Sven Schulze ist Deutschlands jüngster Ministerpräsident – und er hat dieses Jahr eine der schwersten politischen Aufgaben von allen: Der 46-Jährige will verhindern, dass zum ersten Mal ein AfD-Politiker Ministerpräsident in einem Bundesland wird. Bei der Wahl in Sachsen-Anhalt geht es um alles – nicht nur für Schulze, sondern auch für seinen Parteichef, Kanzler Friedrich Merz.

Auf die Frage, ob sich Sven Schulze auf ein TV-Duell gegen AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund einlassen würde, ist der CDU-Politiker klar: Er habe damit „kein Problem“. Im Gegenteil: Er freue sich darauf, „gerne auch in TV-Duellen“, herauszustellen, dass der AfD-Mann inhaltlich nicht viel zu bieten habe, um Sachsen-Anhalt voranzubringen. Zum jetzigen Zeitpunkt sei das aber zu früh. Er habe nicht mal die Handynummer von Siegmund, die brauche er „auch gar nicht“.

243385_1325_243385_cover.jpg
#40 Sven Schulze über ein TV-Duell mit der AfD, seine 100-Stunden-Woche und die Frau an seiner Seite
Meine schwerste Entscheidung
 

Wäre der Diplom-Wirtschaftsingenieur lieber gar nicht erst in die Politik gegangen, wenn er gewusst hätte, was auf ihn zukommt? Und wie fühlt es sich an, wenn ganz Deutschland zuschaut, ob die Brandmauer gegen die extrem Rechten hält? Im Podcast „Meine schwerste Entscheidung“ unserer Redaktion spricht Schulze über seine Strategie für den Wahlkampf und seinen Alltag mit der 100-Stunden-Woche.

Sven Schulze: „Ich arbeite zwischen 80 und 100 Stunden pro Woche“

Als schwerste Entscheidung bezeichnet Schulze den Kurswechsel, den er 2014 vollzog – und der sein Leben bis heute bestimmt. Er beendete seinen erfolgreichen Weg in der Wirtschaft und wurde Berufspolitiker: Mit Anfang 30 geht er als Abgeordneter nach Brüssel. Sieben Jahre später kommt er als Wirtschaftsminister zurück nach Sachsen-Anhalt. Der nächste Schritt kam in diesem Frühjahr: Schulze wurde Nachfolger von Langzeit-Ministerpräsident Reiner Haseloff.

Auch interessant

Im Podcast erzählt Schulze, was der Schritt für seine junge Familie bedeutete – und wie viel Zeit heute noch für seine Frau und die Kinder bleibe. Er stehe um 5.30 Uhr auf und komme oft erst um Mitternacht nach Hause. „Ich arbeite zwischen 80 und 100 Stunden pro Woche“, sagt Schulze, und dass er trotzdem versuche, im Alltag zu Hause Aufgaben zu übernehmen: Es geht um Elternabende, wo der Ministerpräsident über die Frage reden muss, ob die Äpfel für den Klassenausflug geschnitten werden sollen – aber auch um seine ganz besondere Art, die Spülmaschine einzuräumen. Viel wichtiger aber: Kati Schulze ist bis heute seine wichtigste Ratgeberin. „Wenn man auf diesem Level Politik macht, hat man viele Schulterklopfer“, sagt Schulze. „Was man wirklich braucht, sind die Menschen, die einen auch mal kritisieren.“

Sven Schulze sieht sich selbst als „Kämpfer“: Er sei oft der Jüngste gewesen und habe sich immer erst mal durchsetzen müssen. Seine Herkunft machte es nicht leichter: Wer aus Sachsen-Anhalt komme, werde oft unterschätzt. Das Land gelte eben in den Augen vieler als das „Bielefeld“ unter den Bundesländern, bekannt nur durch die A2, auf der man hindurchfahre.

Schulze legt großen Wert darauf, dass er als Regierungschef seines Zwei-Millionen-Einwohner-Landes einen eigenen Kurs fährt – und damit auch mal auf Konfrontation mit der Berliner CDU-Spitze geht: „Das gefällt nicht jedem, das ist auch klar.“ Aber: Er habe als Ministerpräsident die gleiche Stimme wie etwa Hendrik Wüst oder Markus Söder.

Den Podcast „Meine schwerste Entscheidung“ können Sie auf allen gängigen Streaming-Plattformen wie Spotify, Apple Podcast und Amazon Music hören. Neue Folgen erscheinen jeden zweiten Donnerstag.