt sie schwächer als eine Datensperre; über Monate könnte sie Kiews Kampfkraft aushöhlen.
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Öffentliche Demontage verstärken
Starlink: Gefährlich, aber schwerer zu steuern. Elon Musks Satellitennetz ist für ukrainische Truppenkommunikation und Drohneneinsätze wichtig. Ein Ausfall hätte beträchtliche Folgen. Bereits im Februar 2025 drohten amerikanische Unterhändler bei Rohstoffverhandlungen mit einem Verlust des Starlink-Zugangs. Musk wies damals Abschaltungspläne zurück. Trump verfügt hier über keinen direkten Ausschalt-Knopf. Starlink gehört SpaceX, ein Teil der ukrainischen Anschlüsse wird von Polen finanziert. Eine erzwungene Abschaltung könnte Verträge und europäische Partner treffen. Sie ist weniger wahrscheinlich als Eingriffe in staatliche Geheimdienst- und Waffenhilfe.
Selenskyj persönlich: Druck auf seine Legitimität. Trump kann den ukrainischen Präsidenten öffentlich (weiter) demontieren, ihn bei Verhandlungen übergehen und Sicherheitszusagen von Zugeständnissen abhängig machen; etwa einem Rücktritt. Die Forderung nach einem neuen Präsidenten hat Trump bereits erhoben. Aber so eine Intervention von außen könnte Selenskyj zu Hause massiv stärken.

Was Trump am ehesten tun wird: Die politisch günstigste Reihenfolge aus Sicht von Analysten in Washington derzeit: rhetorische Drohungen, gezielt weniger Geheimdienstinformationen, verzögerte Waffenlieferungen. Danach kämen technische Hürden und umfassendere Sperren. Den Starlink-Zugang oder Patriot-Lieferungen vollständig zu kappen, wäre riskanter.
Wichtig: Es geht nicht nur um die Raffinerien. Die Ukraine hat zuletzt sehr erfolgreich an drei Standorten den russischen Technologiekonzern Yandex und dessen Daten-Center angegriffen. Es kam zu einem massiven Einbruch des automatisierten Internetverkehrs. Auch die russische Desinformationsmaschinerie auf X vor den „Midterms“, getrieben von Bots, sei ins Stottern geraten, berichten US-Quellen. Auch darum schießt Elon Musk gegen Selenskyj.
Fazit: Europa kann mehr Geld und eigene Waffen mobilisieren, amerikanische Aufklärung und bestimmte Abfangraketen aber kurzfristig nicht vollständig ersetzen. Trump braucht weder neue Gesetze noch förmliche Ukraine-Sanktionen. Schon die Drohung, vorhandene Lebensadern zu durchtrennen, stellt Kiew vor die Wahl: Gegenwehr einschränken – oder den wichtigsten Unterstützer verlieren. Wladimir Putin profitiert von beiden Möglichkeiten.









