Marco Rubio stand neulich vor der Akropolis in Athen und dozierte über die Tugenden des Abendlandes. Über Ehre, Charakter und staatsbürgerliche Pflichten. „Athen gab uns die Demokratie, Platon und Aristoteles die westliche Philosophie“, sagte Amerikas Außenminister am einstigen Versammlungsplatz der Athener. Der Republikaner hätte sich kaum eine würdigere Kulisse wünschen können. Wohl aber eine andere Botschafterin.
Denn Kimberly Guilfoyle, Amerikas diplomatische Leadsängerin am Peloponnes, führt dieser Tage vor, wie es um manche der Tugenden bestellt ist, die ihr Vorgesetzter so feierlich beschwor. Die 57-Jährige, einst Fox-News-Moderatorin und Verlobte von Donald Trump Junior, könnte dem Krawallfernsehen entsprungen sein, sagen Kritiker. Und sie verhält sich auch so.
Ihre jüngste Affäre dreht sich um eine Kreditkartenrechnung von beachtlicher Höhe. Wie das „Wall Street Journal“ ausführlich berichtet, soll Guilfoyle im Juli 2025 den vermögenden Trump-Anhänger Eric Deters eindringlich gebeten haben, ihr 100.000 Dollar Schulden bei American Express abzunehmen. Diskretion war erwünscht. „Wenn du das Geld direkt an American Express überweist, taucht es nirgendwo auf“, schrieb sie demnach über Signal. Und als Schlussnote: „Schatz, bitte, ich brauche das heute noch.” Heikel: Kurz darauf stand ihre Bestätigung als Botschafterin im US-Senat an.
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Deters, einst Anwalt in Kentucky, hatte Guilfoyle nach eigenen Angaben bereits anderweitig 300.000 Dollar bezahlt. Er hoffte auf Hilfe bei juristischen und steuerlichen Problemen und auf Türen, die sich in Washington öffnen würden. Die zusätzlichen 100.000 Dollar verweigerte er. „Sie hat nie irgendetwas zustande gebracht“, schimpft er heute. Hört sich an wie die Klage eines enttäuschten Gönners.
Als Rubio zur peinlichen Angelegenheit gefragt wird, reagiert er genervt-patzig
Guilfoyles Anwalt bestreitet wesentliche Vorwürfe und bezweifelt die Echtheit der Nachrichten. Korruption ist bisher nicht nachgewiesen. Doch eine angehende Botschafterin, die einen politischen Geldgeber um die Begleichung privater Rechnungen angeht? Im Kongress haben auch Republikaner einige Nachfragen.
Als Rubio in Athen zu der hochnotpeinlichen Angelegenheit gefragt wurde, reagierte er genervt-patzig. Nur weil eine Quelle etwas behaupte und Journalisten es veröffentlichten, sei das „noch lange nicht das Evangelium“, belehrte er Reporter vor dem Abflug. Völlig richtig. Nur hätte man gern noch einen Satz gehört. Etwa über die nötige Aufklärung. Guilfoyle stand da in seiner unmittelbaren Nähe. Nähe zur Macht schützt offenbar.
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Aus der Botschaft dringen derweil Klagen über Einschüchterungen, Beschimpfungen und willkürliche Personalentscheidungen. Eine anonym berichtete, nicht unabhängig bestätigte Episode führt nach Mykonos. Morgens um vier soll Guilfoyle einen Sicherheitsmann Eiswürfel holen geschickt und ihn anschließend degradiert haben, weil er schlief. Ob das stimmt, ist offen. Aber als Sinnbild taugt es: Während die Nato im östlichen Mittelmeer ernste Sorgen hat, besteht Frau Botschafterin auf nächtliche Kühlung der Ouzo-Vorräte.
War der Posten als Botschafterin ein Trostpreis von Trump?
Weniger komisch sind Vorwürfe, Guilfoyle habe einen griechischen Bau- und Energiekonzern begünstigt und Lobbyisten Zugang zu vertraulichen Gesprächen verschafft. Demokraten im Kongress verlangen Untersuchungen. Über extravagante Roben, Mega-Make-up und Kameraverliebtheit mag jeder denken, was er will. Entscheidend ist etwas anderes: ob die Grenze zwischen öffentlichem Auftrag und privaten Interessen noch erkennbar ist.
Dass Guilfoyle nach Athen geschickt wurde, verrät einiges über Donald Trumps Personalverständnis. Als ihre Beziehung zu seinem ältesten Sohn zerbrach, eröffnete sich eine neue Perspektive am Mittelmeer. Eine familiäre Abschiebung ist zwar nicht belegt. Nach Trostpreis sieht es trotzdem aus. Andere Familien reichen der Ex zum Abschied einen Blumenstrauß. Im Hause Trump gibt es eine Residenz und die Anrede „Exzellenz“.
Nur ist Griechenland kein sonniges Abstellgleis. Die Spannungen mit der Türkei, die Nato-Südflanke, Energiefragen und Nahostkriege verlangen mehr als Prominenz. Auch frühere Präsidenten belohnten Spender und Freunde mit Botschafterposten. Aber bei ihm wird aus einer alten Unsitte eine Weltanschauung: Loyalität ersetzt Sachkenntnis, persönliche Nähe wird zur Qualifikation, das öffentliche Amt zur Verlängerung des Familienbetriebs.
So wurde aus Rubios Besuch seine ganz eigene griechische Tragikomödie. Zur Begrüßung umarmte Guilfoyle ihn vor laufenden Kameras fast aufdringlich. Später sprach er von Charakter und Pflicht, um anschließend Nachfragen zu seiner Botschafterin abzubügeln. Vielleicht hätte ihn der Blick in die Mythologie weitergebracht. Herakles wusste immerhin, was man mit einem Augiasstall macht: ausmisten.
Die Griechen kannten auch ein Wort für die Selbstüberhebung der Mächtigen: Hybris. Irgendwann, lehrten sie, kommt die Rechnung. In Washington könnte sie das Logo von American Express tragen.









