Mit seiner blauen Mütze und dem kleinen Spiderman-Rucksack auf dem Rücken kommt der kleine Liam am 20. Januar nichtsahnend zuhause an. Vor dem Wohnhaus der Familie in Minneapolis warten bereits ICE-Agenten. Sie fangen den Fünfjährigen ab und bringen ihn und seinen aus Ecuador stammenden Vater ins texanische Abschiebegefängnis nach Dilley. Die Bilder des brutalen Vorgehens der US-Bundesbeamten gehen um die Welt. Vor wenigen Tagen kamen Liam und sein Vater wieder frei. Doch ein Hinweis auf milderes Vorgehen durch Donald Trumps Abschiebtrupp scheint das nicht zu sein. Eine Recherche der „New York Times“ legt nahe: ICE macht wohl auch vor schwangeren Frauen nicht Halt.
Demnach halten sich die US-Bundesbeamten zunehmend mehr vor medizinischen Zentren und Krankenhäusern in Minneapolis auf. Gesundheitsdienstleister haben die Präsenz von ICE-Agenten vor mindestens elf medizinischen Versorgungseinrichtungen allein im Januar bestätigt.
ICE führt in Minneapolis immer öfter Razzien vor Krankenhäusern durch
Im Visier: Bürger, die ihre Angehörigen besuchen wollen – und schwangere Frauen. Das US-Heimatschutzministerium bestätigte gegenüber der „NYT“, dass seit November mindestens zwei schwangere Frauen festgenommen wurden. Sie sollen sich illegal im Land aufgehalten haben. Keine Einzelfälle. Bereits im Juni 2025 wurde ein Video öffentlich, das zeigt, wie ICE-Agenten eine Schwangere im neunten Monat kurzzeitig festnehmen.
Immer mehr schwangere Frauen in Minneapolis verstecken sich deshalb – aus Angst, selbst in die Fänge der Einwanderungsbehörde zu geraten. „Wir beobachten in unseren Kliniken eine hohe Zahl an Nichterscheinen zu Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft“, sagte Allgemeinmedizinerin Dr. Chelsea Thibodeau gegenüber dem Nachrichtenportal „19thnews“. Sie führt in einem der Krankenhäuser Vorsorgeuntersuchungen durch und betreut Geburten. „Wir haben von Patientinnen in meiner Klinik gehört, dass sie sich nicht sicher fühlen, zu uns zu kommen.“
Aus Angst: Mexikanische Einwanderin nimmt keine Vorsorgeuntersuchungen mehr wahr
Auch Ana, eine mexikanische Einwanderin, nimmt wichtige Arzttermine nicht mehr war, seitdem sie bei ihrem letzten Vorsorgetermin Zeugin von ICE-Razzien vor ihrer Klinik wurde. „Ich hatte Angst und wusste nicht, ob ich nachhause zurückkehren würde“, sagte die alleinerziehende Zweifach-Mutter gegenüber der „NYT“. Sie nimmt seitdem nur noch virtuelle Sprechstunden wahr. Doch ohne Bluttests und Ultraschalluntersuchungen können Komplikationen kaum erkannt werden.
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Ihre Geburtspläne hätte sie über Bord geworfen – und wird ihr Baby wohl zuhause zur Welt bringen. Immer mehr Frauen entscheiden sich nach Aussagen der in Minneapolis ansässigen Gynäkologin Erin Stevens für eine Hausgeburt. Zudem hätte die Zahl der Patientinnen, die ein ärztliches Attest zur Bestätigung ihrer Schwangerschaft wollen, deutlich zugenommen, sagt eine andere Gynäkologin gegenüber „19thnews“. Mit dem Attest in der Hand hoffen die Frauen bei einer möglichen Festnahme durch ICE-Beamte milder behandelt zu werden.





