Während internationale Diplomaten in Washington über brüchige Waffenruhen verhandeln, ereignet sich im Libanon eine stille Tragödie, die vor allem die Jüngsten trifft: ein Kollaps des Bildungssystems. Seit die Kämpfe im Süden das Land erschüttern, haben Schulen ihre ursprüngliche Funktion vollständig verloren. Wo früher Kinder unterrichtet wurden, drängen sich heute Hunderte Familien, die vor den Trümmern ihrer Existenz geflohen sind.
In der Hauptstadt Beirut zeigt sich dieses Elend in extremer Dichte. In den Klassenzimmern leben oft zehn oder mehr Personen auf engstem Raum zwischen Schulbänken und improvisierten Lagern. Das bedeutet nicht nur das Ende des regulären Unterrichts für Hunderttausende Schüler, sondern auch einen dramatischen Verlust an Kindheit und Perspektive. Wo Bildung der einzige Ausweg aus der Armut wäre, herrscht nun ein Stillstand, der ganze Generationen zu zeichnen droht. Um einen Eindruck von der Lage im Libanon zu bekommen, war Journalist Jan Jessen mit dem Friedensdorf vor Ort:

Inmitten dieser Behelfskonstruktionen wird deutlich, dass Hilfe weit über Lebensmittelpakete hinausgehen muss. Die hygienischen Zustände in den als Notunterkünfte umfunktionierten Gebäuden sind prekär, und die psychische Belastung der Kinder ist in jedem Gespräch spürbar. Viele von ihnen reagieren auf die ständige Flucht und den Verlust ihrer gewohnten Umgebung entweder mit extremer Unruhe oder völligem Rückzug. Solange die Schulen im Libanon als Massenquartiere statt als Bildungsstätten dienen müssen, bleibt die Zukunft des Landes unter den Trümmern des Krieges begraben. Mehr dazu in der aktuellsten Folge des FUNKE-Podcasts „Im Krisenmodus“.
Deutscher Pressefreiheitspreis für Jan Jessen
Dass diese Schicksale überhaupt Gehör finden, ist der Arbeit mutiger Berichterstatter zu verdanken. Einer von ihnen ist Jan Jessen, Host des Podcasts „Im Krisenmodus“ und Politikchef der NRZ. Für seinen unermüdlichen Einsatz in Krisengebieten wie dem Libanon wird er heute, am 6. Mai 2026, in Berlin mit dem Deutschen Pressefreiheitspreis ausgezeichnet.
Jessen, der seine journalistischen Wurzeln am Niederrhein hat, rückt stets den Menschen in den Fokus, um Krieg über nackte Statistiken hinaus greifbar zu machen. Er nimmt die Auszeichnung unter der Schirmherrschaft von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner stellvertretend für alle Kollegen an, die unter zunehmendem Druck und Zensur weltweit für die Wahrheit eintreten.
Folgen Sie dem Podcast „Im Krisenmodus“:
In unserem Podcast „Im Krisenmodus“ teilen Menschen aus Krisengebieten ihre bewegenden Geschichten. Soldaten, Helfer und betroffene Bewohner berichten aus erster Hand von den Herausforderungen des Krieges und der Krise. Jan Jessen ist vor Ort, um diese Geschichten zu erzählen. Alle zwei Wochen erscheint eine neue Folge, die uns in die unterschiedlichsten Regionen der Welt führt.
Haben Sie eine Anmerkung oder Frage? Schreiben Sie uns an: krisenmodus@funkemedien.de. Dann können wir Ihre Meinung in einer der nächsten Folgen besprechen.
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