Am 16. Februar jährt sich der Todestag des Kremlgegners Alexej Nawalny zum zweiten Mal. Menschen zahlreicher Länder erinnern an den einstigen Oppositionsführer, der in einem sibirischen Straflager gestorben war. Nawalnys Team zufolge, das mittlerweile im ausländischen Exil arbeitet, seien in mehr als 20 Staaten Gedenkveranstaltungen geplant.

Kundgebungen in Russland sind zwar verboten, allerdings können Menschen am Borissowskoje-Friedhof in Moskau, wo sich Nawalnys Grab befindet, Blumen ablegen. Auch in Deutschland wird an den Gegner des russischen Präsidenten Wladimir Putin erinnert, unter anderem in Berlin, Hamburg und Leipzig.

Nawalnys zweiter Todestag: Kremlgegner soll vergiftet worden sein

Doch auch zwei Jahre nach dem Tod des 47-Jährigen bleiben etliche Fragen zu seinem Tod ungeklärt. Nawalnys Witwe Julia Nawalnaja setzt die politische Arbeit ihres Mannes fort – und wirft Putin Mord vor. Die 49-Jährige geht davon aus, dass ihr Mann nach mehreren misslungenen Anschlägen mit einem Nervengift getötet wurde: Bei der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) hatte sie entsprechende Laborergebnisse bekanntgegeben. Man habe nun den Beweis, dass Putin ein Mörder sei. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Konferenz zeigten sich schockiert. So auch Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU), der ebenfalls von Vergiftung sprach.

Unseren Blog zur Münchner Sicherheitskonferenz lesen Sie hier.

Die Befunde fünf europäischer Länder zur Vergiftung des russischen Oppositionsführers hat der Kreml am Montag wiederum als „unbegründet“ zurückgewiesen. „Wir akzeptieren solche Anschuldigungen natürlich nicht. Wir sind damit nicht einverstanden. Wir halten sie für voreingenommen und unbegründet“, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow in Moskau. Die russischen Behörden behaupten bis heute, dass Nawalny eines natürlichen Todes gestorben sei.

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Sie hatten seine Leiche trotz Bitten von Nawalnys Mutter tagelang nicht herausgegeben. Deshalb wurde befürchtet, dass etwaige Giftspuren womöglich nicht mehr nachgewiesen werden können. Bereits 2020 wurde Nawalny Opfer eines Attentats mit dem chemischen Kampfstoff Nowitschok. Er überlebte damals nur knapp.

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Nawalnys zweiter Todestag: Menschenrechtler kritisieren Russland

Anlässlich des zweiten Todestags Nawalnys werden auch weitere Stimmen laut: Menschenrechtler kritisieren, dass es in Russland keine Aufklärung gab. „Bis heute vertuschen die russischen Behörden die Umstände seines Todes“, erklärt Julia Duchrow, Generalsekretärin von Amnesty International in Deutschland. Außerdem gäbe es eine „gnadenlose Kampagne“ gegen Anhänger Nawalnys. Seine Anwälte sind inhaftiert. „Diese systematische Repression zeigt, wie kompromisslos der russische Staat gegen jede Form friedlicher Kritik vorgeht“, fuhr sie fort.

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Jede Regierungskritik werde kriminalisiert. Menschenrechtler sehen demnach auch viele Gefangene in den russischen Straflagern in Lebensgefahr – aufgrund von Folter oder anderer als menschenunwürdig kritisierter Umstände. Duchrow appellierte an die russischen Behörden, die Inhaftierten freizulassen und „ungerechtfertigte Verurteilungen“ aufzuheben. Zugleich forderte sie die Bundesregierung dazu auf, politisch verfolgten Menschen aus Russland etwa durch flexible Visa- und Aufenthaltsregelungen zu helfen.

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Die Menschenrechtsorganisation Memorial geht davon aus, dass Russland mindestens 5027 Menschen wegen politischer Motive in Gefangenschaft hält. Memorial führe eine namentliche Liste. „Das ist eine minimale Schätzung. Wir gehen davon aus, dass es in Wirklichkeit mindestens doppelt so viele Gefangene geben könnte“, hieß es in einer Mitteilung.

dpa