Freude beim US-Präsidenten, Sorge und Zweifel unter Ökonomen und Notenbankern auf der ganzen Welt: Donald Trumps Kandidat Kevin Warsh leitet künftig die Federal Reserve, die wichtigste Notenbank der Welt. Der Senat bestätigte die Personalie mit einer Mehrheit von 54 zu 45 Stimmen. Volkswirte befürchten, dass sich die Fed nun von einer datenbasierten Geldpolitik entfernen wird und politisch gesteuert agieren könnte. Steht die Unabhängigkeit der Fed tatsächlich auf dem Spiel, nur um Präsident Trump zu besänftigen?

Das zumindest befürchtet etwa die demokratische Senatorin Elizabeth Warren, die Warsh jüngst als mögliche „Marionette“ des Präsidenten bezeichnete. Trump hatte in den vergangenen Monaten vehement Zinssenkungen vom bisherigen Fed-Chef Jerome Powell gefordert. Der zwölfköpfige Zentralbankrat sträubte sich. In der Folge beleidigte Trump Powell und stellte dessen Entlassung in Aussicht.

Warsh hingegen beteuert, er habe sich gegenüber dem Präsidenten zu keiner bestimmten Zinsentscheidung verpflichtet und sei von diesem auch nie dazu aufgefordert worden. Er wolle die Fed unabhängig weiterführen. „Entscheidend wird sein, ob Warsh diese Autonomie am Ende auch gegen den permanenten Zinssenkungsdruck von Donald Trump behaupten kann“, sagte Stephan Bales, US-Experte bei der Förderbank KfW.

Kevin Warsh war zuletzt an der Universität Stanford tätig

Warsh, der zuletzt an der Universität Stanford tätig war, gilt eigentlich als „Inflation Hawk“. Er tendiert also eher zu einer restriktiveren Geldpolitik, um die Inflation in den Griff zu bekommen. Der 56-Jährige soll sich allerdings laut US-Medien offen für niedrigere Leitzinsen gezeigt haben. 

Warsh, Schwiegersohn des engen und langjährigen Trump-Freundes Ronald Lauder, ist ausgewiesener Finanzexperte und hat eine steile Karriere hinter sich. Geboren im Bundesstaat New York, studierte er Politikwissenschaft mit Schwerpunkt Wirtschaft und Statistik an der Elite-Universität Stanford und legte 1995 an der renommierten Harvard Law School einen Jura-Abschluss ab.

dpa/rk