„Ich tanke eigentlich immer in Polen“, sagt die Rentnerin aus Deutschland an einer Tankstelle im polnischen Kostrzyn (Küstrin) an der Oder. „Einmal volltanken im Monat. Dazu noch ein Reservekanister. Das reicht mir völlig.“ Hinter ihr stauen sich die Autos mit deutschem Kennzeichen. „So viel ist hier normalerweise nicht los, aber durch den Krieg im Iran sind ja die Benzinpreise in Deutschland explodiert. Auch weil bei uns die Steuern so hoch sind. Da kann man in Polen 60 Cent pro Liter sparen.“ Sie dreht den Tankdeckel zu und winkt dem Audi-Fahrer hinter ihrem Wagen begütigend zu: „Ich bin gleich weg!“

Seit dem Beginn des amerikanisch-israelischen Kriegs gegen den Iran sind die Öl-, Gas- und Benzin-Preise in ganz Europa stark gestiegen. Besonders betroffen von der Teuerung sind die Deutschen, da ihnen der Staat tiefer in die Tasche greift als anderswo. Diese Steuern und Abgaben schießen nun proportional zu den Rohstoffpreis ebenfalls in die Höhe.

Tanken in Polen: Zoll macht Jagd auf Benzin- und Diesel-Schmuggler

Wer als Pendler auf das Auto angewiesen ist oder im ländlichen Raum ohne ausreichende Versorgung mit Öffentlichen Verkehrsmitteln lebt, kann mit Tankausflügen ins nahe Ausland viel Geld sparen. Das gilt eigentlich für alle Nachbarländer Deutschlands, insbesondere für Luxemburg, Österreich, Tschechien und Polen.

In Polen hat der Tanktourismus allerdings vom ersten Tag des Krieges im Nahen Osten so zugenommen, dass der Zoll nun verstärkt Jagd auf Benzin- und Diesel-Schmuggler macht. Denn erlaubt ist zwar das sporadische und auch regelmäßige Tanken im Ausland, nicht aber das Mitführen von mehr als einem Reservekanister mit 20 Litern Sprit.

Aktuelle Nachrichten zum Krieg in Nahost

Tank-Touristen mit mehreren Kanistern müssen mit Bußgeld-Verfahren rechnen

Wer mit mehreren Kanistern erwischt wird oder einem anderen Kraftstoff im Kanister als im Tank hat, muss nicht nur den gesamten Treibstoff nachversteuern, sondern hat auch ein Bußgeld-Verfahren wegen Steuerhinterziehung an der Backe. Der ADAC empfiehlt zudem aus Sicherheitsgründen, im Kofferraum nur einen Zehn-Liter-Reservekanister mit Diesel oder Benzin mitzunehmen, da aus den Kanistern hochentzündliche Dämpfe entweichen können.

Viele Polen, die zumeist weniger verdienen als Deutsche, machen die steigenden Preise an den polnischen Tankstellen schwer zu schaffen. Die nationalpopulistische Oppositionspartei Recht und Gerechtigkeit fordert die Reduzierung der Umsatzsteuer auf Benzin und Diesel von 23 Prozent auf 8 Prozent – zumindest für die Dauer des Krieges im Nahen Osten.

Tanken in Polen: Premier Tusk plant keine „größeren Manöver“

Premier Donald Tusk plant jedoch zunächst „keine großen Manöver“, sondern will die geopolitische Lage weiter beobachten. Auch die strategischen Kraftstoffreserven sollen nicht aufgelöst und zu niedrigen Preisen an die Tankstellen abgegeben werden. Sie seien für den Notfall vorgesehen, nicht für zeitlich beschränkte Preisschwankungen, so Tusk.

Der teilstaatliche und zugleich größte polnische Tankstellenbetreiber Orlen will aber den Verbrauchern entgegenkommen und seine Gewinnmarge reduzieren. Zudem kündigt der Mineralölkonzern die nächsten acht Wochenenden Sonderangebote an den Orlen-Zapfsäulen an. Diese kämen dann auch wieder den Tanktouristen aus Deutschland zugute.