Lebende Geiseln hätten aus der Gewalt der Hamas gerettet werden können, doch Israels Regierung entschied sich dagegen und lieferte sie dem Tod aus: Das sagt ausgerechnet der frühere Geiselbeauftragte der Regierung unter Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, der in die damaligen Verhandlungen involviert war.

Nitzan Alon, ein ehemaliger Armeegeneral, war von Netanjahu nach dem Angriff der Hamas am 7. Oktober 2023, bei dem 1200 Menschen getötet und 251 verschleppt wurden, mit der Rettung der Geiseln beauftragt worden.

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Israel: IDF-General zieht drastische Bilanz zum Gaza-Krieg

Nun zieht er eine drastische Bilanz: Der Krieg hätte „mindestens ein Jahr früher“ beendet werden können, wenn sich Israels Regierung nicht einer Verhandlungslösung verweigert hätte, sagt Alon.

Was ihn zu dieser deutlichen Aussage veranlasst hat, war eine Provokation: Der rechtsextreme Politiker Bezalel Smotritch, der in Netanjahus Regierung Finanzminister ist, hatte sich zuvor damit geschmückt, dass „alle Geiseln dank mir wieder hier sind“.

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IDF-General: Smotritch blockierte frühe Geisel-Deals der Regierung

Das konnte Alon nicht so stehen lassen. „Es war Minister Smotritch, der sich in verschiedenen Stadien der verhandelten Übereinkünfte quergelegt hat“, so Alon auf einer Konferenz der Universität Reichman in Herzliya. „Ich glaube nicht, dass er das als seinen Verdienst darstellen kann.“

Die israelische Regierung habe mehrere mögliche Geisel-Deals, die zeitlich viel früher angesiedelt waren als der unter US-Präsident Donald Trump erreichte Deal, einfach pauschal abgelehnt, sagt Alon. Das alles geschah „im Namen des vollständigen Sieges“. Netanjahu hatte den Israelis im Kampf gegen die Hamas wiederholt einen solchen „vollständigen Sieg“ versprochen. In Alons Augen war dieses Konzept von Anfang an verfehlt. Dieses Versprechen habe der „Innenpolitik“ der Regierung gedient und habe wenig mit einer militärischen Strategie zu tun, sagt Alon.

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Israel: Wie viele Tode hätten durch Verhandlungslösungen verhindert werden können?

Smotritch, der die rechtsextreme Partei Religiöse Zionisten leitet, hatte in einem Podcast erklärt, dass er einen entscheidenden Einfluss auf die Geiselpolitik der Regierung genommen habe. Daher sei es ihm zu verdanken, dass schließlich „alle Geiseln“ zurückkehren konnten, meinte er.

„Wenn wir über die Rückkehr der Geiseln sprechen, dürfen wir nicht vergessen, dass ungefähr 40 Geiseln lebend entführt und in Gefangenschaft getötet wurden“, entgegnet Alon. Durch Verhandlungslösungen hätten einige dieser Tode verhindert werden können, glaubt Alon.

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Israel setzt Manöver in Gaza fort

Smotritchs Partei reagierte auf die Kritik mit einem Gegenangriff. „Während zwei Jahren Krieg hat sich Nitzan Alon für eine komplette Kapitulation vor der Hamas starkgemacht“, heißt es in einer Stellungnahme der Partei. „Hätten wir diese Meinung akzeptiert, hätte die Hamas die Kontrolle der Grenze wiedergewonnen.“

Tatsächlich hält die Hamas jenen Teil Gazas, der nicht von Israels Militär besetzt ist, fest im Griff. Laut Einschätzungen israelischer Sicherheitsexperten hat sie seit der Waffenruhe an Macht und Zulauf gewonnen. Israels Armee setzt indes ihre Manöver aus der Luft und am Boden in Gaza fort. Seit dem Waffenstillstandsabkommen im vergangenen Oktober sind dabei laut UN-Angaben rund 1000 Menschen getötet worden, darunter mehr als 250 Kinder. Laut Israels Armee dienen diese Manöver der Abwehr unmittelbarer Gefahren für israelische Soldaten.