Liebe Leserin, lieber Leser,
erinnern Sie sich an den Februar 2025, als Friedrich Merz seinen Wahlsieg feierte? „Jetzt darf auch mal Rambo Zambo im Adenauer-Haus sein“, rief er bei der Wahlparty seinen Anhängern zu. Die Partei und die künftige Regierung solle jetzt ordentlich Freude rauslassen, ausgelassen sein – und sich dann in die harte Arbeit stürzen. Der Satz ging viral, Stefan Raab und die SWR3-Comedy machten ihn zum Hit. Damals sagte Merz, Deutschland müsse schnell handlungsfähig werden nach dem Ampel-Chaos.
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Ich hoffe, er hat diesen Abend richtig genossen. Denn jetzt zum Jahresjubiläum ist wohl niemandem in seinem Kabinett zum Feiern zumute. Erst recht nicht dem Bundeskanzler, dem in der Beliebtheitsskala die rote Laterne anhängt. Zu viele Menschen im Land hat er mit seinem recht losen Mundwerk verprellt, ich erinnere nur an die Stadtbild-Debatte oder an den Vorwurf, es werde nicht hart genug gearbeitet im Land. Und jüngst erklärte er, die Rente sei lediglich eine Basisabsicherung und nicht dafür da, den Lebensstandard zu sichern. Dann setzte er noch recht rührselig einen drauf: Kein Bundeskanzler habe vor ihm Ähnliches ertragen müssen. Gemeint sind die Shitstorms, die er regelmäßig auf Social Media erntet.
Podcast „Rambo Zambo“: Immer Merz im Blick und preisgekrönt
Meine Kolleginnen Julia Emmrich und Carlotta Richter nahmen die Regierungsbildung vor einem Jahr zum Anlass, mit dem Podcast „Rambo Zambo“ wöchentlich auf den Bundeskanzler zu schauen. Vielleicht haben Sie ihn bereits abonniert, ich kann ihn jedenfalls sehr empfehlen. Damit bin ich nicht allein, immerhin ist „Rambo Zambo“ beim European Newspaper Award in der Kategorie Podcasts ausgezeichnet worden. Eine Anhängerin des Formats brachte es auf den Punkt: Rambo Zambo sei ihre Informationsgrundlage zur aktuellen Politik in Deutschland. Hier geht es zur aktuellen Folge.

Ich selbst höre ihn gerne im Fitness-Studio. Mit dem Politik-Talk der beiden Hosts aus zwei Generationen und ihren Gästen nehme ich kaum wahr, wie meine Muskeln brennen und meine Herzfrequenz steigt.
Damit mache ich, wenn es nach Felix Bertram geht, alles richtig. Der Arzt und Longevity-Experte empfiehlt, den Lieblings-Podcast nur im Gym zu hören, als Belohnung, die es leicht macht, den inneren Schweinehund zu überwinden. Damit man eben nicht mit der Chipstüte vor dem Fernseher landet.
Übrigens, Felix Bertram hostet gemeinsam mit meiner Kollegin Natalja Fischer den Podcast „Länger Leben“. Nach nur zwei Folgen liegt er bei Apple unter den Top 5 der Gesundheitspodcasts. Ich habe sie jeweils auf dem Weg nach Hause gehört und gar nicht richtig wahrgenommen, wie ätzend voll die U-Bahn wieder mal war. Auch mit diesem Podcast sind Sie auf der Höhe der Zeit.
Mütter brennen aus. Da helfen auch die Blumen nicht
Was halten Sie vom Muttertag? Ehrlich gesagt, ich kann so, wie er in vielen Familien praktiziert wird, nicht viel damit anfangen. Mütter haben nichts von all den Basteleien und Gutscheinen fürs Saugen, Bad putzen und Bügeln. Eingelöst werden sie ohnehin nicht. Sie brauchen auch keinen selbstgebackenen Kuchen, der sie zwingt, den Sonntag im Kreise der Familie zu verbringen, sondern echte Entlastung. Denn sie brennen aus zwischen Job, Haushalt, Kindern und dem Gefühl, ständig an alles denken zu müssen, so mein Kommentar für unsere Wochenendausgabe.

Wie ich den Tag regelmäßig erlebte, als meine Kinder noch klein waren? Ich hatte Sonntagsdienst. Denn meine zahlreichen männlichen Kollegen erklärten damals gerne, sie müssten wenigstens am Muttertag mal zu Hause sein. Ich habe das am Freitag in der Konferenz erzählt und Gelächter geerntet.
Meine jungen Kollegen übrigens nehmen genauso oft und auch lange Elternzeit wie die jungen Kolleginnen. Sie sind dann einfach mal ein Jahr weg und ich finde das wunderbar. Sie gehen auch mal früher, weil die Kita pünktlich schließt, nutzen das Homeoffice und reduzieren ihre Arbeitszeit. Ich glaube nicht, dass dies in den Betrieben selbstverständlich ist, denn in den Statistiken sind es immer noch die Mütter, die lange in Elternzeit gehen und den Teilzeitjob übernehmen.
So nähert sich meine Kollegin ihrer Mutter wieder an
Einmal im Jahr gezielt den Blick auf Mütter zu richten, hat aber auch positive Effekte. Zum Beispiel, wenn das eigene Verhältnis zur Mutter auf den Prüfstand gestellt wird. Meine Kollegin Anne-Kathrin Neuberg-Vural hat dies in einem sehr persönlichen Text getan. Gelungen ist ihr eine wunderbare Annäherung an ihre Mutter, der sie doch lange so fern war. Sie hat die Herausforderungen verstanden, vor denen ihre Mutter stand. Und sie erkennt an, wie sie ihre Tochter ermutigt hat, in die Welt hinauszuziehen.

Teilzeit-Krankschreibung: Die gibt es in Schweden schon lange
Zu viel beruflicher Stress, zu viel Hetze, zu wenig Zeit füreinander, vielleicht eine schwierige Beziehung der Eltern: All das belastet viele Familien. Leider ist unsere Gesellschaft nicht dafür gemacht, die Lasten zu teilen. Das gilt auch für schwere Krankheiten – und das kann zum beruflichen Aus führen. Denn in Deutschland gilt bei Krankschreibungen: alles oder nichts. Das passt für die akute Erkrankung mit schneller Genesung.
Doch wer sehr lange und immer wieder ausfällt aufgrund einer chronischen Erkrankung, wer wegen einer Depression nicht voll belastet werden darf, wer nach einem Unfall Monate, vielleicht Jahre körperlich eingeschränkt ist, dem wird schnell die 40-Stunden-Woche zu viel. Weshalb viele Menschen gezwungen sind, länger krank zu bleiben, als sie eigentlich möchten – und als ihnen guttut.
Nun plant Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) im Rahmen einer Gesundheitsreform, die Teilzeit-Krankschreibung einzuführen, damit Beschäftigte schneller in ihren Job zurückkehren können. Ärztinnen und Ärzte sollen dabei eine teilweise Arbeitsfähigkeit bescheinigen.

In Schweden ist das seit Jahrzehnten völlig normal. Meine Kollegin Aino Akay hat zwei junge Frauen gesprochen, die davon profitieren. Lesen Sie hier ihre Geschichte.
Alles wird teurer. Hier ist der interaktive Beweis
Und nun gebe ich Ihnen ein Instrument zur Hand, mit dem Sie ihrem Bauchgefühl, alles werde teurer, eine solide Grundlage geben können. Unser Daten-Team von André Pätzold, Jeremias Volker und Sebastian Vollnhals hat einen Interaktiv-Warenkorb entwickelt, der ausrechnet, wie stark seit Corona, dem Ukraine-Krieg oder ganz aktuell der Blockade der Straße von Hormus die Preise im Supermarkt gestiegen sind.
Der Warenkorb zeigt mehr als 100 gängige Supermarktprodukte. Es ist, als ob sie einen Online-Kauf tätigen – bis zum Kassenbon. Der zeigt die Preisentwicklung seit dem gewählten Zeitpunkt bis heute. Hier kommen sie zum interaktiven Warenkorb und erfahren, wie er funktioniert und welche Daten zugrunde liegen.

Ich werde mich da auch mal durchklicken und überprüfen, ob mein Bauchgefühl stimmt, dass meine Einkommensentwicklung der Preisentwicklung nicht standhält.
Die Politik versucht zu helfen – und verhakt sich, womit ich wieder bei Merz und seinem unglücklichen Team bin. Beispiel Tankrabatt: Da ich kaum Auto fahre, nützen mir die 17 Cent pro Liter, die ohnehin nur zum Teil bei den Verbrauchern ankommen, wenig. Und den Krisenbonus von 1000 Euro, den die Arbeitgeber steuerfrei auszahlen sollen, hat der Bundesrat am Freitag gestoppt. Die Bundesländer fürchten eben, auf den Kosten sitzen zu bleiben. Das sind alles keine guten Aussichten – weder für die Bundesregierung noch für uns Bürgerinnen und Bürger. Positiv gedacht sage ich dazu: Es bleibt wenigstens spannend.
Mit diesem Gefühl verabschiede ich mich und wünsche ihnen wie immer einen wunderbaren Sonntag.
Ihre Birgitta Stauber



