Die Seestraße von Hormus ist derzeit weniger „blockiert“ als schlicht leer. Nach aktuellen Daten ist die Zahl der Tanker- und Massengutfracht-Passagen durch das weltweit relevante Nadelöhr in der Golf-Region pro Tag von durchschnittlich rund 140 vor Kriegsausbruch im Iran am 27. Februar auf nahezu null Ende vergangener Woche gefallen. Ein Resultat iranischer Drohungen, Hormus militärisch ins Visier zu nehmen, wenn Israel und die USA ihre Angriffe nicht beizeiten einstellen.
Die Kurzzeitfolgen sind erheblich. Nach Angaben von Analysten in Washington sind binnen zehn Kriegstagen rund 200 Millionen Barrel Rohöl weniger als sonst durch die Meerenge gekommen, die ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls schultert. Auch Riesen-Tonnagen an Harnstoff- und anderen Stickstoff- und Phosphatdüngemitteln sowie Kunststoffen wie Polyethylen, was häufig für Verpackungen, Flaschen und Rohre genutzt wird, liegen notgedrungen vor Anker. Insgesamt stecken nach Angaben der Reederei „One” rund 750 Schiffe im Hormus-Rückstau, darunter etwa 100 Containerschiffe – rund zehn Prozent der globalen Flotte.
Aktuelle Nachrichten zum Krieg in Nahost
Der Preis pro Barrel Öl der Referenzsorte „West Texas Intermediate“-Öl rangierte zwischenzeitlich mit über 100 Dollar auf dem höchsten Stand seit Sommer 2022. Durch Trumps versuchte Beruhigungsrede am Montagabend ist der Preis auf unter 90 Dollar gesunken. Die Benzinpreise in den USA sind seit den ersten israelisch-amerikanischen Raketenabwürfen auf Teheran um fast 20 Prozent gestiegen. Die Gallone (knapp vier Liter) rangiert im Schnitt bei 3,50 Dollar.
Die Formulierung „Schließung der Straße von Hormus” ist irreführend
Öl-Experten in Washington sagen Dieselpreise bis zu fünf Dollar und Benzinpreise über vier Dollar voraus, wenn Hormuz bis Ende dieser Woche unbefahrbar bleibt. Summen, bei denen Präsident Donald Trump, der Verursacher des Krieges, politisch zwischen „die Mühlsteine geraten kann”, sagte ein republikanischer Funktionär dieser Zeitung: „Viele Amerikaner stöhnten bereits vor Iran über die hohen Lebenshaltungskosten – und jetzt auch das noch.”
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Dabei ist die Formulierung „Schließung der Straße von Hormus” irreführend. Zwar behauptet das personell ausgedünnte Mullah-Regime, dass die Seestraße „zu” sei und „kein Tropfen Öl” durchkomme. Die Revolutionsgarden drohen, jedes Schiff in Brand zu setzen, das passieren will. Aber: Tatsächlich gesehen ist bisher vergleichsweise wenig geschehen. Der unter Honduras-Flagge fahrende Tanker „Athe Nova“ wurde von zwei Drohnen getroffen. Auf dem Tanker „MKD VYOM“ (Marshall-Inseln) starb ein Seemann durch ein Projektil. Der unter US-Flagge arbeitende Tanker „Stena Imperative“ wurde durch Geschosse beschädigt.
Iran setzt auf Drohpotenzial statt klassische Blockade im Persischen Golf
Ein klassischer physischer Sperrriegel (etwa Minenketten/ständige Besetzung der Fahrrinne) ist öffentlich bisher nicht belegt. Iran hat die Wasserstraße also nicht im Sinne des Wortes „blockiert”, sondern mit der Androhung von Drohnen- und Raketenangriffen die großen Reedereien zu einer Neubewertung gezwungen.

Hintergrund: Die gefühlte Bedrohung durch etwaige Anschläge hat bei den Versicherern zu heftigen Turbulenzen geführt. So stiegen bei großen Insurance-Häusern wie Lloyd’s of London die sogenannten „War-Risk-Prämien” in kürzester Zeit astronomisch an – von circa 0,2 Prozent auf bis zu 1 Prozent des Schiffswerts. Für einen 100-Mio.-Dollar-Tanker heißt das, statt 200.000 Dollar eine Million Dollar zu berappen – pro Trip. Ohne belastbare Aussicht auf Waffenstillstand kalkulierten die Reedereien, die um Ladungen und ihre Crews fürchten, darum lieber „Stau“ als Totalschaden und halten ihre Schiffe in Warteposition, sagen Insider in Washington.
Vor allem in Asien wächst die Unruhe. Dort bezieht man 60 Prozent seines Öls aus dem Nahen Osten. Unternehmen in Indien melden bereits „Höhere Gewalt” und schließen vorübergehend. Japan und Indonesien suchen Ersatz-Barrels. Europa spürt nicht nur den Schock über Gas- und Ölpreise, weil LNG-Lieferketten aus dem Golf mitbetroffen sind. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) fürchtet Engpässe und Preissteigerungen, wenn über längere Zeit die für die Arzneimittelversorgung und -produktion wichtigen Transporte aus Indien und China unterbleiben sollten.
Gebraucht wird „eine schnelle Lösung”
Weil mit jedem Tag die Kosten für die Weltwirtschaft größer werden und etliche Länder bereits über das Anzapfen ihrer Notstand-Öl-Reserven nachdenken, hat Trump Abhilfe versprochen. Er kündigte an, die USA würden den „freien Transport von Energiestoffen” notfalls mit Navy-Eskorten absichern.

Zudem ordnete er an, dass die US-Entwicklungsfinanzierungsagentur DFC politische Risiko-Versicherung und Garantien für den Golf bereitstellt. Der Haken daran: Der Staat würde hier etwas ersetzen, was der Markt gerade nicht mehr tragen will. Laut den US-Medien CBS und Bloomberg umfasst der DFC-Plan eine maritime Rückversicherung bis zu 20 Milliarden Dollar. Aber: Wenn es tatsächlich in der Folge von Anschlägen zu Auszahlungen kommt, könne das – so warnten Experten bei CBS – schnell dreistellige Milliarden-Risiken für die öffentliche Hand bedeuten. Beide Trump-Lösungsvorschläge bewegen sich bisher im Ungefähren. Gebraucht wird, so Handelsexperten, aber „eine schnelle Lösung”.
Unterdessen nehmen einzelne Reeder die Risiken auf sich. Am Montag fuhr der griechisch gemanagte Suezmax-Tanker „Shenlong“ (Kapazität: eine Million Barrel) mit saudischer Ladung durch Hormus. Offenbar unbehelligt. Ziel: Mumbai.







