- Die Bonner Nordbrücke der Autobahn A565 bleibt für mindestens mehr als zweieinhalb Jahre gesperrt
- Ein Teilstück der Rheinquerung ist zu kaputt, um darüber Autos und Lkw fahren zu lassen
- Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder will den Neubau des betreffenden Brückenteils schnellstmöglich in Gang bringen
Die für die Region Bonn und den Rhein-Sieg-Kreis wichtige Bonner Nordbrücke kann nicht mehr für den Verkehr freigegeben werden. Das sagte Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) am Freitag (19. Juni) in Berlin. Die wichtige Rhein-Querung der Autobahn A565 war am 3. Juni kurzfristig voll gesperrt worden. Grund waren massive Schäden, die am Tragwerk eines wichtigen Brückenteils entdeckt worden waren.
„Die Schäden an der Brücke haben sich so verschlechtert, dass sie bis auf Weiteres nicht mehr für den Pkw- und Lkw-Verkehr in Frage kommt“, sagte Schnieder am Vormittag auf einer Pressekonferenz. Dies sei „eine schlechte Nachricht für Stadt und Region“, erklärt Schnieder. Doch der Minister wollte am Freitag auch Aufbruchstimmung verbreiten.
Nordbrücke in Bonn bleibt zu: Abriss noch in 2026, hofft Minister

So soll noch an diesem Freitag das Vergabeverfahren für die Abrissarbeiten gestartet werden, sagte Schnieder. Man hoffe, dass der Auftrag für den Abriss des betreffenden Brückenteils „noch in diesem Juli erteilt werden kann“, sagt Schnieder. Gleichzeitig soll noch bis Ende 2026 der Neubau des betreffenden Brückenteils ausgeschrieben werden. Der Auftrag für den Neubau soll nach Möglichkeit ebenfalls noch in diesem Jahr erfolgen.
„Jede dritte Rheinbrücke in NRW ist für den Wirtschaftsverkehr gesperrt“
Die Sperrung der Bonner Nordbrücke wegen massiver Baumängel, die die Verkehrssicherheit gefährden, ist kein Einzelfall in NRW. „Jede dritte Rheinbrücke ist für den Wirtschaftsverkehr gesperrt“, beklagen die Industrie- und Handelskammer im Rheinland. Die Folge: „Das schwächt Lieferketten, verteuert Transporte und nimmt Unternehmen Planungssicherheit.“ Die Bonner Nordbrücke müsse daher „zum Wendepunkt werden“, fordert die IHKs, endlich schneller für Ersatz zu sorgen. „Es gibt 23 Straßenbrücken über den Rhein in NRW. Davon sind sieben durch Ablastungen bzw. Sperrungen eingeschränkt. Hinzu kommen weitere aufgrund von reduzierten Querschnitten“, sagt eine Sprecherin der IHK zu Düsseldorf. Besonders sind die auf jeweils 3,5 Tonnen Fahrzeuggewicht ‚abgelasteten‘ Brücken Theodor-Heuss-Brücke in Düsseldorf, die Mülheimer Brücke in Köln und die dortige Deutzer Brücke. Über die Kardinal-Frings-Brücke zwischen Neuss und Düsseldorf dürfen nur noch Fahrzeuge mit höchstens 7,5 Tonnen Gewicht; die Brücke ist die direkte und wichtige Straßenverbindung der beiden Häfen Neuss und Düsseldorf. Ebenfalls nur noch notdürftig in Betrieb ist die Fleher Brücke der A46 in Düsseldorf - wo die Zahl der Fahrspuren von je drei auf zwei reduziert ist. Die Rheinbrücke Emmerich ist ebenfalls nicht mehr voll belastbar. (dae)
Nordbrücke Bonn: Teilstück über den Rhein ist noch intakt
Es geht nur um einen Teil der Brücke, machte Schnieder deutlich, der nicht mehr genutzt werden kann: die auf der linksrheinischen Bonner Seite gelegene Vorlandbrücke über dem Rheinufer. Der Plan des Bundesverkehrsministeriums sieht deshalb vor, nur diesen Teil vorerst neu zu bauen. Schnieder hofft, dass die Nordbrücke dann, teilerneuert, möglichst ab Ende 2028 für den Verkehr freigegeben werden kann.
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Der Zeitplan ist ehrgeizig, doch Schnieder gab sich am Freitag optimistisch: Zum Beispiel am Neubau nach der Sperrung der Rahmedetalbrücke auf der A45 bei Lüdenscheid sei bewiesen worden, „wir können in Deutschland auch schnell“, sagte Schnieder. Hintergrund: Die Rahmedetalbrücke war im Dezember 2021 wegen Einsturzgefahr von einem auf den anderen Moment gesperrt worden. Im Mai 2023 wurde die Brücke gesprengt, im Oktober darauf folgte der Beginn des Neubaus. Seit Dezember 2025 ist die Autobahn wieder ohne Umleitung befahrbar, als die erste von zwei Brückenseiten für den Verkehr freigegeben wurde.
ADAC rät Bonn-Pendlern zu mehr Home-Office - besonders an zwei Wochentagen
Die Bonner Nordbrücke wurde im Juli 1967 für den Verkehr freigegeben und ist die wichtigste Ost-West-Straßenverbindung in der Region Bonn und Rhein-Sieg. Den Daten nach verkehrten dort bis zur Sperrung am Nachmittag des 3. Juni im Durchschnitt 100.000 Fahrzeuge täglich. Ein Neubau der kompletten Brücke ist schon lange im Gespräch.
„Ganz wichtig ist für uns jetzt Schnelligkeit“
„Die Rheinbrücke Bonn-Nord ist mehr als eine einzelne Brücke“, erläuterte die für die Bundesfernstraßen zuständige Autobahn GmbH: „Sie ist ein Brückenzug, ein System aus drei zusammenhängenden Bauwerken: Auf der linksrheinischen Seite führt die 660 Meter lange Vorlandbrücke als Hochstraße aus Spannbeton zur eigentlichen Strombrücke über den Rhein. Diese Strombrücke und auch die rechtsrheinische Vorlandbrücke können weiterhin PKW- und LKW-Verkehr tragen“, teilte die Autobahn GmbH mit. Zum geplanten Neubau der Vorlandbrücke sagt Dr. Michael Güntner, Vorsitzender der Geschäftsführung der Autobahn GmbH: „Ganz wichtig ist für uns jetzt Schnelligkeit“. Man werde deshalb bei der Ausschreibung „das Kriterium der Schnelligkeit zum wichtigen Wertungskriterium machen“, sagt Güntner. Die Ausschreibung werde als „funktionale Ausschreibung“ ausgestaltet, so könnten Planung und Bau zusammen vergeben werden. „Bauwirtschaft und Bauindustrie können so die besten und vor allem schnellsten baulichen Lösungen anbieten“, sagt Güntner. (dae)
Der ADAC Nordrhein sieht die Brückensperrung als „Worst Case“ für die Verkehrssituation in der Region Bonn und Rhein-Sieg: „Autofahrer müssen nach unserer Modellstudie pro Jahr Umwege von 50 Millionen Kilometern in Kauf nehmen, Lkw von 5,5 Millionen Kilometern. Der volkswirtschaftliche Schaden beträgt jährlich mehr als 170 Millionen Euro“, sagte Prof. Roman Suthold, verkehrspolitischer Sprecher in einer Stellungnahme. Bonn-Pendlern rät Suthold „wo es möglich ist, Home-Office-Tage zu nutzen und diese verstärkt auf den Mittwoch oder Donnerstag zu legen, da an diesen Wochentagen die Staugefahr am größten ist.“
Für die Stadt Bonn ist die Nachricht ein Schock, sagte Oberbürgermeister Guido Déus am Freitag. Er fürchtet, dass die Stadt mit den massiven Staus womöglich drei weitere Jahre lang werde leben müssen, falls es mit dem Neubau der linksrheinischen Vorlandbrücke doch nicht so schnell gehen sollte, wie erhofft. Es gebe aber auch positive Nachrichten, sagte Déus: „Wir zählen sehr viel mehr Radfahrende“. Etwa auf der innerstädtischen Rheinverbindung Kennedybrücke würden statt 8000 inzwischen 19.000 Radfahrer gezählt, meinte der OB. Pendler nutzten auch vermehrt die P+R-Plätze, „viele steigen auf den ÖPNV um.“
Erste Eindrücke vom Gratis-ÖPNV: Busse und Bahnen sind „nicht zu 100 Prozent voll“
Der Stadtrat hatte eine Woche zuvor unter anderem beschlossen, Bus und Bahn im Bonner Stadtgebiet bis Ende Juni ticketfrei zu stellen. „Die Nachfrage nach dem kostenfreien Nahverkehr ist weitgehend gut angelaufen“, fasste ein Sprecher der Bonner Stadtwerke (SWB) am Freitag die bisherigen Eindrücke zum Gratis-ÖPNV in Bonn zusammen: „Bislang sind die Busse und Bahnen nicht zu 100 Prozent ausgelastet, was bedeutet, dass wir bisher alle Fahrgäste befördern konnten“, sagte der Sprecher auf Anfrage.
Die Verkehrslage in Bonn habe sich inzwischen auch „ein wenig entspannt“, sagte der Sprecher. Doch „zu den Stoßzeiten fahren wir uns auf den Hauptausweichrouten des motorisierten Individualverkehrs immer noch massive Verspätungen ein“, räumte er ein.
Stadt Bonn drängt auf mehr Unterstützung des Bundes
Im Rhein-Sieg-Kreis will man dem Bonner Beispiel indes nicht folgen, sagte eine Sprecherin. Die Folgen durch die Sperrung seien für Pendler und Betriebe auch im Kreis „äußerst gravierend“. Angesichts der Haushaltslage des Rhein-Sieg-Kreises „ist ein zeitweiser Gratis-ÖPNV bislang nicht geplant“, sagte die Sprecherin. Man prüfe aber gemeinsam mit dem Verkehrsverbund „gezielte Werbemöglichkeiten, um potentielle Umsteiger zu gewinnen.“
Bonns OB Déus hatte bereits in der Ratssitzung am 11. Juni deutlich gemacht: Egal wie es mit der Nordbrücke weitergehe, der Gratis-ÖPNV laufen nur bis 30. Juni. Mehr könnte sich die Stadt gar nicht leisten. Mit Blick auf die bevorstehende Zeit bis zum Neubau der Nordbrücke sagte der Oberbürgermeister: „An der Schwelle zum Haushaltssicherungskonzept, werden uns die innerstädtisch erforderlichen Maßnahmen in eine Situation bringen, die wir allein nicht bewältigen können.“ Er drängt deshalb auf mehr Unterstützung des Bundes, als „‘nur‘ den Ersatzneubau der Vorlandbrücke.“





