NRW erprobt ab sofort das schon im Sommer 2025 angekündigte „digitale Schülerfeedback“. Dabei handelt es sich um eine Umfrage unter Grundschulkindern (30 Fragen) und Jugendlichen in weiterführenden Schulen (40 Fragen) zu deren Erfahrungen und Befindlichkeiten. „Mir ist wichtig, dass wir in unsicheren Zeiten das Wohlbefinden unserer Kinder und Jugendlichen im Blick haben“, sagte NRW-Schulministerin Dorothee Feller (CDU) am Montag. Sie rechnet damit, dass sich zum Start etwa 1000 öffentliche Schulen und private Ersatzschulen freiwillig an dem „Feedback“ beteiligen werden. Möglicherweise würden solche Umfragen in NRW eines Tages zur Pflicht.
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Anonym und digital
Die Fragen können bis Mitte Mai in einem digitalen Portal anonym beantwortet werden. Die Landesregierung betont, dass es sich hier nicht um eine Gelegenheit handele, einzelne Lehrkräfte vorzuführen, mit denen Kinder unzufrieden sind. Es gehe um das Schulklima insgesamt, um Fragen der Wertschätzung und um Sorgen. Grundschulkinder werden zum Beispiel gefragt, ob sie Hilfe bekommen, wenn sie einen Fehler machen oder ob sie eine Freundin oder einen Freund in der Klasse haben. In der Sekundarstufe 1 geht es auch um Benotungs-Ängste, Konflikte mit Mitschülern und den Respekt vor anderen Meinungen. Die Ergebnisse werden den Lehrkräften und Schulleitungen vor Ort mitgeteilt in der Hoffnung, dass diese die Lernbedingungen verbessern.
Das ist so wichtig wie das Schreiben, Lesen und Rechnen
Dorothee Feller (CDU), NRW-Schulministerin
NRW setzt mehr denn je auf Schul-Daten
„Soziale und emotionale Kompetenzen sind genauso wichtig wie das Lesen, Schreiben, Zuhören und Rechnen“, betonte Feller. Das Schülerfeedback sei ein wichtiger Teil der neuen „datengestützten Qualitätsentwicklung“ an den Schulen. Weitere Elemente sind drei geplante zusätzliche Lernstandserhebungen für die Klassen zwei, fünf und sieben. Schon ab Mittwoch bekommen alle Schulen in NRW laut der Ministerin so genannte „Schul-Datenblätter“, in denen zum Beispiel steht, wie viele Schüler besonderen Förderbedarf haben und wie viele Kinder aus Haushalten kommen, in denen nicht Deutsch gesprochen wird.
Die Landesschülervertretung (LSV) findet es gut, dass Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit zum Feedback erhalten. „Es muss aber auch gut kommuniziert werden, dass es dieses Angebot gibt, und die wichtigste Frage ist, was mit den Ergebnissen geschieht“, sagte LSV-Vorstandsmitglied Johannes Schorn dieser Redaktion.
Kritik: „Landesregierung entscheidet nicht“
Für die Opposition im Landtag ist das Schülerfeedback kein großer Wurf. Es handele sich nur um einen Erprobungsversuch, kritisierte Franziska Müller-Rech, Schul-Expertin der FDP. „Nicht einmal einen Zeitplan zum verpflichtenden, landesweiten Rollout kann die Ministerin nennen – der werde ‚irgendwann‘ kommen. Warum traut sich diese Landesregierung keine Entscheidungen zu, sondern versteckt sich hinter Pilot-Projektchen und Evaluationsrunden?“, fragt die Liberale. Offen bleibe, welche Konsequenzen aus dem Feedback gezogen würden.





