Seit dem Beginn von US-Präsident Donald Trumps zweiter Amtszeit steht das Kennedy Center, die angesehenste Kultureinrichtung in Washington DC., unter Beschuss. Wegen einer angeblichen „woken“ Ideologie stellte Trump das Kennedy Center unter seine Kontrolle – und hängte sogar seinen Namen an das Gebäude. Nun will Trump es wegen Renovierungsarbeiten für eine Dauer von zwei Jahren schließen lassen. Dies sei „der schnellste Weg, um das Trump Kennedy Center auf das höchste Niveau an Erfolg, Schönheit und Pracht zu bringen“, erklärte Trump am Sonntag in seinem Onlinedienst Truth Social.

Das von Trump angeführte Direktorium hatte das Kennedy Center im vergangenen Dezember in „Trump Kennedy Center“ umbenannt. Das Zentrum soll ab dem 4. Juli – dem 250. Jahrestag der Ratifizierung der US-Unabhängigkeitserklärung – renoviert werden, wie Trump auf Truth Social erklärte. Die Entscheidung müsse noch vom Direktorium abgesegnet werden. Die Mitglieder des Gremiums wurden von Trump ausgewählt. Das hatte zu Protest geführt: Mehrere Künstlerinnen und Gruppen sagten ihre Auftritte ab. 

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Kennedy Center: Lässt Trump die Einrichtung wegen fehlender Künstler schließen?

Laut CNN sei der wahre Grund wohl der Künstlerboykott, durch den es zunehmende Schwierigkeiten in der Programmplanung gegeben habe. Kevin Couch, der kurzzeitig als Vizepräsident für Programmgestaltung des Zentrums tätig war, sei frustriert gewesen, da es ihm schwerfiel, namhafte Künstler zu gewinnen, berichtet der Sender unter Berufung auf eine anonyme Quelle. Couch verließ das Zentrum nur wenige Tage nach Bekanntgabe seiner Ernennung.

Aus Kennedy Center wird Trump Kennedy Center
Die neue Beschilderung „The Donald J. Trump and The John F. Kennedy Memorial Center For The Performing Arts“ wurde im Dezember enthüllt. © Jacquelyn Martin/AP/dpa | Jacquelyn Martin

Die verschiedenen Veranstaltungen der Einrichtung – Konzerte, Opern, Musicals, Ballettaufführungen und interaktive Kunst – würden die Bau- und Renovierungsarbeiten behindern und verlangsamen, erklärte hingegen Trump. Daher sei eine vorübergehende vollständige Schließung notwendig. „Amerika wird über viele Generationen hinweg sehr stolz auf sein neues und schönes Wahrzeichen sein“, erklärte Trump.

Was genau der „komplette Umbau“ des Kulturzentrums umfassen werde, war zunächst unklar. Trump betont jedoch seit langem, dass das Bauwerk marode sei und einer Überholung bedürfe.

News aus den USA

Trumps Feldzug gegen das „woke“ Kennedy Center

Der Maga-Politiker (Make America great again, Macht Amerika wieder großartig) hatte das Kennedy Center nach seinem Amtsantritt im Januar als „woke“ angeprangert. Er setzte einen Gefolgsmann als Präsidenten ein, besetzte das Direktorium neu und ließ sich selbst zum Vorsitzenden wählen. Angeblich „linke“ Programminhalte wurden in der Folge gestrichen und durch „patriotische“ ersetzt. Trump nahm zudem bauliche Veränderungen vor.

Das 1971 eröffnete Kulturzentrum war nach dem 1963 ermordeten Demokraten John F. Kennedy ernannt worden, der mit seiner Frau zu Lebzeiten Geld für den Bau gesammelt hatte. Es galt bis vor Kurzem als über den Parteien stehende Einrichtung mit rund zwei Millionen Besuchern jährlich.

os/dpa/afp