- Nach dem tödlichen Angriff auf einen Schaffner hat die Bahn-Chefin einen Sicherheitsgipfel einberufen
- Auch der rheinland-pfälzische Ministerpräsident hat konkrete Vorstellungen
- Wie das Bahnfahren jetzt sicherer werden soll
Nach dem gewaltsamen Tod eines 36-jährigen Zugbegleiters Anfang Februar in einem Regionalexpress in Rheinland-Pfalz waren die Erwartungen an den Sicherheitsgipfel bei der Bahn an diesem Freitag groß. In Berlin trafen sich DB-Chefin Evelyn Palla und Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) mit Arbeitnehmervertretern und der Verkehrsbranche, um sich auf einen gemeinsamen „Aktionsplan für mehr Sicherheit auf der Schiene“ zu verständigen. Was sich jetzt ändern soll.
Mehr Sicherheit für Bahnpersonal durch Bodycams
Noch in diesem Jahr möchte die Deutsche Bahn Mitarbeitenden mit Kundenkontakt im Nah- und Fernverkehr sowie an Bahnhöfen Bodycams zur Verfügung stellen. Ihre Nutzung soll allerdings freiwillig sein. Schon jetzt können Beschäftigte mit Kundenkontakt im Regionalverkehr Bodycams erhalten und tragen.
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Mit der Ausweitung der Bodycams kommt DB-Chefin Evelyn Palla einer Kernforderung der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) entgegen. Die Gewerkschaft drängt seit Längerem auf einen flächendeckenden Einsatz – und zwar nicht nur mit Bild, sondern auch mit Ton. So sollen auch verbale Übergriffe besser dokumentiert und später nachverfolgt werden können.
Zusätzlich soll der bereits bestehende Hilferuf-Knopf „Prio-Ruf“ weiterentwickelt werden. Damit können Mitarbeitende in Gefahrensituationen unauffällig die Leitstelle informieren, die wiederum Polizei oder Rettungskräfte alarmiert. Auch die persönliche Schutzausrüstung des Personals soll verbessert werden.
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Keine verpflichtende Ausweiskontrolle bei Tickets
Bei DB Regio soll außerdem der Umgang mit Ticketkontrollen verändert werden. Ab 1. März entfällt dort bei der Fahrkartenkontrolle die generelle Pflicht zur Ausweiskontrolle. Die Erfahrung zeige, dass es hier ein „hohes Eskalationspotenzial“ gebe, sagte Palla nach dem Gipfel. Künftig liegt es im Ermessen des Zugpersonals, ob ein Ausweis tatsächlich verlangt wird. Das Prinzip lautet: Eigensicherung vor Prüfung. Rheinland-Pfalz‘ Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) fordert in diesem Zusammenhang ein optisch einheitliches Deutschlandticket mit Lichtbild.
Verkehrsminister Schnieder kündigte zudem an, sich für einen verstärkten Einsatz von „Zweierteams bei Fahrkartenkontrollen in Zügen“ einzusetzen. Im Beschlusstext ist bislang zwar nur von „mehr Personal“ die Rede, nicht ausdrücklich von Doppelbesetzung, das Thema soll aber auf der Verkehrsministerkonferenz Ende März konkret beraten werden. Dort soll es auch darum gehen, wie das Deutschlandticket fälschungssicherer gemacht werden kann – damit der Verzicht auf eine generelle Ausweiskontrolle im Alltag besser möglich wird.
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Zusätzliche Sicherheitskräfte auf Bahnhöfen
Zukünftig sollen 200 zusätzliche Sicherheitskräfte der DB Sicherheit auf den Bahnhöfen eingesetzt werden. Im Vorfeld des Gipfels hatte das unter anderem Karl-Peter Naumann, Ehrenvorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn, gefordert. Es bedürfe „einer ausreichenden Anzahl von Sicherheitskräften, die öffentlich zu finanzieren sind und gut ausgebildet werden müssen“, sagte er. „Wenn die Sicherheitskräfte – wie heute schon vielfach – mit ihren gelben Westen zum Bahnhofsalltag gehören und dort auch einfache Fragen beantworten, zum Beispiel der Weg zur U-Bahn, dann gehören sie zum Alltagsbild.“ Sie würden dann auch von Fahrgästen angesprochen, wenn diese Personen mit ungewöhnlichem Verhalten bemerken, sagte Naumann. „Dies gilt analog auch in den Zügen.“
Zusätzlich sollen laut Aktionsplan in Zusammenarbeit mit der Bundespolizei regionale Sicherheitswerkstätten entstehen, um Sicherheitskonzepte vor Ort anzupassen. Gleichzeitig betont die Gewerkschaft der Polizei im Vorfeld, dass auch sie mehr Personal brauche. „Uns fehlen als Bundespolizei an den Bahnhöfen und Haltepunkten in Deutschland gut 3500 Kolleginnen und Kollegen, um präventiv unterwegs zu sein und in den Zügen auch mal als Streife mitzufahren“, sagte Andreas Roßkopf, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) für den Bereich Bundespolizei, unserer Redaktion.

Die Bundespolizei brauche darüber hinaus „eine echte Kontrollmöglichkeit an den Bahnhöfen“, so Roßkopf. Die Bundespolizei sei „im Moment rechtlich nicht in der Lage, Menschen zu kontrollieren, die sich an Bahnhöfen auffällig verhalten“, sagte er. „Das ist ein großes Problem. Wir wollen keine Kontrollwillkür, denn letztendlich muss alles an die Verhältnismäßigkeit gebunden sein. Die Bundespolizei braucht aber eine Kontrollmöglichkeit an den Bahnhöfen, auch ohne dass Straftaten schon entstanden sind.“
Videoüberwachung an Bahnhöfen
Der Ausbau der Videoüberwachung in Zügen und Bahnhöfen soll geprüft werden. Zudem sollen die Aufzeichnungen verstärkt mithilfe von Künstlicher Intelligenz ausgewertet werden, um auffälliges Verhalten und potenzielle Gefährder früher zu erkennen. Dafür sollen die rechtlichen Grundlagen verbessert werden.
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Wie das in der Praxis aussehen kann, zeigt der Bahnhof Südkreuz in Berlin, an dem seit Längerem eine KI-gestützte Überwachung getestet wird. „Und diese Technik ist mittlerweile so weit, dass sie tatsächlich erkennen kann, ob sich jemand auffällig verhält“, sagte Roßkopf vor dem Gipfel dieser Redaktion. „Wir fordern seit Jahren, künstliche Intelligenz einzusetzen.“
Das Bundesinnenministerium teilte auf Anfrage mit, dass es im Jahr 2025 insgesamt 55.025 Straftaten im Bereich der Bahn gegen Beamte der Bundespolizei und Beschäftigte der Deutschen Bahn gab. Im Jahr zuvor seien es 53.297 Straftaten gewesen. Die Zahl der Gewaltdelikte gab das Ministerium mit 27.818 an (2024: 27.150), dabei ging es in 5615 Fällen um Gewaltdelikte gegen Bundespolizisten (2024: 5532) und in 2689 Fällen um Gewaltdelikte gegen Beschäftigte der Deutschen Bahn (2024: 2412).








