Die Rheinland-Pfälzer sind ein treues Volk: Wenn sie sich einmal für eine regierende Partei entschieden haben, bleiben sie dabei – auch wenn so manche Wahlen nur knapp entschieden wurden. Von 1946 bis 1991 regierte die CDU unangefochten. Doch seit bald 35 Jahren stellt die SPD in Rheinland-Pfalz den Ministerpräsidenten.

Kurz vor der Landtagswahl am 22. März wächst der Druck auf Amtsinhaber Alexander Schweitzer spürbar. Der 2,06 Meter große Jurist und Ex-Basketballer will nicht derjenige sein, mit dem diese lange Regierungsära endet. Nun liefern er und Gordon Schnieder (CDU) sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Das ist zwischen SPD und CDU in Rheinland-Pfalz keine Seltenheit.

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Helmut Kohl bringt Rheinland-Pfalz ins politische Rampenlicht

In Rheinland-Pfalz heißt es oft: Von dort kommt man selten weit. Es sei denn, man heißt Helmut Kohl und trägt die Pfalz gleich mit ins Kanzleramt. Kohl war der Mann, der Rheinland-Pfalz auf die politische Landkarte setzte – notfalls mit Pfälzer Hausmannskost, viel Beharrlichkeit und dem festen Glauben, dass man jedes Problem mit einem ausreichend großen Saumagen lösen kann. Zu dieser Nationalspeise lud er Staatsgäste wie Margaret Thatcher, Michail Gorbatschow und Ronald Reagan ein.

Wahlplakate zur Landtagswahl in Rheinland-Pfalz
Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD, links) und der CDU-Spitzenkandidat Gordon Schnieder (rechts) liefern sich in Umfragen zur Landtagswahl in Rheinland-Pfalz ein Kopf-an-Kopf-Rennen. © picture alliance / Bonn.digital | Marc John

Eine Dauerkarte hatten die Schwarzen aber nicht gebucht in Kohls Heimat. Eine jahrelange interne Zerstrittenheit der rheinland-pfälzischen CDU und der Umstand, dass Kanzler Kohl ein Wahlversprechen gebrochen hatte, machten 1991 den Weg frei für den ersten Sieg der SPD im Bundesland. Kohl hatte vor der Bundestagswahl 1990 verkündet, die Wiedervereinigung solle ohne Steuererhöhungen finanziert werden. Mit Rudolf Scharping wurde die SPD vor 35 Jahren dann das erste Mal stärkste Partei bei einer Landtagswahl in Rheinland-Pfalz.

Kurt Beck und Malu Dreyer: SPD prägt Rheinland-Pfalz seit 35 Jahren

Wenn Helmut Kohl so etwas wie ein Landespatriarch war – er regierte in Mainz von 1969 bis 1976 –, dann war Kurt Beck der Landesvater. Mehr als zwei Jahrzehnte lang setzten Rheinländer und Pfälzer auf das SPD-Urgestein Beck. Die Sozialdemokraten wurden ohnehin bisher bei den Landtagswahlen mit immer mindestens 35,7 Prozent stärkste Partei. Unvergessen bleibt Becks berühmte Diplomatie in der Arbeitslosen-Debatte: Er riet einem jungen Langzeitarbeitslosen, sich „ordentlich zu waschen und zu rasieren“, dann habe er in drei Wochen einen Job.

Feierstunde zum 70. Geburtstag von Kurt Beck
Malu Dreyer (SPD) löste 2013 Kurt Beck (SPD) als Ministerpräsidentin des Bundeslandes Rheinland-Pfalz ab.© picture alliance/dpa | Andreas Arnold

Ähnlich wie die Worte „Können Sie mal das Maul halten, wenn ich ein Interview gebe? Einfach ’s Maul halten!“, als er 2012 bei einem Interview auf die Nürburgring-Affäre angesprochen wurde. An Rhein und Mosel steht Direktheit eben an erster Stelle. Auf Beck folgte von 2013 bis 2024 die äußerst populäre Malu Dreyer. Auch sie fuhr gut mit dem Erfolgsrezept ihres Vorgängers: Man muss „nah bei de Leut“ sein. 2024 trat Dreyer aus gesundheitlichen Gründen ihr Amt an Alexander Schweitzer ab. Doch es war nicht immer eindeutig, wer die Wahl für sich ausmacht: Vor zehn Jahren, 2016, erlebte die CDU in Rheinland-Pfalz eine überraschende Niederlage. Obwohl sie lange in den Umfragen vorn lag.

Klöckner scheitert trotz starker Umfragen an Dreyer und SPD

Julia Klöckner, damals als „Merkels Kronprinzessin“ gehandelt, verlor trotz anfänglich starker Umfragewerte und im zweiten Anlauf gegen Malu Dreyer. In Mainz war sie der moderne Gegenentwurf zum pfälzischen Landesvater-Charme: weniger Bratwurst, mehr Weinkönigin. Sie gibt sich gerne heimatverbunden, aber gleichzeitig weltoffen – was in der Praxis hieß: ein Selfie mit Winzern und einem Glas Riesling, dann schnell nach Berlin, um Agrarpolitik zu erklären.

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#36 Philipp "Galthasar" Türmer über die Wehrpflicht, seinen IQ und Kevin Kühnert
Meine schwerste Entscheidung
 

Julia Klöckner hatte einen „Plan A2“: Es war der Versuch, Loyalität zu Angela Merkel mit eigenen Akzenten in der Migrationspolitik zu vereinen. Es wurde ein Drahtseilakt – und kostete die heutige Bundestagspräsidentin am Ende die Landtagswahl. Bis zum Februar 2016 lag die CDU in Umfragen vor der SPD, zwischenzeitlich sogar bei 40 Prozent. Schlussendlich verlor sie jedoch mit 31,8 Prozent der abgegebenen Stimmen, während die SPD 36,2 Prozent einholte. Es war ein Wahlkrimi.

Wahlumfragen: SPD holt auf, Bildung bestimmt den Wahlkampf

Dieses Mal scheint es ähnlich knapp zu werden. Im Februar 2025 lag die SPD in einer Umfrage noch bei 19 Prozent, die CDU dagegen bei 33. In den vergangenen Wochen konnte die SPD stark aufholen, bis auf einen Prozentpunkt Abstand zur CDU. Die Rheinland-Pfälzer lassen sich nicht in die Karten schauen, denn wenn sie ihren Ministerpräsidenten direkt wählen könnten, würden sich momentan 42 Prozent für keinen der Kandidaten von SPD, CDU und AfD entscheiden. Die AfD kam 2016 mit 12,6 Prozent in den Landtag, aktuell belegt sie in den Umfragen den dritten Platz im Bundesland.

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Zwischen mittelalterlichen Burgen und römischen Bauten glänzt die Wirtschaft des Landes vor allem mit dem Export von Wein und Sekt. Auch die Rate für Arbeitslosigkeit war in Rheinland-Pfalz unter der SPD eine der niedrigsten in Deutschland. Doch beim Thema Bildung steht die SPD unter Druck: In keinem anderen Bundesland müssen so viele Grundschüler eine Klasse wiederholen – trotz rekordhoher Lehrkräftezahlen. Das Thema bestimmt den Wahlkampf.

Für SPD und die Union wird die Wahl zur gewohnten Zitterpartie. Mit Schnieder setzt die Union auf Bodenständigkeit statt auf Bundesglanz. Geboren in der Vulkaneifel, betont Schnieder gerne: „Da gibt man sich noch die Hand.“ Ob dieser Stilwechsel für die CDU reicht, um wieder in die Staatskanzlei zu ziehen, oder ob die Rheinland-Pfälzer am Schluss doch noch knapp der SPD zum Sieg verhelfen, entscheidet sich am 22. März an den Wahlurnen.