Umsteigen auf E-Autos – oder doch lieber noch ein bisschen Verbrenner? Die Zukunft des Autoantriebs in Deutschland ist Gegenstand heftiger politischer Debatten. Auch, weil E-Mobilität bislang nicht soweit verbreitet ist, wie Befürworter sich das erhoffen. Das Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) hat jetzt Daten des Kraftfahrt-Bundesamts und der Bundesnetzagentur ausgewertet, um zu überprüfen, wie es um die Antriebswende in Deutschland steht. Die Untersuchung liegt dieser Redaktion vor. Wo sich etwas bewegt und wo es noch viel zu tun gibt – die wichtigsten Erkenntnisse des Papiers im Überblick:
E-Autos: Marktanteil von E-Autos wächst – aber zu langsam
2025 war mit 19,1 Prozent fast jedes fünfte neu zugelassene Auto in Deutschland rein batterieelektrisch. Das ist ein deutlicher Sprung im Vergleich zum Vorjahr, wo es nur 13,5 Prozent waren. 2024 war der Markt deutlich eingebrochen, nachdem die Ampel-Koalition in Finanznöten abrupt die Förderung gestrichen hatte. 2022 und 2023 hatten E-Autos schon einmal 17,7 beziehungsweise 18,4 Prozent der Neuzulassungen ausgemacht. Der Vergleich zeigt: Die Wachstumskurve zeigt nach oben, aber nicht so steil, wie sie es müsste.
Das Ziel von 15 Millionen E-Autos auf deutschen Straßen, das die Ampel einmal ausgegeben hatte, hat die schwarz-rote Bundesregierung nicht übernommen. Es wäre auch inzwischen nicht mehr zu erreichen. An einem anderen Ziel aber sollte man festhalten, sagt DIW-Forscher Wolf-Peter Schill: Dem europäischen Plan, ab 2035 keine neuen Autos mit Verbrennungsmotor mehr zuzulassen. „Das geben Markt und Infrastruktur auf jeden Fall her“, sagt Schill dieser Redaktion. „Davon abzurücken, würde nur für Verunsicherung sorgen. Das ist keine gute Idee.“ In der EU allerdings wird gerade an einer Aufweichung dieser Regelung gearbeitet.
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Im Bestand allerdings sind rein elektrisch angetriebene Autos noch immer eine kleine Minderheit: Rund vier Prozent der Fahrzeugflotte der 50 Millionen Pkw in Deutschland machten sie 2025 aus.
Europäische Hersteller haben aktuell die Nase vorn
Mit 55 Prozent stammte mehr als die Hälfte der neuen E-Autos in Deutschland im vergangenen Jahr von deutschen oder europäischen Herstellern. Damit ist ihr Marktanteil zwar niedriger als bei allen Pkw, wo vier von fünf neu zugelassenen Fahrzeugen aus der EU kommen, aber in den vergangenen Jahren gestiegen.
Dass europäische Modelle Absatz finden, liegt auch daran, dass der Trend bei E-Autos – ebenso wie im gesamten Markt – hin zu höherpreisigen und größeren Modellen geht. Chinesische Hersteller etwa punkten eher bei kleinen E-Autos.
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„Autos insgesamt werden seit Jahren größer und schwerer, das gilt sogar noch mehr für E-Autos“, sagt Schill. „Dieses Segment ist deutlich größer geworden, was auch daran liegt, dass in der Mittel- und Oberklasse auch noch die Margen da sind, die es brauchte, um die bisher etwas teurere E-Mobilität zu verkaufen.“
Vollständig eingebrochen ist der Marktanteil von US-Herstellern. 2022 machten deren Fabrikate noch 15 Prozent der neu zugelassenen E-Autos aus, 2025 waren es nur noch 5 Prozent. Dahinter steckt laut Schill vor allem der Absturz von Tesla.
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Ladeinfrastruktur ist besser als ihr Ruf
Laut Bundesnetzagentur gibt es derzeit rund 188.000 öffentliche Ladepunkte in Deutschland, ein Viertel davon Schnellladepunkte. Damit hat sich das Verhältnis von E-Autos zu Ladesäulen zuletzt spürbar verbessert. „Gerade bei Schnellladesäulen findet man fast immer einen Platz, die Infrastruktur ist nicht ausgelastet“, sagt Wolf-Peter Schill, trotzdem beherrsche die Kritik an der Ladeinfrastruktur immer noch „Sonntagsreden“. Viele E-Auto-Fahrer haben zudem laut DIW-Auswertung die Möglichkeit, zu Hause oder im Betrieb ihr Fahrzeug zu laden. Allerdings nicht, wenn sie in Mehrfamilienhäusern wohnen – hier gibt es häufig noch Lücken in der Ladeinfrastruktur. Die Bundesregierung hat ein Förderprogramm in Aussicht gestellt, das das ändern soll.
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Im Frachtsektor tut sich was
Der Güterverkehr auf der Straße galt und gilt als schwer auf elektrische Antriebe umzustellen, vor allem der Lkw-Fernverkehr. Doch auch in diesem Bereich entwickelte sich zuletzt ein bisschen Dynamik. Neun Prozent der neu zugelassenen Lkw war laut DIW 2025 rein batterieelektrisch angetrieben. Selbst bei Sattelschleppern, die vor allem im Schwerlastverkehr genutzt werden, machten Batterie-Antriebe zuletzt drei Prozent der Neufahrzeuge aus. Hintergrund sind Fortschritte in der Batterieentwicklung. Der Bestand ist allerdings in beiden Bereichen noch fast vollständig von Verbrennungsmotoren geprägt.

Für das Klima reicht das noch nicht
Trotz der Fortschritte an einigen Stellen – die Klimaziele im Verkehr werden ohne zusätzliche Maßnahmen wohl kaum einzuhalten sein. Der Expertenrat für Klimafragen, ein Gremium, das die Politik im Klimaschutz berät und prüft, hatte in seinem Prüfbericht 2025 unter anderem festgestellt, dass E-Autos nur dann die Emissionen tatsächlich senken, wenn sie anstelle eines Verbrenners verwendet werden. Laut den Expertinnen und Experten war in der Vergangenheit jedoch zu beobachten, dass E-Autos häufig zusätzlich in den Bestand kamen. Bis März will die Bundesregierung das gesetzlich vorgeschriebene neue Klimaschutzprogramm vorlegen. Der Verkehrssektor wird darin eine große Rolle spielen müssen.







