Europa muss sich auch selbst verteidigen können. Dieser Appell zog sich wie ein roter Faden durch den kurzen Besuch der dänischen Ministerpräsidentin Mette Frederiksen in der Sendung von Sandra Maischberger am Dienstagabend. Eine Erkenntnis, zu der Frederiksen nicht erst durch Donald Trumps jüngste Annexions-Fantasien gelangt ist. Bereits die Rede von J. D. Vance auf der Münchner Sicherheitskonferenz sowie die darauffolgenden Neuausrichtung der amerikanischen Sicherheitsstrategie bezeichnete sie als einen „Bruch mit der Weltordnung, die die meisten von uns kennen, mit der wir aufgewachsen sind, an die wir glauben.”

Umso dankbarer zeigte sich die Regierungschefin für die geschlossene europäische Unterstützung, die Dänemark als Reaktion auf Donald Trumps Annexionspläne erfahren habe und die sie einen hoffnungsvollen Blick in die Zukunft werfen ließ: „Wenn Europa zusammensteht und zusammen mit einer Stimme spricht, dann funktioniert es”, bilanzierte sie. 

Gleichzeitig bemühte sich Frederiksen konsequent um Deeskalation. Sie selbst sei weiterhin transatlantisch eingestellt und auch Dänemark wünsche sich ein gutes Verhältnis zu den USA. Aus diesem Grund werde ihr Land alles dafür tun, um sich im Grönlandkonflikt mit den USA zu einigen. Welche konkreten Zugeständnisse dabei denkbar seien, ließ Frederiksen allerdings offen. Auch wie lange solche Verhandlungen dauern, könne man „nie wissen.” 

Auch interessant

Dänische Ministerpräsidentin Frederiksen: Über Grönland „wird nicht diskutiert“

Eine zentrale rote Linie seien jedoch die Souveränität, das Völkerrecht und die territoriale Integrität Grönlands. „Darüber wird nicht diskutiert werden“, stellte die Politikerin unmissverständlich klar. „An dem Tag, an dem wir bei den Grundsäulen der Demokratie Kompromisse eingehen, ist es vorbei.” Insbesondere, da Europa diesen Weg bereits einmal beschritten hat.

232077_569_232077_cover.jpg
„Grönland ist nicht zu verkaufen“ – Trumps Pläne und der Widerstand vor Ort
Im Krisenmodus
 

Gesprächsbereit zeigte sie sich hingegen bei der Frage, wie der arktische Raum künftig besser geschützt werden könne. Über eine engere Zusammenarbeit werde bereits in den bestehenden Arbeitsgruppen beraten. Als Maischberger von Frederiksen wissen will, wie stark sie in das angebliche Angebot von Nato-Generalsekretär Mark Rutte an US-Präsident Donald Trump in Davos eingebunden gewesen sei, reagierte die dänische Regierungschefin scharf. Rutte habe den Amerikanern kein Angebot gemacht. „Die Nato kann nicht im Namen von Grönland oder Dänemark verhandeln.” 

Als größte sicherheitspolitische Bedrohung benannte Frederiksen an diesem Abend Russland, das möglicherweise auch durch den Iran und Nordkorea unterstützt werden könnte. Gerade deshalb sei es nicht nur im Interesse Europas, sondern auch der USA, zusammenzuhalten und keine Konflikte untereinander zu generieren. Gleichzeitig zeigte sich die dänische Regierungschefin ernüchtert: „Die alte Welt ist meiner Meinung nach weg. Ich glaube nicht, dass sie zurückkommt.“

News aus den USA

„Maischberger“: Zweifel an Trumps Loyalität gegenüber dem Nato-Bündnis

Diesen Eindruck bestätigten auch die Einschätzungen der vorgeschalteten Experten-Runde. Für Sandra Navidi ist beispielsweise längst nicht mehr sicher, ob Donald Trump die Nato im Falle eines Angriffs tatsächlich verteidigen würde oder „ob er sich auch mal auf die andere Seite stellt”. Die US-Expertin fand an diesem Abend die schärfsten Worte. Die aktuelle amerikanische Regierung bezeichnete sie mit Blick auf Verteidigungsminister Pete Hegseth und weitere ranghohe Mitglieder als „Clown-Administration“, in der nicht Kompetenz, sondern Loyalität zähle. 

Den Einwurf des stellvertretenden Bild-Chefredakteurs Paul Ronzheimer, dass die Militäraktion, die zur Festnahme Nicolás Maduros geführt hatte, dennoch ziemlich erfolgreich gewesen sei, konterte Navidi scharf: „Das hat trotz Pete Hegseth geklappt, nicht wegen Pete Hegseth.”