Wenn China auf der internationalen Bühne agiert, tritt es oftmals mit zwei Gesichtern auf. Beide scheinen in direktem Widerspruch zu stehen.

Nach außen hin gibt sich die Volksrepublik als neutrale Friedensmacht. Am Montag betonte etwa Guo Jiakun, Sprecher des Außenministeriums in Peking, dass die jüngsten Gespräche zwischen den USA und Iran ein Schritt in die richtige Richtung seien: Beide Seiten sollten den Konflikt auf diplomatischem Wege lösen, heißt es.

Doch die Hinweise verdichten sich, dass China die Feuerpause nutzen möchte, um seinen strategischen Partner Iran militärisch aufzurüsten. Laut Informationen des US-Geheimdienstes steht Peking kurz vor einer Lieferung von Flugabwehrraketen nach Teheran. Der amerikanische Sender CNN berichtete dies zunächst exklusiv, später zog die Nachrichtenagentur Reuters nach – beide Medien berufen sich auf mehrere Quellen.

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China dementiert Iran-Lieferungen, Verdacht auf Unterstützung bleibt

Die chinesische Botschaft in Washington hat die Anschuldigungen sofort dementiert. Und doch bedeutet dies wenig: Im Vorjahr hat China ähnliche Anschuldigungen ebenfalls dementiert. Und seither gilt als nahezu gesichert, dass die Volksrepublik den Iran mit chemischen Vorprodukten für Raketentreibstoff sowie Einzelteilen zur Drohnenproduktion beliefert.

Ob der aktuelle CNN-Report stimmt, lässt sich zwar nicht unabhängig überprüfen. Doch vieles spricht dafür, dass die Quellen die Anschuldigungen aus taktischen Gründen durchgestochen haben, um den öffentlichen Druck auf China zu erhöhen. Als US-Präsident Donald Trump auf die Causa angesprochen wurde, sprach er eine knappe Warnung aus: „Wenn China das tut, wird China große Probleme haben.“

China testet Militärtechnik – Risiko direkter Konfrontation mit den USA

Bereits in Bezug auf den Ukraine-Krieg ließ sich Chinas doppeltes Spiel beobachten: Nach außen gab sich der Staat als bemühter Friedensvermittler, doch tatsächlich hält man seit nunmehr vier Jahren Putins Kriegsmaschinerie am Laufen – indem chinesische Firmen einen Großteil jener „dual use“-Güter nach Russland exportieren, ohne die der Kreml den Krieg gegen die Ukraine niemals in der Form hätte eskalieren können. 

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Doch direkte Waffenlieferungen in eine aktive Kriegsregion waren für China stets eine rote Linie. Sollte man diese diesmal überschreiten, würde dies eine immense Provokation für die Vereinigten Staaten darstellen. Denn möglicherweise würden chinesische Flugabwehrraketen im Einsatz gegen US-amerikanische Einheiten abgefeuert werden. Genau darin dürfte aber auch der Erkenntnisgewinn für die chinesische Volksbefreiungsarmee liegen. Sie könnte ihre Militärtechnologie in einer realen Konfliktsituation testen.

Moralisch dürfte sich China im Recht sehen, weil es mit Iran einem strategischen Partner zur Selbstverteidigung hilft. Und dass ausländische Geheimdienste davon etwas mitbekämen, war eigentlich eher unwahrscheinlich: Bei den vermuteten Waffensystemen handelt es sich schließlich um sogenannte „MANDAPS“, auf Deutsch „Einmann-Flugabwehr-Lenkwaffen“. Sie sind klein genug, um über den Luftraum transportiert zu werden – und laut CNN wäre geplant gewesen, die Exporte über Drittländer laufen zu lassen, um die wahre Herkunft zu verschleiern.