Hitzefrei und ab ins Freibad. So war das damals, in den 1980er-Jahren. Durchgebräunt waren wir schon, noch bevor es in die Sommerferien ging. Dabei hatten wir die Qual der Wahl: Gehen wir in das große Stadtbad mit Zehn-Meter-Sprungturm, ins Freizeitbad mit Wellenbecken oder am Stadtrand in das kleine Bad, wo es nur einen Startblock gab?

Auf hatte sie alle, und zwar den ganzen Sommer lang. Wir Schülerinnen zahlten eine Mark, und auch die Erwachsenenpreise waren so erschwinglich, dass es völlig normal war, mit der ganzen Familie ins Freibad zu gehen. Unser Glück damals: In den 1960er- und 1970er-Jahren wurden viele Schwimmbäder gebaut. Daher war die Technik noch so neu, dass es kaum Probleme gab.

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Putz platzt von den Beckenwänden, Rohre rosten, die Technik ist veraltet

Leider wurden viele Schwimmhallen und Freibäder in den Jahrzehnten danach viel zu wenig oder gar nicht saniert. Also platzt längst der Putz von den Beckenwänden, Rohre rosten vor sich hin, Umwälzanlagen sind defekt. Und wenn das Bad eigentlich noch in Ordnung ist, dann fehlt das Personal.

Birgitta Stauber
Birgitta Stauber, Textchefin© FUNKE Foto Services | Reto Klar

Also ist es kein Wunder, dass in diesem Hitzesommer Meldungen über geschlossene Freibäder zur traurigen Realität gehören. Die Kommunen sind derartig klamm, dass für Schwimmbäder, die zur freiwilligen Leistung gehören, kein Geld mehr da ist. Dann wird eben das einzige Freibad der Kleinstadt oder der Gemeinde am Stadtrand geschlossen

Damit geht ein großer Teil der sommerlichen Leichtigkeit verloren – und damit der Lebensqualität. Vor allem in Kommunen, in denen schon die einzige Gaststätte dicht ist, der Jugendclub ebenfalls ein Opfer des Spardrucks wurde und der Supermarkt nur mit dem Auto erreicht werden kann. Freibäder haben eine Symbolkraft. Rotten sie vor sich hin, ist es ein Zeichen, dass sich eine Kommune aus dem Alltag der Menschen zurückzieht. Es wird Zeit, dass Bund, Länder und Gemeinden bei der Finanzplanung diese Symbolkraft erkennen.