Donald Trump hat schon viele Grenzüberschreitungen politisch ohne größere Beulen überlebt. Man denke nur an das auf Truth Social erschienene KI-Video, in dem er 2025 in einem Kampf-Jet mit Krone zu sehen ist und literweise Fäkalien auf Demonstranten abwirft. Das ebenfalls durch Künstliche Intelligenz gebaute Bild, das ihn als Christus-ähnliche Heilerfigur zeigte und nach massenhafter Empörung in sozialen Medien vom Weißen Haus still und leise am Montag gelöscht wurde, könnte eine andere Qualität haben. 

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Weil es ausgerechnet jene religiösen Wähler überdurchschnittlich vergrätzt, die für Republikaner bei den Kongresswahlen im Herbst unentbehrlich sind: Katholiken und manche Evangelikale.

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„Soziopath!“ – „Ich bereue, Sie gewählt zu haben.“ – „Gotteslästerung!“ – So und ähnlich fielen die erbosten Reaktionen konservativ-gläubiger Amerikaner aus. Dahinter stehen Zahlen, die Wahlkampfstrategen nervös machen. Bei den Wahlen 2024 hat Trump rund 55 Prozent der katholischen Stimmen gezogen, Rivalin Kamala Harris bei den Demokraten kam nur auf 43 Prozent. Katholiken machen landesweit rund 20 Prozent der Erwachsenen aus. Wer republikanische Mehrheiten im Repräsentantenhaus halten will, kann es sich nicht leisten, in dieser Gruppe auch nur wenige Punkte zu verlieren.

Scharfe Kritik an Trump-Post: „Sie sind nicht Gott. Keiner von uns ist das“

Danach sieht es aber aus. John Yep von „Catholics for Catholics“, einer Trump-nahen Organisation, sagte nach Anblick des weithin als blasphemisch empfundenen Trump-Jesus-Bildes in US-Medien: „Wir sind wirklich verwirrt über diesen Präsidenten“, nachdem die Katholiken ihm so viel Rückhalt gegeben hätten. Der konservative Autor Rod Dreher formulierte es noch härter: „Ich sage nicht, dass Trump der Anti-Christ ist. Aber er strahlt den Geist des Anti-Christen aus.“ Und David Brody vom „Christian Broadcasting Network” schrieb: „Sie sind nicht Gott. Keiner von uns ist das.“

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Hinzu kommt der Kontext. Das von Trump persönlich gepostete Jesus-Bild kam nach wiederholten Angriffen auf Papst Leo XIV., den ersten US-Papst. Trump bezeichnet den Mann aus Chicago als „schwach bei Kriminalität“ und „schrecklich in der Außenpolitik“. Für viele Katholiken ist das der eigentliche Kipppunkt: nicht nur ein geschmackloses, manche sagen grenzdebiles Bild, sondern die offene Konfrontation mit dem Oberhaupt der katholischen Kirche, das Trumps Iran-Krieg als unmoralisch angreift. 

Donald Trump legt sich mit dem Papst an – und bringt damit auch seinen Vize, JD Vance, in die Bredouille. Der gläubige Katholik war vor einem Jahr bei Leo XIV. im Vatikan zur Audienz.
Donald Trump legt sich mit dem Papst an – und bringt damit auch seinen Vize, JD Vance, in die Bredouille. Der gläubige Katholik war vor einem Jahr bei Leo XIV. im Vatikan zur Audienz.© AFP | Simone Risoluti

Ob daraus schon ein Massenabfall wird, ist offen. Viele religiöse Rechte haben Trump aus machtpolitischen Gründen lange alles verziehen: Amtsenthebungsverfahren, Prozesse, außerehelichen Sex mit einer Porno-Darstellerin. Aber dieses Mal geht es um Sakrales. Der Religionsforscher David Gibson formuliert es noch als Frage: „Wird das für die Wähler eine rote Linie sein? Werden sie Trump und die Republikaner an der Wahlurne endlich bestrafen?“ Nic Rowan, Chefredakteur von „The Lamp“, einer katholischen Literaturzeitschrift, klingt vernichtend: „Leos Amt ist auf Lebenszeit, und Trump ist bereits eine lahme Ente. Für amerikanische Katholiken wird einer dieser beiden noch lange da sein; der andere ist bereits auf dem Weg nach draußen.“