Der US-amerikanische Marschflugkörper Tomahawk gilt seit Jahrzehnten als Maßstab für weitreichende Präzisionswaffen wie den deutschen Taurus. Doch seit den zunehmenden Zweifeln an der Nato-Treue der USA unter Trump entwickeln europäische Rüstungsfirmen attraktive Alternativen. Ein vor einigen Wochen auf der Pariser Rüstungsmesse Eurosatory vorgestellter Marschflugkörper des europäischen Lenkwaffenhersteller MBDA soll nun mit der ikonischen Tomahawk gleichziehen können.
Der Marschflugkörper mit der komplizierten Bezeichnung „Naval Cruise Missile–Land Cruise Missile (NCM-LCM) Mk2“ ist sowohl für den Einsatz von Schiffen und U-Booten als auch erstmals in einer bodengestützten Version vorgesehen, heißt es vom in Frankreich ansässigen Unternehmen MBDA. Mit einer Reichweite von mehr als 1000 Kilometern werde das System von Experten bereits als Europas Antwort auf den US-amerikanischen Tomahawk-Marschflugkörper bezeichnet, wie die Fachmedien „Interesting Engineering“ und „AeroTime“ schreiben.
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Nach Angaben von MBDA handelt es sich beim „NCM-LCM Mk2“ um eine grundlegend weiterentwickelte Version des bereits bei der französischen Marine eingesetzten Marschflugkörpers MdCN (Missile de Croisière Naval). Die neue Generation solle eine höhere Reichweite, eine größere Durchschlagskraft sowie eine bessere Überlebensfähigkeit gegenüber moderner Luftverteidigung bieten. Zudem wurde das System für den Einsatz in elektronisch stark umkämpften Gefechtsfeldern optimiert. Ein neues Anti-Störsystem soll die Navigation auch dann ermöglichen, wenn GPS-Signale gezielt gestört oder manipuliert werden.

Wie das Unternehmen mitteilte, kombiniert der Marschflugkörper mehrere Navigationsverfahren. Neben Satellitenortung kommen Geländevergleichsverfahren sowie ein bildgebender Infrarotsuchkopf zum Einsatz. Im Endanflug vergleicht der Flugkörper gespeicherte Referenzbilder mit dem tatsächlichen Zielgebiet und soll dadurch auch unter schwierigen Bedingungen eine hohe Treffgenauigkeit erreichen. MBDA spricht von einer Lösung für die Anforderungen moderner Konflikte, in denen elektronische Kampfführung eine immer größere Rolle spielt.
Auch die Überlebensfähigkeit des Flugkörpers wurde nach Unternehmensangaben verbessert. Der „NCM-LCM Mk2“ fliegt weiterhin in geringer Höhe entlang des Geländes, um der Radarerfassung möglichst lange zu entgehen. Hinzu kommen eine überarbeitete Vorderseite, verbesserte Flugeigenschaften und Maßnahmen zur Verringerung der Radarsignatur. Ziel sei es, selbst stark geschützte Ziele tief im gegnerischen Hinterland erreichen zu können.
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Startsystem soll vier Marschflugkörper abschießen können
Die neue bodengestützte Variante des Marschflugkörpers soll in einem mobile Startsystem transportiert werden, das bis zu vier einsatzbereite Flugkörper abschießen könne und innerhalb von weniger als 15 Minuten aus einer unvorbereiteten Stellung feuerbereit sei. Nach dem Abschuss könne das Fahrzeug dann den Standort rasch wechseln, um einem gegnerischen Gegenangriff zu entgehen. Eine erste Version des Bodenabschusssystems soll nach Unternehmensangaben ab 2029 verfügbar sein.
Die Entwicklung erfolgt vor dem Hintergrund wachsender Bemühungen Europas, sich bei strategischen Waffensystemen unabhängiger von den USA zu machen. Der Krieg in der Ukraine hat den Bedarf an weitreichenden Präzisionswaffen und bodengestützten Langstreckensystemen deutlich erhöht. Während europäische Staaten bislang vor allem über luft- und seegestützte Marschflugkörper wie die britisch-französische Storm Shadow oder den deutschen Taurus verfügten, fehlte bislang ein vergleichbares bodengestütztes System mit großer Reichweite.
MBDA betont zudem, dass der neue Marschflugkörper für eine enge europäische Zusammenarbeit offen sei. Langfristig könnte das System auch Teil koordinierter Angriffe werden, bei denen Flugkörper gleichzeitig von Schiffen, U-Booten und bodengestützten Startfahrzeugen abgefeuert werden. Damit soll die Fähigkeit europäischer Streitkräfte gestärkt werden solle, wichtige Ziele auch in stark verteidigten Gebieten präzise und über große Entfernungen zu bekämpfen.






