Auf Social Media machen derzeit besonders aufmerksamkeitserregende Beiträge die Runde. Da postet die Tageszeitung „Taz“ scheinbar ein Video, in dem Berlins Regierendem Kai Wegner ein Kapitalverbrechen unterstellt wird. Das Ganze geschieht in englischer Sprache, das Logo der „Taz“ verleiht dem Video den Anschein von Authentizität. Ähnliches passiert bei der „Zeit“. Sie scheint in einem ihrer Kanäle über eine Grünen-Politikerin aus Dessau-Roßlau zu berichten, die gesellschaftliche Spaltung entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze betreiben soll.
Beide Videos eint: Es sind Falschmeldungen, sie sind erfunden, nicht wahr – und sollen ganz gezielt den Eindruck erwecken, sie wären es. Betroffen sind nicht nur „Taz“ und „Zeit“. Auch im Namen von „Süddeutsche Zeitung“, „FAZ“ und „SpiegelTV“ wird aktuell solches Störfeuer nach Deutschland gesendet. Die Posts gehören zu einer Desinformationskampagne, der Operation Matrjoschka, die laut Sicherheitsbehörden die Landtagswahlen im September beeinflussen soll. Betroffen seien alle Parteien außer der AfD und dem BSW.
Dahinter steckt nach Einschätzung von Ämtern und Behörden Russland, das kremlfreundliche Parteien im Wahlkampf unterstützt, wie es dies auch schon bei der Bundestagswahl im vergangenen September getan hat. Das Auswärtige Amt spricht von hybrider Bedrohung durch Russland.
Dem Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) ist die „unzulässige ausländische Einflussnahme und Informationsmanipulation“ bekannt. Der Staatsschutz in Sachsen-Anhalt ermittelt wegen Verleumdung gegen die bislang unbekannten Macher der Kampagne.
Desinformation: Medien in der Zwickmühle
„Die aktuell verbreiteten Videos weisen große Ähnlichkeit mit vorherigen Kampagnen der Operation Matrjoschka auf“, sagt die Desinformations-Expertin Karolin Schwarz unserer Redaktion. Meist ginge es in solchen Posts, die über gekaperte Konten und Fake-Accounts verbreitet würden, um außergewöhnliche Skandale. „Im Zentrum der Desinformation stehen Parteien, die die Ukraine unterstützen.“ Neu sei, dass sich die Angriffe auch gegen weniger bekannte Kandidaten und Kommunalpolitiker richteten.

Der öffentlich-rechtliche Auslandssender Deutsche Welle – selbst von der Kampagne betroffen – hat darüber mit Eric Stehr gesprochen, der in Sachsen-Anhalt für die Linke im südlichen Burgenlandkreis antritt. Er soll laut Falschberichterstattung seine Großmutter ermordet haben, unter anderem. Der Studierende sagt, er habe dabei „gemischte Gefühle“, wolle einerseits nicht, dass „sowas im Internet steht“. Andererseits sei ihm bewusst: „Ich kann nichts dagegen tun.“
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Expertin Schwarz gibt dabei zu bedenken, dass die Kampagne bislang nicht besonders viele Menschen erreichen konnte. Auch bei vergangenen Aktionen hätten solche Desinformationskampagnen „häufig wenig Reichweite erzielt“. Zwar gebe es Ausnahmen. Das Ziel dieser und ähnlicher Aktionen sei aber „auch die Berichterstattung in den Medien“. Jede Berichterstattung würde von den Urhebern als Erfolg gewertet, auch Lügen entlarvende Faktenchecks.
Es geht den Machern unter anderem darum, Falschbehauptungen in den Köpfen der Mediennutzenden zu verankern und darüber Meinung und möglicherweise eine Wahlentscheidung zu beeinflussen – Experten sprechen vom „availability bias“. Gleichzeitig erwecken Faktenchecks in etablierten Medien bei Menschen, die solchen Medien ohnehin misstrauen, das genaue Gegenteil. Eine Richtigstellung dient dann als Beweis dafür, dass vermeintlich etwas vertuscht wird.

Desinformation erkennen: Expertin gibt Rat
Erkennen lasse sich Desinformation laut Karolin Schwarz hier daran, dass die Videos englischsprachig seien und Logos verschiedener Medien enthielten. Wer solche Post sehe, dem könne schon der Blick auf die entsprechende Seite eines Mediums helfen, „mit einer Suche nach dem Namen der Person, die dann keine Ergebnisse liefert“. Gerade bei vermeintlich aufsehenerregenden Skandalen lohne immer die Suche nach Berichterstattung seriöser Medien.
Wichtig sei auch, diese Videos und andere Falschnachrichten auf keinen Fall weiterzuverbreiten oder zu kommentieren, mahnt die Expertin. Dies bediene am Ende nur die Logik der Algorithmen. „Alle Interaktionen zahlen auf den Post ein und sorgen für mehr Verbreitung.“ Darauf zielten solche Desinformationen ab. „Dementsprechend sind melden, blocken oder ignorieren hier die sinnvollsten Vorgehensweisen.“


![DIESES FOTO WIRD VON DER RUSSISCHEN STAATSAGENTUR TASS ZUR VERFÜGUNG GESTELLT. [RUSSIA, LUGANSK PEOPLE'S REPUBLIC - JULY 29, 2026: A serviceman from the military commandants office of the Lugansk People's Republic performs an air defence duty to protect the airspace of the Lugansk People's Republic. Alexander Reka/TASS] Air defence in Lugansk People's Republic, Russia](https://img.sparknews.funkemedien.de/412741926/412741926_1785999935_v16_9_1200.jpeg)



