Donald Trump lieferte gerade ein seltenes Kunststück verkorkster Regierungspolitik: Er widerspricht im neu eskalierten Iran-Krieg nicht seinen Gegnern, sondern den eigenen Leuten. Wochenlang hatten Außenminister Marco Rubio und Vizepräsident JD Vance beteuert, in der Seestraße von Hormus dürfe niemand der internationalen Schifffahrt eine Maut abknöpfen. Nun ordnete der Präsident selbst das Gegenteil an.
Die Vereinigten Staaten sollen als eine Art Türsteher des Welthandels auftreten, Öltanker eskortieren und dafür 20 Prozent Schutzgeld kassieren. Der Plan, militärisch die sichere Einladung für iranische Vergeltung in der Region, scheiterte schon im Frühstadium. Am Dienstagmorgen zog Trump zurück. Seine Behauptung, Golfstaaten würden (statt Maut zu zahlen) massiv in den USA investieren, wirkt wie eine Notlüge. Eher wurde hier eine Schnapsidee umgehend begraben. Wie viele Kriegsschiffe samt Drohnenüberwachung und Raketenabwehr wären für den Maut-Plan nötig gewesen? Eben.

Noch gravierender wäre das politische Signal gewesen. Aus „America First“ wird „America kassiert zuerst“? Der Präsident präsentiert militärischen Schutz nicht mehr als Bündnisleistung, sondern als Geschäftsmodell? Sicherheit wird zur Ware, die nur bekommt, wer zahlt? Gerade im Persischen Golf, wo jede Fehleinschätzung immense Kollateralschäden auslösen kann, ist das ein törichtes Spiel. Außenpolitik lebt von Berechenbarkeit. Trumps schnell beerdigter Vorstoß produziert das Gegenteil: Verwirrung bei Verbündeten, neue Angriffsflächen für Gegner und Zweifel daran, ob im Weißen Haus noch halbwegs Verstand ansässig ist.



