Zwischen Windeln, Schlafmangel und den ersten Tagen mit dem Neugeborenen müssen Eltern bislang Formulare ausfüllen, Unterlagen zusammensuchen und Anträge bei der Familienkasse einreichen. Genau damit soll Anfang 2027 Schluss sein.
Das Kindergeld soll in Deutschland schrittweise automatisch ausgezahlt werden, ohne separaten Antrag der Eltern. Am Freitag berät der Bundestag erstmals den Gesetzentwurf von Lars Klingbeil (SPD) zur Einführung eines antragslosen Kindergeldes. „Mehr Zeit fürs Baby statt für lästige Bürokratie“, beschreibt der Finanzminister das Ziel. „Eltern sollten nach der Geburt voll und ganz für ihr Baby da sein können. Niemand will sich zwischen schlaflosen Nächten mit unnötigem Papierkram herumschlagen.“
Auch interessant
Kindergeld: Familien sollen in zwei Stufen entlastet werden
Geplant ist ein zweistufiges Verfahren: Zunächst soll das antragslose Kindergeld nur bei zweiten und weiteren Kindern funktionieren. Schließlich kennt die Familienkasse die Eltern und ihre Kontoverbindung in diesen Fällen meist bereits aus früheren Kindergeldzahlungen. Später soll das Verfahren dann auch auf Erstgeborene ausgeweitet werden. Sobald einem Neugeborenen die Steuer-ID zugeteilt wird und alle nötigen Daten vorliegen, soll die Auszahlung automatisch anlaufen – ganz ohne Papierformular, Termin oder Behördengang.

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) habe im Jahr 2025 insgesamt rund 1,84 Millionen Kindergeldanträge bearbeitet, erklärt Sylvie Schwer von der Pressestelle der Bundesagentur für Arbeit. Das biete Potenzial für enorme Erleichterungen.
Kindergeld-Reform soll Familien entlasten und Bürokratie abbauen
Eine durchschnittliche Bearbeitungsdauer einzelner Anträge werde jedoch statistisch nicht erfasst. Mit Blick auf die Reform betont die Sprecherin den erwarteten Nutzen für Familien: „Wir gehen davon aus, dass es vor allem für Familien eine große Erleichterung bringt, nicht mehr selbst die Initiative für die Beantragung des Kindergeldes ergreifen zu müssen.“ Auch eine schnellere Auszahlung werde erwartet.
Mehr Politik-News
Für die Verwaltung sieht die BA ebenfalls Vorteile. „Mit dem automatisierten und dem antragslosen Kindergeld wird Bürokratie abgebaut, unsere Verwaltungsprozesse werden einfacher und damit kostengünstiger“, erklärt Schwer.

Die größte Herausforderung liegt aus Sicht der BA allerdings in der technischen Umsetzung. „Es geht um Schnittstellen, das ist immer die Herausforderung von Verwaltung, also das Zusammenführen von Daten von verschiedenen Behörden. Es ist wie das Übersetzen von einer Sprache in eine andere“, beschreibt Schwer die Problematik hinter dem geplanten Datenaustausch zwischen den Behörden.
Klingbeil: „Das spart Zeit, Geld und Nerven, auf allen Seiten“
Künftig soll die Familienkasse die notwendigen Informationen automatisch von anderen Behörden erhalten. „Der Staat nutzt die Daten, die er schon hat“, erklärt Klingbeil. Die Anspruchsprüfung bleibe zwar bestehen, viele klassische Anträge könnten jedoch wegfallen. Nach Angaben des Finanzministers könnten dadurch jährlich rund 300.000 Erstanträge entfallen. „Das spart Zeit, Geld und Nerven, auf allen Seiten“, betont Klingbeil.



![Friedrich Merz (CDU) und Bärbel Bas (SPD) im Juni im Bundeskanzleramt. Pressekonferenz [press conference] nach der ?bergabe des Berichts der Altersicherungskommission zur Rentenreform in Berlin](https://img.sparknews.funkemedien.de/413277497/413277497_1790592399_v16_9_1200.jpeg)

