Der lange Applaus verriet die Erleichterung des Publikums: Sind die USA doch unser Freund? US-Außenminister Marco Rubio hatte in seiner Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz keine Attacke geritten, keine haltlosen Vorwürfe erhoben wie zuvor Vizepräsident JD Vance. Stattdessen: „Die USA und Europa gehören zusammen.“ – „Eure Zukunft liegt uns sehr am Herzen.“ – „Unser Schicksal wird mit Eurem immer verbunden sein.“ Dann noch ein Loblied auf die gemeinsamen Wurzeln, vom Kampf gegen den „sowjetischen Sozialismus“ über den Kölner Dom bis zum europäischen Bier. Uff, alles doch nicht so schlimm?
Doch sollten die Europäer sich nicht wieder in trügerische Sicherheit flüchten. Zwar wirkte Rubios Rede im Vergleich mit der von Friedrich Merz am Vortag wie eine Charmeoffensive. Der Kanzler sprach gegen den „Kulturkampf der MAGA-Bewegung“ und für Klimaabkommen, und forderte eine neue transatlantische Partnerschaft auf Augenhöhe.

Münchner Sicherheitskonferenz: Marco Rubio mit klarer Botschaft
Doch genau das bietet Rubio nicht an. Sein Exkurs über die gemeinsame Geschichte enthielt die klare Botschaft: Wir sind die besseren Europäer. Nicht in Berlin oder Paris, in Washington werde „das heilige christliche Erbe“ verteidigt, der „Klima-Kult“ bekämpft, die Kriege in der Ukraine und Gaza befriedet und „unser Volk“ vor der „Massenmigration“ geschützt.
Amerika hätte keine Lust mehr, den Niedergang der christlich-abendländischen Kultur zu verwalten, so Rubio, die Europäer sollten mithelfen. Alles andere scheint für ihn ein Verrat an den gemeinsamen Werten zu sein. Der US-Außenminister ruft Europa also zu genau dem Kulturkampf, den Merz ablehnt.
Exklusiv aus den USA – für Sie recherchiert
Und jetzt? Bald wird sich am Schicksal der Ukraine und an der Iran-Frage zeigen, wie belastbar die gemeinsamen Wurzeln von Europa und USA sind. Die bisherige US-Linie macht wenig Hoffnung.







