Wenn der Chef des Bundeskriminalamts (BKA) mit dem Bundesinnenminister sowie dem Vorsitzenden der Innenministerkonferenz (IMK) die aktuelle polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) vorstellt, gucken in Deutschland alle aufmerksam hin. Über allem steht die Frage: Wie steht es um die Gesellschaft, und können sich die Bürgerinnen und Bürger sicher im Land bewegen?

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU), Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD) als IMK-Chef und BKA-Chef Holger Münch haben deshalb am Montag bei der Präsentation der PKS 2025 in der Bundespressekonferenz in Berlin immer wieder betont, wie komplex die Aufarbeitung einer solchen Statistik ist und dass die Aussagen sich oft nicht generalisieren lassen.

Dennoch präsentierten sie konkrete Ergebnisse: Laut der aktuellen Kriminalstatistik wurden 2025 bundesweit rund 5,5 Millionen Straftaten registriert. Das war ein Rückgang von 5,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch die Zahl der Tatverdächtigen insgesamt sei um 5,9 Prozent auf rund 2,05 Millionen gesunken, was jedoch damit begründet wurde, dass sich die Teillegalisierung von Cannabis von 2024 in der Statistik niederschlage. Aber selbst ohne deren Berücksichtigung sei ein Rückgang zu beobachten gewesen. Dieser habe 4,7 Prozent betragen.

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Gesamtzahl nichtdeutscher Tatverdächtiger weiterhin sehr hoch

Aber vor allem ragten zunächst die Zahlen zur Gewalt hervor. Die Zahl der Fälle von Gewaltkriminalität sei um 2,3 Prozent leicht gesunken. Auch die Zahl der Tatverdächtigen sei zurückgegangen, um 2,6 Prozent. Es habe 7,4 Prozent weniger tatverdächtige Jugendliche gegeben. Und auch die Zahl der tatverdächtigen Zuwanderer sei zurückgegangen – um 7,2 Prozent.

Dennoch: Die Gesamtzahl nichtdeutscher Tatverdächtiger sei bei der Gewaltkriminalität mit 42,9 Prozent weiterhin sehr hoch, hieß es. Innenminister Dobrindt nannte das eine „erhebliche Überrepräsentanz“. In Bezug auf männliche Afghanen und Syrer konkretisierte er die Aussage noch. Im Vergleich zu Männern mit deutscher Staatsbürgerschaft seien die Zahlen „fast zehnmal so hoch“, so Dobrindt. „Aus dieser Situation heraus stellt sich auch die Frage, wie geht man mit dieser Thematik weiter um, und das erfordert auch politische Entscheidungen“, sagte er.

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Innensenator Grote sagte, er stimme mit seinen beiden Kollegen auf dem Podium wohl überein, wenn er vorschlage, dass er bei Straftaten durch Nichtdeutsche „selbstverständlich auch das Aufenthaltsrecht in voller Konsequenz zur Anwendung bringen“ wolle. „Das heißt, dass wir dort Rückführungen auch durchsetzen wollen, wo immer es rechtlich möglich ist.“

Zahl der tatverdächtigen Kinder leicht gestiegen

Die Zahl der tatverdächtigen Kinder stieg laut PKS um 3,3 Prozent erneut an. Die Ursachen müssten genau betrachtet werden, so Münch. Es gebe Risikofaktoren wie zum Beispiel psychische Auffälligkeiten, die nach der Corona-Zeit offensichtlich bei Kindern vermehrt auftreten würden. Und es gebe eine erhöhte Impulsivität sowie eine wachsende Akzeptanz von Verhalten, das von der Norm abweiche.

„Hier spielen auch mögliche andere Einflüsse eine Rolle: Nutzung des Internets, von sozialen Medien und entsprechende Narrative, die man dort auch präsentiert bekommt“, sagte der BKA-Chef. Die Dunkelfeldstudie SKiD 2024 habe gezeigt, „dass besonders junge Menschen von Gewalt betroffen sind. 2,6 Prozent aller Befragten waren bereits Opfer einer Körperverletzung. Im Jahr 2020 waren es noch 2 Prozent.“

Vor allem aber ist die Zahl der Vergewaltigungen im vergangenen Jahr stark gestiegen. Fast 14.500 Fälle von Vergewaltigung, sexueller Nötigung und sexuellen Übergriffen im besonders schweren Fall habe es gegeben – rund 9 Prozent mehr als im Vorjahr. Seit 2018 sei sie um 72 Prozent gestiegen, hieß es. Laut BKA gebe es einen überproportional hohen Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger. Der habe sich mit 38,5 Prozent aber nicht großartig verändert. Der Anteil der nichtdeutschen Opfer liege bei 22,3 Prozent.

Sicherheitsgefühl sinkt nachts und an öffentlichen Orten

Allgemein sei das Sicherheitsgefühl grundsätzlich hoch, sagte Grote. Deutlich niedriger sei es allerdings nachts und an öffentlichen Orten wie dem Nahverkehr, Bahnhöfen oder Parks. Auch das Sicherheitsgefühl von Frauen sei geringer ausgeprägt, sagte so der Hamburger Innensenator.

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Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) findet gerade die Zahl der Sexualstraftaten besorgniserregend. „Zumal hier trotz offenbar gestiegener Anzeigebereitschaft der Opfer leider dennoch weiterhin von einem großen Dunkelfeld auszugehen ist“, sagte ihr Bundesvorsitzender Jochen Kopelke. Er verlangte laut einer Mitteilung: „Wir müssen die Prävention intensivieren und die Opferperspektive stärken.“

Tobias Singelnstein, Professor für Kriminologie und Strafrecht an der Goethe-Universität Frankfurt, sagte unserer Redaktion, die vorgestellten Zahlen seien nicht überraschend. „Das bewegt sich alles im relativ normalen Bereich, vor allem wenn man sich den Gesamtbereich anschaut.“ Die Schwankungen in den einzelnen Deliktsbereichen müsse man sich über eine längere Dauer angucken, ob sie sich zu einer Tendenz verfestigen. „Das wird man im Blick behalten müssen.“

Laut Singelnstein ist die PKS „nur eine polizeiliche Bewertung von Verdachtssituationen, die nicht berücksichtigt, was die Justiz am Ende dazu sagt“. Deshalb gebe die Statistik eigentlich nur unmittelbar Auskunft darüber, was die Polizei im vergangenen Jahr gearbeitet habe. Und sie zeige nur das Hellfeld. Deshalb sei es gut, dass es zusätzlich die Dunkelfeldstudie SKiD gebe, die man berücksichtigen könne.