„Ich spüre die Spannung im Raum“, sagte die stellvertretende Labour-Chefin Lucy Powell am Freitagmittag, als sie das Podium betrat. Im kleinen Konferenzraum im Zentrum Londons brach Gelächter aus – denn es war der wohl spannungsfreiste Labour-Vorsitzkampf seit Jahren. Seit Wochen stand fest, dass Andy Burnham ohne Gegenkandidaten die Nachfolge von Keir Starmer antreten würde. Kurz nach zwölf wurde er offiziell zum Parteichef ernannt. Bereits am Montag soll Burnham Premierminister werden.
„Ich bin bereit“, sagte Burnham unter Applaus. In einer halbstündigen Rede skizzierte er seine Prioritäten und kündigte eine deutliche Abkehr von der Politik seines Vorgängers an. „Die Politik funktioniert nicht“ für viele Menschen, sagte er – und das werde er ändern.
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Burnham will Labour-Partei einen und politische Richtung ändern
Burnham versprach, die Flügelkämpfe innerhalb der Labour-Partei zu beenden und „die Arbeiterbewegung zusammenzubringen“. Dazu gehöre auch, abweichende Meinungen zu tolerieren. Das steht im Kontrast zu Starmer, der gegen Dissens in den eigenen Reihen hart vorging. Burnham kündigte an, alle Strömungen der Partei repräsentieren zu wollen.
Zugleich sagte er dem politischen und wirtschaftlichen Konsens der vergangenen vier Jahrzehnte den Kampf an. „In den 1980er-Jahren schlug Großbritannien wiederholt den falschen Weg ein“, sagte er. „Die politische Macht wurde zentralisiert, und die ökonomische Macht wurde privatisiert.“ Dadurch hätten die Briten die Kontrolle über Wohnungen, Wasser, Energie und Verkehr verloren, während die Lebenshaltungskosten stiegen und wenige Menschen immer reicher geworden seien.
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„Vier Jahrzehnte lang ist unseren Communities in jeder Region und Nation des Vereinigten Königreichs die politische und wirtschaftliche Macht entglitten“, sagte Burnham. Er wolle Regionen und Kommunen wieder mehr Befugnisse geben, damit sie ihre Wirtschaft selbst stärken könnten. Als Beispiel nannte er die Rückführung des Bahnnetzes in der Großregion Liverpool in staatliche Hand binnen zwei Jahren. Solche Reformen sollten das Leben erschwinglicher machen.
Burnham verspricht Einsatz für alle Regionen Großbritanniens
Kritiker befürchten, Burnham könnte sich vor allem für Nordengland einsetzen. Neun Jahre lang war er Bürgermeister von Manchester und kritisierte regelmäßig die Dominanz Londons. Dem hielt er entgegen: „Ich werde mich für den Norden, den Süden, den Osten und den Westen einsetzen. Für Schottland, Wales und Nordirland.“ Er habe als Bürgermeister „dem Norden eine Stimme gegeben – jetzt werde ich dasselbe für alle Regionen tun“. Jetzt sei der Moment, für das ganze Land zu sprechen. „Wir werden den Leuten die Hoffnung zurückgeben.“
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Auch stilistisch setzte sich Burnham von Starmer ab. Während sein Vorgänger oft hölzern wirkte, trat Burnham deutlich authentischer auf und strahlte Optimismus aus. Der „Guardian“ sprach von einer Meisterklasse in der Verbreitung guter „Vibes“.
Ob der Neustart gelingt, wird sich jedoch erst zeigen, wenn Burnham seine Ankündigungen in Regierungspolitik umsetzt. Zunächst wird er sein Kabinett bilden. Den Druck kennt er: „Seien wir ehrlich“, sagte er. „Dies ist eine letzte Chance.“





![Friedrich Merz (CDU) und Bärbel Bas (SPD) im Juni im Bundeskanzleramt. Pressekonferenz [press conference] nach der ?bergabe des Berichts der Altersicherungskommission zur Rentenreform in Berlin](https://img.sparknews.funkemedien.de/413277497/413277497_1790592399_v16_9_1200.jpeg)

