Seit der Waffenruhe in Gaza ist die Lage der Menschen in dem Küstenstreifen aus dem Blickfeld geraten. Das Leiden nimmt jedoch kein Ende – und besonders schlimm trifft es die Kinder.
„Die Kinder in Gaza haben zwei Jahre lang nicht ausreichend zu essen gehabt, sie kannten keinerlei Sicherheit und haben keine Häuser, in die sie zurückkehren können“, sagt Alexandra Saieh von der Hilfsorganisation Save the Children. „Viele haben ihre Eltern oder ihre Geschwister verloren. Manche wurden so schwer verletzt, dass ihnen Gliedmaßen amputiert werden mussten. All das wird sie ihr Leben lang prägen“, schildert Saieh.
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Von einer Rückkehr in die Normalität kann keine Rede sein. Immer noch gibt es Luftangriffe der israelischen Armee, die damit laut eigenen Aussagen auf Verletzungen der Waffenruhe durch die Hamas reagiert. Allein in den ersten Wochen seit Jahresbeginn wurden im Gazastreifen bei diesen Angriffen 37 Kinder getötet, meldet das UN-Kinderhilfswerk Unicef.
Kinder in Gaza: Seit mehr als zwei Jahren keine Schule mehr
Was viele Kinder derzeit aber am schwersten trifft, ist der Winter. Es gab heftige Regenstürme. „Familien, die in Zelten leben müssen, wurden von den Stürmen buchstäblich weggespült“, sagt Saieh. „Kinder schlafen in durchnässter Kleidung, sie frieren ständig, Krankheiten grassieren. Für die Familien ist das katastrophal.“
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Save the Children ist eine der Organisationen, die versuchen, die Not der Kinder im Gazastreifen zu lindern. Die rund 200 Mitarbeiter der Organisation in Gaza bieten psychosoziale Unterstützung, aber auch Lernangebote – schließlich haben die Kinder und Jugendlichen in Gaza seit mehr als zwei Jahren keine Schulen mehr betreten. Der Krieg hat das Bildungssystem fast völlig zerstört. Jene Schulgebäude, die noch intakt sind, dienen den vielen Binnenvertriebenen als Notunterkünfte.
Save the Children besucht diese Unterkünfte und verteilt Nahrungspakete, Hygienematerial, aber auch Grundausstattung für Neugeborene – all das ist in Gaza am freien Markt entweder nicht oder nur zu Preisen erhältlich, die für die meisten Menschen nicht leistbar sind, sagt Saieh.

Doch nun droht der Arbeit der Hilfsorganisation das Aus: Wie auch Dutzenden anderen Hilfsvereinen, die in Gaza tätig sind, verweigert Israel Save the Children die Lizenz. Begründet wird das mit neuen Registrierungsvorschriften. Die Organisationen sehen dahinter andere Gründe: Sie befürchten, dass Israel nur noch jene NGOs zulässt, die sich in der Vergangenheit nicht kritisch zum Vorgehen des Militärs in Gaza geäußert haben.
Auch internationale Experten dürfen nicht mehr nach Gaza
Insgesamt wurde Anfang des Jahres 37 Organisationen die Registrierung verweigert, darunter prominente Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen (MSF) und Oxfam. In Kraft tritt das bei den meisten NGOs ab Anfang März.
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Save the Children ist jedoch schon jetzt von der Regelung betroffen. „Wir können unsere Hilfsgüter nicht mehr nach Gaza bringen“, sagt Alexandra Saieh. Das israelische Militär erlaubt nur registrierten NGOs die Einfuhr von Hilfsgütern. Seit dem Entzug der Lizenzen stauen sich die Hilfspakete in den Lagern der NGOs und dürfen nicht zu den Menschen im Gazastreifen gebracht werden. „Wir können zwar versuchen, auf lokalen Märkten einzukaufen“, sagt Saieh. „Wir bekommen dort aber nicht alles, was wir brauchen.“
Viel schwerer trifft viele der NGOs, dass Israel nun auch keine internationalen Experten mehr nach Gaza einreisen lässt. So kann beispielsweise Ärzte ohne Grenzen kein dringend benötigtes medizinisches Fachpersonal mehr in den Gazastreifen bringen. Save the Children braucht internationale Experten, um die palästinensischen Helfer vor Ort zu schulen – doch Israel lässt sie nicht mehr die Grenze passieren. „Das sind Schwierigkeiten, wie wir sie nirgendwo sonst auf der Welt erleben“, sagt Saieh. „Wir wissen nicht, wie wir in Zukunft weiterarbeiten sollen. Und wir sind ja nur einer von vielen Akteuren.“
NGOs fürchten um die Sicherheit ihrer Mitarbeiter
Besonders schlimm trifft es die medizinischen Hilfsorganisationen. Sie sind dringend auf Lieferungen von außen angewiesen – etwa von Medikamenten, chirurgischem Bedarf oder Anästhesie. Die Blockade dieser Lieferungen „wird verheerende Auswirkungen auf Gaza haben“, schätzt Saieh. Israel begründet seine neuen, strengen Registrierungsvorschriften mit Sicherheitsbedenken. Offiziell geht es dabei darum, den Einfluss der Hamas und anderer Terrororganisationen auf NGOs zu unterbinden.

In den Hilfsorganisationen weist man das zurück. „Wir haben umfassende Prüfverfahren und mussten schon bisher regelmäßig nachweisen, dass wir keine Verbindungen zu Terrororganisationen haben“, heißt es in einer deutschen NGO, die auch in Gaza tätig ist, aber nicht genannt werden will, weil sie sich noch in Verhandlungen mit den israelischen Behörden befindet. Dass Israel nun verlangt, dass die NGOs persönliche Details aller beschäftigter Palästinenser vorlegen, widerspreche deutschen Datenschutzgesetzen. Zudem sei es kaum vorstellbar, dass ein so gut aufgestellter Geheimdienstapparat wie der israelische auf NGO-Gesetze zurückgreifen müsse, um Terroristen zu bekämpfen, heißt es in der NGO.
Save the Children wiederum fürchtet um die Sicherheit der eigenen Mitarbeiter. „Wir haben ernsthafte Bedenken, persönliche Daten an eine Konfliktpartei weiterzugeben, die Hunderte Helfer getötet hat“, sagt Saieh. Laut Angaben der Vereinten Nationen wurden seit dem 7. Oktober 2023 mindestens 588 Mitarbeiter von Hilfsorganisationen im Gazastreifen getötet.







