Der Wahlabend in Sachsen-Anhalt endet mit einer Zahl, die bis nach Schwerin wirkt: Mit 43,8 Prozent wird die AfD stärkste Kraft und lässt die CDU deutlich hinter sich. Für Leif-Erik Holm kommt dieser Erfolg zur rechten Zeit. Am 20. September wählt Mecklenburg-Vorpommern einen neuen Landtag – und Holm will Ministerpräsident werden. In der jüngsten Infratest-dimap-Umfrage liegt die AfD dort mit 35 Prozent vor der SPD mit 32 Prozent. Nach dem Ergebnis in Sachsen-Anhalt spricht Holm bereits von einer „blauen Welle“, die nun Richtung Schwerin schwappe.

Der 56-Jährige prägt die AfD im Nordosten seit mehr als einem Jahrzehnt. Im Ton tritt er oft nüchterner auf als manche Parteikollegen, politisch vertritt er dennoch einen klaren Kurs. Wer ist der Mann, der Manuela Schwesig herausfordert – und dessen Weg vom Radiostudio über den Bundestag nun bis in die Schweriner Staatskanzlei führen könnte?

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Leif-Erik Holm: Die wichtigsten Infos zum Politiker im Steckbrief

NameLeif-Erik Holm
Geburtstdatum1. August 1970
AmtBundestagsabgeordneter und Landesvorsitzender AfD in MV
ParteiAlternative für Deutschland (AfD)
Parteimitglied seit2013
Familieverheiratet, vier Kinder
WohnortSchwerin

Leif-Erik Holm: Herkunft, Ausbildung, Beruf, Familie – das Wichtigste zu seinem Privatleben

Leif-Erik Holm wurde am 1. August 1970 in Schwerin geboren und wuchs nach eigenen Angaben in einem kleinen Ort am Rand der Stadt auf. Er ist verheiratet und hat vier Kinder. Nach der Polytechnischen Oberschule in Lübstorf absolvierte er eine Lehre zum Elektromonteur beim BMK Industrie- und Hafenbau Stralsund. Anschließend leistete er seinen Grundwehrdienst in der Nationalen Volksarmee (NVA).

Später holte Holm das Fachabitur an der Technischen Hochschule Wismar nach und studierte Volkswirtschaftslehre an der Humboldt-Universität zu Berlin. Das Studium schloss er mit einem Master ab. Bevor er in die Politik wechselte, arbeitete Holm mehr als zwei Jahrzehnte beim Radio, unter anderem für Antenne MV, Hit Radio FFH und den NDR.

Leif-Erik Holm bei der AfD: Die wichtigsten Stationen seiner Karriere

Der Wechsel in die Politik folgte 2013. Holm trat der neu gegründeten AfD bei und wurde zu einer der prägenden Figuren des Landesverbandes in Mecklenburg-Vorpommern. Mit kurzer Unterbrechung steht er seit Jahren an dessen Spitze. 2016 zog Holm in den Schweriner Landtag ein und führte dort die AfD-Fraktion. Ein Jahr später wechselte er in den Bundestag. Von 2017 bis 2023 war er stellvertretender Vorsitzender der AfD-Bundestagsfraktion. Heute ist er wirtschaftspolitischer Sprecher, Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Energie sowie stellvertretendes Mitglied im Verkehrsausschuss.

Seine politische Laufbahn verlief allerdings nicht ohne Niederlagen. 2023 trat Holm zur Oberbürgermeisterwahl in Schwerin an, verlor jedoch die Stichwahl. Zwei Jahre später gewann er bei der Bundestagswahl 2025 erstmals ein Direktmandat. Nach Angaben der Bundeswahlleiterin erhielt er 35,9 Prozent der Erststimmen. Seither vertritt er den Wahlkreis Schwerin – Ludwigslust-Parchim I – Nordwestmecklenburg I im Bundestag.

Nun zieht es Holm erneut in die Landespolitik. Die AfD hat ihn zum Ministerpräsidentenkandidaten für die Landtagswahl am 20. September bestimmt. Seine Kandidatur birgt allerdings ein Risiko: Holm steht nicht auf der Landesliste, sondern tritt direkt im Schweriner Wahlkreis 8 gegen Ministerpräsidentin Manuela Schwesig an. Platz eins der AfD-Landesliste belegt Co-Landeschef Enrico Schult. Gewinnt Holm den Wahlkreis nicht, kann er nicht über die Landesliste in den Landtag einziehen. Sein Bundestagsmandat bliebe davon unberührt.

Leif-Erik Holm und Manuela Schwesig
Leif-Erik Holm und Manuela Schwesig: Bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern kämpfen beide um die Staatskanzlei.© DPA Images | dpa

Leif-Erik Holm: Für welche Themen setzt sich der Politiker ein?

Holms angestammtes Feld ist die Wirtschafts- und Energiepolitik. Im Bundestag beschäftigt er sich vor allem mit Energiepreisen, Industrie und Wettbewerb. Für den Fall einer Regierungsübernahme kündigte er im Mai im NDR einen „Kassensturz“ an. Holm wetterte in der Vergangenheit auch gegen die Öffentlich-Rechtlichen. Den Rundfunkstaatsvertrag will er aufkündigen. Außerdem will Holm die Kirchensteuer abschaffen. Das AfD-Wahlprogramm setzt zudem auf Atomkraft, russisches Gas und lehnt einen weiteren Ausbau der Windenergie ab.

Im Wahlkampf rückt jedoch ein anderes Thema stärker in den Vordergrund: Migration. Ende August sagte Holm der „Ostsee-Zeitung“, gezielte Zuwanderung von Fachkräften mit Deutschkenntnissen halte er für vertretbar. Zugleich fordert er deutlich mehr Abschiebungen. Mecklenburg-Vorpommern solle nach seinen Vorstellungen ein eigenes Ausreisezentrum und Abschiebehaft schaffen. Auch speziell geschulte Polizeikräfte will er dafür einsetzen. Auch schreckte Holm nicht davor zurück öffentlich mit AfD-Rechtsaußen Björn Höcke zu demonstrieren.

Der NDR beschrieb Holm bereits 2025 als Politiker, der im Ton meist weniger scharf auftrete als prominente Vertreter des rechten AfD-Flügels. Inhaltlich vertritt er dennoch einen restriktiven Kurs. Holm selbst bezeichnet die AfD immer wieder als „bürgerlich-konservativ“.

Leif-Erik Holm: Dienstwagen-Nutzung sorgt für Kontroverse

Kritik an Holm kam in der Vergangenheit auch aus den eigenen Reihen. Der NDR berichtete, frühere Mitstreiter hätten ihm politische Wendigkeit vorgeworfen. Als Beispiel nennt der Sender seinen Wechsel vom Schweriner Landtag in den Bundestag: Nach der Landtagswahl 2016 hatte Holm zunächst den Eindruck vermittelt, in der Landespolitik bleiben zu wollen, kandidierte kurz darauf aber doch für Berlin.

Auch sein Umgang mit weit rechts stehenden Parteifreunden sorgte für Kritik. Der NDR verweist auf die früheren Co-Landesvorsitzenden Dennis Augustin und Holger Arppe. Holm arbeitete längere Zeit mit beiden zusammen; später kam es zum Bruch, nachdem Augustins NPD-Vergangenheit und bei Arppe Gewaltfantasien bekannt geworden waren.

Eine jüngere Kontroverse folgte im Juli 2026. Holm bestätigte, sich mit einem Fahrzeug der Fahrbereitschaft des Bundestages zum AfD-Bundesparteitag nach Erfurt und zurück fahren gelassen zu haben. Er begründete dies mit der Sicherheitslage und dienstlichen Gesprächen. Der Bundestag verwies darauf, dass die Fahrzeuge ausschließlich für Aufgaben der Fraktionen genutzt werden dürften. Abschließend geklärt war die Frage zunächst nicht.

ParteiAlternative für Deutschland (AfD)
Gründung6. Februar 2013
IdeologieRechtspopulismus, Nationalkonservatismus, EU-Skepsis, Rechtsextremismus
VorsitzendeTino Chrupalla und Alice Weidel (Stand: Mai 2025)
Fraktionsstärke152 Abgeordnete im Bundestag (Stand: Mai 2025)
Bekannte MitgliederJörg Meuthen (ehemals), Alexander Gauland, Björn Höcke

So geht Holm mit einer ungewöhnlichen Konstellation in die letzten Tage des Wahlkampfs: Seine Partei liegt in Mecklenburg-Vorpommern vorn, er selbst im direkten Vergleich mit Schwesig deutlich zurück. Der Erfolg in Sachsen-Anhalt gibt der AfD zusätzlichen Rückenwind. Ob er auch Holm bis in die Schweriner Staatskanzlei trägt, entscheidet sich am 20. September.