Das war zu befürchten: Die relative Ruhe im Iran-Krieg ist nicht von Dauer. US-Präsident Trump ist in Bedrängnis, nachdem er mit leeren Händen von seinem China-Besuch zurückgekehrt ist: Trump wollte Präsident Xi dazu bewegen, Druck auf Teheran für ein Abkommen im Sinne Washingtons auszuüben. Den Gefallen tut Xi ihm offenbar nicht. Für Peking zählt der strategische Nutzen aus Trumps Fehlkalkulation in der Iran-Krise mehr als die bislang überschaubaren Belastungen für Chinas Wirtschaft.

Das Mullah-Regime selbst hat zwar auf Dauer nicht die besseren Karten, aber vorerst die besseren Nerven: Nicht nur, dass der Iran mit der Sperrung der Straße von Hormus noch immer einen starken Hebel in der Hand hält, trotz der schmerzhaften amerikanischen Gegenblockade. Es mehren sich auch die Hinweise, dass die massiven Bombardements der USA und Israels das iranische Raketenarsenal zwar beschädigt, aber bei Weitem nicht zerstört haben. In dieser Lage pokert Teheran hoch.

Kommentarkopf Christian Kerl
Christian Kerl, Politik-Korrespondent© ZRB | ZRB

Für Trump aber läuft die Zeit: Er braucht dringend den Erfolg im Iran-Krieg. Seine Anhänger werden ungeduldig, die Stimmung kippt, bei den Midterms droht ein Desaster. Trumps neue Warnungen vor einem erneuten Angriff auf den Iran sind deshalb ernster zu nehmen als frühere Wutreden. Die Vorbereitungen laufen, auch in Israel.

Nicht weniger beunruhigend: Sollte sich der Konflikt in die Länge ziehen, wird in Washington schon über einen Stopp der US-Öl- und Gasexporte diskutiert, um die eigenen Reserven zu sichern. Das alles sind keine guten Aussichten für Europas Wirtschaft. Es dürfte eher noch schlimmer werden, bevor es besser wird.