Die Forderung, große Online-Plattformen stärker an der Finanzierung des Journalismus zu beteiligen, gewinnt an Rückhalt. Immer mehr Vertreter aus Medienbranche und Politik unterstützen die Forderung von FUNKE-Verlegerin Julia Becker nach einer Digitalabgabe für Tech-Konzerne – und sehen darin einen möglichen Schritt, um das wirtschaftliche Ungleichgewicht zwischen Plattformen und Verlagen zu korrigieren.

Jan Ippen wird deutlich, wenn er über die Lage des Journalismus im digitalen Zeitalter spricht. „Journalismus ist die Basis der Meinungsbildung“, sagt der Gründer und Geschäftsführer der Ippen Digital GmbH. Doch gerade diese Basis gerate im Internet zunehmend unter Druck. „In der digitalen Sphäre haben wir aktuell eine offensichtliche Marktschräglage bei den beteiligten Akteuren – bei der Verpflichtung zur Neutralität und Objektivität, bei den Methoden der Verbreitung und bei der Erlösverteilung.“

Aufwendige Produktionen leisten Redaktionen

Um dieses Ungleichgewicht zu korrigieren, brauche es neue Instrumente. „Die Initiative von Julia Becker für eine Digitalabgabe ist ein ernst zu nehmender Diskussionsbeitrag.“

Damit stellt sich Ippen hinter eine Forderung, die in der Medienbranche seit Wochen an Dynamik gewinnt: Große Online-Plattformen wie Facebook und Google sollen über eine Digitalabgabe stärker an der Finanzierung privater Medien beteiligt werden.

Der Hintergrund ist ein strukturelles Paradox der digitalen Öffentlichkeit. Plattformen kuratieren, bündeln und verbreiten journalistische Inhalte millionenfach – und ziehen daraus Aufmerksamkeit, Daten und Werbeerlöse. Die aufwendige Produktion dieser Inhalte jedoch leisten weiterhin die Redaktionen der Verlage. Viele Branchenvertreter sehen darin ein System, in dem Wertschöpfung und Verantwortung auseinanderdriften.

Angestoßen wurde die Debatte von Julia Becker, Verlegerin und Aufsichtsratsvorsitzende der FUNKE Mediengruppe. Auf der Chefredaktionskonferenz der Deutschen Presse-Agentur forderte sie die Bundesregierung auf, zügig eine Digitalabgabe für Tech-Plattformen zu beschließen. „Hier geht es um eine medienpolitische Ordnung, die ins Ungleichgewicht geraten ist“, sagte Verlegerin Julia Becker. Die Betreiber der Plattformen verdienten mit den Inhalten der Verlage Geld, ohne dafür finanziell oder gesellschaftspolitisch Verantwortung zu übernehmen.

Digitalsteuer mehr als fiskalisches Instrument

Inzwischen erhält der Vorstoß zunehmend Unterstützung – auch aus der Politik. Thüringens Staatskanzleichef und Medienminister Stefan Gruhner betonte die Bedeutung regionaler Medien für demokratische Öffentlichkeit und wirtschaftliche Stabilität. „Unsere regionalen Verlage, privaten Medienanbieter und Kulturschaffenden leisten einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Wertschöpfung, zur regionalen und lokalen Medienvielfalt sowie zur Identität und zur demokratischen Öffentlichkeit in unserem Land“, sagte Gruhner. Damit sie im digitalen Wettbewerb bestehen könnten, brauche es faire und verlässliche Rahmenbedingungen.

Zu Ippen.Media gehören unter anderem die „Frankfurter Rundschau“, der „Münchner Merkur“ und die „Hessisch-Niedersächsische Allgemeine“. Für Jan Ippen ist die Diskussion deshalb nicht nur eine wirtschaftliche, sondern eine strukturelle Frage: Wie lässt sich ein digitales Mediensystem gestalten, in dem diejenigen, die verlässliche Informationen produzieren, nicht dauerhaft gegenüber jenen ins Hintertreffen geraten, die sie verbreiten?

Die Idee einer Digitalsteuer sei in diesem Sinne mehr als ein fiskalisches Instrument. Sie sei der Versuch, eine neue Balance in der digitalen Öffentlichkeit zu finden – zwischen Plattformen, die Aufmerksamkeit organisieren, und Redaktionen, die sie mit Inhalt füllen.

fmg