- Im öffentlichen Dienst erhalten Tarifbeschäftige mehr Geld
- Weitere Streiks sind damit vom Tisch
- Der Abschluss betrifft 925.000 Tarifbeschäftigte, indirekt sogar mehr als zwei Millionen Menschen
Die Tarifbeschäftigten im öffentlichen Dienst der Länder sollen in drei Schritten insgesamt 5,8 Prozent mehr Geld bekommen. Auf diesen neuen Tarifvertrag einigten sich die Gewerkschaften Verdi und Beamtenbund dbb mit der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL), wie die Gewerkschaft Verdi mitteilte. Der neue Tarifvertrag soll 27 Monate laufen, bis zum 31. Januar 2028. Weitere Warnstreiks oder gar ein unbefristeter Streik sind damit vom Tisch.
Die Erhöhung soll nach Angaben der Gewerkschaft mindestens 100 Euro im Monat ausmachen. Nachwuchskräfte sollen 150 Euro mehr bekommen. Die Arbeitsbedingungen im Osten sollen den West-Regelungen angeglichen werden, sowohl beim Kündigungsschutz als auch bei der Verringerung der Arbeitszeit an den drei ostdeutschen Unikliniken in Rostock, Greifswald und Jena.
Tarifabschluss im öffentlichen Dienst: Die wichtigsten Punkte im Überblick
- Erhöhung der Entgelte in drei Schritten: zum 1. April 2026 um 2,8 Prozent, aber mindestens um 100 Euro; zum 1. März 2027 um weitere 2,0 Prozent; am 1. Januar 2028 um 1,0 Prozent.
- Nachwuchskräfte: um 150 Euro erhöhte Ausbildungsentgelte
- Schichtbeschäftigte: Zulage für Schichtdienste steigt auf monatlich 100 Euro, für Wechselschicht auf 200 Euro im Monat, in Krankenhäusern auf 250 Euro
- Studentische Beschäftigte: höhere Mindeststundenentgelte für rund 300.000 an Hochschulen und Universitäten beschäftigte Studierende: 15,20 Euro ab dem Sommersemester 2026, ein Jahr später dann 15,90 Euro
- Arbeitsbedingungen im Osten: Angleichung an West-Regelungen bei Kündigungsschutz sowie bei der Arbeitszeit an den ostdeutschen Unikliniken
- Laufzeit: bis 31. Januar 2028, 27 Monate
- Kosten: laut den Ländern 4,11 Milliarden Euro für die Tarifbeschäftigten, mit der geplanten Übertragung auf Beamte und Pensionäre 12,34 Milliarden Euro
Einigung im öffentlichen Dienst: „So schwierig wie lange nicht“
Verdi-Verhandlungsführer Frank Werneke nannte die Verhandlungen mit den Ländern „so schwierig wie lange nicht mehr“ Am Ende sei das Niveau wie im Tarifvertrag der für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen im vergangenen Jahr erreicht worden.

Verhandelt wurde für die rund 925.000 Tarifbeschäftigten der Länder. Wenn der Abschluss wie üblich auf die mehr als 1,3 Millionen Beamten und Pensionäre übertragen wird, sind insgesamt 2,2 Millionen Menschen betroffen. Es geht zum Beispiel um Beschäftigte in Straßenmeistereien, Universitätskliniken, Gefängnisbeschäftigte, um IT-Fachkräfte, Tierpfleger, Erzieherinnen oder Lehrkräfte. Die Gespräche hatten Anfang Dezember begonnen. In den vergangenen Wochen hatte es immer wieder Warnstreiks gegeben.
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Umfangreiches Gesamtpaket der Gewerkschaften
Die Gewerkschaften forderten ursprünglich sieben Prozent mehr Einkommen, mindestens 300 Euro mehr im Monat. Ihr Forderungskatalog umfasste auch Verbesserungen für Schichtbeschäftigte, für Azubis, einen eigenen Tarifvertrag für studentische Beschäftigte und Ost-West-Angleichungen – etwa bei den weiter ungleichen Arbeitszeiten in Unikliniken.

Die Länder-Tarifgemeinschaft hatte ihr Angebot zuletzt auf „mehr als fünf Prozent“ beziffert. Die Gewerkschaften wollten mit zwölf Monaten auch eine viel kürzere Laufzeit. Letztlich setzten sich die Arbeitgeber dabei weitgehend durch.
Verhandlungen um neuen Tarifvertrag bis in die Nacht
Eigentlich sollte die dritte und letzte Verhandlungsrunde, die am Mittwoch begonnen hatte, bereits am Freitag enden. Doch zogen sich die strittigen Gespräche bis in die Nacht zum Samstag. Für Samstagmorgen beraumten die Unterhändler dann ein Pressestatement an.

Wie schwer es den Gewerkschaften fiel, die Angebote der TdL anzunehmen, zeigte sich in Potsdam in stundenlangen Beratungen hinter verschlossenen Türen. Die Verdi-Führung um Werneke erläuterte in den eigenen Reihen intensiv den Verhandlungsstand und beantwortete Fragen.
Für die Gewerkschaften galt ein schlechterer Abschluss als beim öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen als unannehmbar. Auch für sie waren vergangenes Jahr zusammengerechnet 5,8 Prozent Erhöhung der Einkommen erreicht worden, damals in zwei Stufen.
dpa/bee



![Friedrich Merz (CDU) und Bärbel Bas (SPD) im Juni im Bundeskanzleramt. Pressekonferenz [press conference] nach der ?bergabe des Berichts der Altersicherungskommission zur Rentenreform in Berlin](https://img.sparknews.funkemedien.de/413277497/413277497_1790592399_v16_9_1200.jpeg)

