Der deutsche Altkanzler mimt in Russland den Supermarkt-Boss: Am Mittwoch hat Gerhard Schröder eine „Globus“-Filiale in Moskau besucht. Wenige Tage zuvor war bekannt geworden, dass der Sozialdemokrat in den Aufsichtsrat des russischen Ablegers der deutschen Einzelhandelskette berufen worden war. Nun schlendert er an der Seite seiner Frau So-yeon Schröder-Kim durch die sichtlich prall gefüllten Regale: Über einem weißen Hemd mit Krawatte trägt er eine Weste im Filialleiter-Stil – inklusive „Globus“-Logo.

Als Schröder mitsamt seiner Delegation den Markt betritt, wird er mit Applaus begrüßt. Wie die Wirtschaftszeitung „RBK“ berichtet, hält er daraufhin eine Begrüßungsrede vor den Mitarbeitern des Unternehmens: „Hier spricht jemand, der nach der Grundschule selber Einzelhandelskaufmann gelernt hat“, gibt sich der Ex-Kanzler volksnah. Er sei also ein „Kollege“, sagt er auf Deutsch. In Videos, die in den sozialen Medien kursieren, ist zu sehen, wie eine Dolmetscherin für die Angestellten übersetzt.

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Gerhard Schröder: Perfekte Inszenierung – dann geht das Sortiment zu Bruch

Nach einem Gespräch hinter verschlossenen Türen inspizierte Schröder dann das Sortiment seines neuen Arbeitgebers. Videos zeigen, wie er von einem Medientross umringt wird: Vorbei an Nudeln, Alkohol und Pralinen scheint nur ein Medienvertreter die perfekte Inszenierung zu stören: „Vorsicht“, schallt es durch den Raum. Es folgt ein lautes Klirren, nachdem offenbar ein rückwärtslaufender Journalist das „Globus“-Sortiment touchiert hatte. Von den Scherben auf dem Boden lässt sich der Altkanzler aber nicht beeindrucken – im Arm seiner Frau läuft er weiter.

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Der Altkanzler war nach „RBK“-Angaben von den Anteilseignern bereits am 30. September in den Aufsichtsrat aufgenommen worden. Er werde an der allgemeinen Unternehmensführung teilnehmen und die strategische Entwicklung der Firma in Russland leiten, hieß es. 

Der 82-Jährige ist mit Kremlchef Wladimir Putin befreundet und steht unter anderem wegen dieser engen Verbindung zu Putin und wegen seines Engagements für russische Energieunternehmen seit Jahren in der Kritik. Auch während des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hat sich Schröder wiederholt mit Putin getroffen.

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Globus: Russischer Ableger „juristisch und organisatorisch“ eigenständig

Globus ist eines der wenigen westlichen Unternehmen, die in Russland blieben, nachdem Moskau seine Offensive gegen die Ukraine gestartet hatte. Die russische Marke Hyperglobus trennte sich aber 2025 von der deutschen Globus Holding GmbH, um eine eigenständige Einheit zu werden. Sie agiere in Russland „juristisch und organisatorisch“ eigenständig. Die Geschäfte in Russland verwenden weiterhin die Marke Globus. „RBK“ zufolge zählte die Kette Ende 2025 22 Supermärkte in acht russischen Regionen. 

Moskau hatte zuletzt die Russland-Geschäfte mehrerer westlicher Konzerne unter russische Verwaltung gestellt, die aus Ländern stammen, die die Ukraine unterstützen. Ende September stellten die russischen Behörden das Russland-Geschäft des deutschen Handelskonzerns Metro unter ihre Verwaltung. 

mit Material von dpa/afp