Überflutete Straßen, evakuierte Ortschaften – und ein politischer Befund, der in Europa inzwischen zur Ausnahme geworden ist: Die Portugiesen haben an diesem Sonntag einen progressiven Politiker mit klarer Mehrheit zum Staatspräsidenten gewählt. Während in vielen europäischen Staaten konservative und rechtsnationalistische Kräfte auf dem Vormarsch sind, deuteten in Portugal alle Wählerbefragungen auf einen klaren Sieg des Sozialisten António José Seguro hin.
Für den 63-jährigen Politiker der sozialistischen Partei (PS) stimmten 66,6 Prozent der Wähler, berichtete der staatliche TV-Sender RTP, nachdem 98,5 Prozent der Stimmen ausgezählt waren. In einer ersten Reaktion lobte Wahlsieger Seguro die Menschen seines Landes. „Das portugiesische Volk ist das beste Volk der Welt. Ausgezeichnet. Mit einem enormen staatsbürgerlichen Verantwortungsbewusstsein und einer Verbundenheit mit den Werten unserer Demokratie“, sagte er vor Journalisten im Fernsehen. Dem rechtspopulistischen Herausforderer André Ventura, einem Bewunderer Donald Trumps, wurde bereits in den Prognosen keine Chance eingeräumt.
Dass diese Wahl von schweren Unwetterschäden überschattet wurde, verlieh ihr eine besondere Dramatik: Da Teile des Landes seit Tagen mit Überschwemmungen, Stromausfällen und zerstörter Infrastruktur kämpften, ging es politisch weniger um Programme als um eine Grundfrage: Wem trauen die Portugiesen in einer Krise Führung, Ordnung und Verlässlichkeit zu? Mindestens 14 Menschen sind im Hochwasser und Sturm ums Leben gekommen. In mehreren Wahlkreisen musste der Urnengang auf den 15. Februar verschoben werden. Besonders hart traf es das Zentrum des Landes sowie die Regionen Lissabon und Alentejo.
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Portugal: Seguro inszeniert sich als ruhender Pol
In diesem Ausnahmezustand gewann António José Seguro an Profil. Der sozialdemokratisch orientierte Sozialist, 63, stellte sich nicht als Ideologe, sondern als ruhender Pol dar – als Garant institutioneller Stabilität und eines handlungsfähigen Staates. Die Umfragen sahen ihn bei rund zwei Dritteln der Stimmen – ein ungewöhnlich klares Bild für eine europäische Präsidentenwahl in diesen unruhigen Zeiten. Bemerkenswert ist dabei, dass Seguro offenbar nicht nur das progressive Lager mobilisieren konnte, sondern auch Zustimmung aus der bürgerlichen Mitte und von gemäßigten Konservativen erhielt.
Dass der frühere Vorsitzende der Sozialistischen Partei in Portugal mit Stimmen weit über das linke Spektrum hinaus rechnen konnte, lag weniger an programmatischen Zuspitzungen als an bewusster Zurückhaltung. Seguro verzichtete im Wahlkampf auf ideologische Schlagworte und Polarisierung. Begriffe wie „Sozialismus“ oder „Umverteilung“ spielten bei ihm keine Rolle. Er versprach, Präsident aller Portugiesen zu sein.
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Portugal: Seltenes Bündnis für Seguro
Diese staatsmännische Tonlage machte ihn für viele Wähler akzeptabel, von denen die Mehrheit eine klare Absage an den Rechtspopulismus wollte. Dabei kam Seguro zugute, dass er als gemäßigter Kandidat auch von mehreren prominenten Politikern aus dem liberalen und konservativen Lager unterstützt wurde – ein in Portugal seltenes, fast historisches Bündnis.
Der moderate Sozialist Seguro ist kein politischer Neuling, sondern ein Rückkehrer. Er war Minister unter Ex-Premier António Guterres, saß im nationalen und im europäischen Parlament und führte zeitweise die Sozialistische Partei. Nach innerparteilichen Niederlagen zog er sich zurück und lehrte als Hochschuldozent für Staatstheorie. Sein Comeback kam nun für viele überraschend.




