Die Frontscheibe des SUV wurde von einer Kugel durchbohrt, exakt auf der Höhe des Lenkrads. Am Mittwochmorgen (Ortszeit) ist die Fahrerin in Minneapolis (US-Bundesstaat Minnesota) erschossen worden, mutmaßlich von Einsatzkräften der Behörde „Immigration and Customs Enforcement“ (ICE). Ein Foto zeigt den demolierten Wagen, gelbes Polizeiband sperrt den Tatort ab.
Die Schüsse waren gefallen, nachdem ein graues Fahrzeug der ICE-Agenten steckengeblieben war, wie Heimatschutzministerin Kristi Noem am Mittwoch mitteilte. „Ein Mob von Aufhetzern“ habe die Beamten belästigt und blockiert, sagte Noem. Eines der beteiligten Fahrzeuge soll von dem späteren Opfer gefahren worden sein. Die Frau habe ihr Auto „zur Waffe gemacht“ und versucht, einen der ICE-Agenten zu überfahren, ehe er das Feuer auf sie eröffnete. Der Beamte habe sich also selbst verteidigt.
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ICE-Einsatz in Minneapolis: „Steigen Sie aus. Steigen Sie aus dem verdammten Auto aus!“
An dieser Darstellung gibt es Zweifel. Der Vorfall wurde von Augenzeugen aus verschiedenen Richtungen gefilmt. Der Fernsehsender CNN hat mehrere Videos ausgewertet. Ergebnis: Zunächst steht der beerenfarbene SUV der Frau quer auf der Straße, sie steckt fest. Vor ihr steht ein weiteres Auto. Der Asphalt ist schneebedeckt, es scheint rutschig zu sein. Der Beamte, der später das Feuer eröffnet, geht zunächst um das Heck des Autos herum und nähert sich dem vorderen Teil. Eine weitere, nicht uniformierte Person folgt ihm und filmt das Geschehen mit dem Smartphone.
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Zwei Bundesbeamte fahren in einem grauen Pick-up an das Auto der Frau heran, sie macht eine Handbewegung aus dem geöffneten Fenster heraus. Die Beamten verlassen ihr eigenes Fahrzeug und treten an das der Frau heran. In einer Aufnahme hört man, wie sie am geöffneten Fenster mit der Fahrerin sprechen. „Steigen Sie aus. Steigen Sie aus dem verdammten Auto aus.“ Einer der beiden rüttelt am Türgriff, der andere steht halb vor dem SUV.
USA: ICE-Beamter feuert dreimal auf das Auto der Frau
Dieser fährt dann zuerst plötzlich rückwärts, danach schaltet die Fahrerin in den Vorwärtsgang. Gleichzeitig zieht der dritte Beamte, der zuvor von hinten um das Auto herumgelaufen war, seine Waffe und zielt auf die Frau. Dabei entfernt er sich von der Fahrzeugfront und macht offenbar einen Schritt zur Seite. Er steht jetzt sehr nah am Auto, an der Fahrerseite. In einem Video macht es den Anschein, als touchiere ihn das Fahrzeug. In einem anderen sieht es eher aus, als sei er dem SUV aus dem Weg gegangen.
In diesem Moment feuert er seine Pistole das erste Mal ab, danach noch zweimal von der Seite. Er schiebt die Pistole zurück ins Halfter, das Auto beschleunigt und stößt mit einer weißen Limousine am Straßenrand zusammen. Der Schütze und die filmende Person nähern sich dem Fahrzeug, der ICE-Beamte fordert laut Tonspur dazu auf, einen Notruf abzusetzen.
Exklusiv aus den USA – für Sie recherchiert
Minneapolis: Arzt will Puls des Opfers fühlen – und wird abgewiesen
Auf der Plattform X kursiert ein Video, auf dem ein Mann sich als Arzt zu erkennen gibt und die ICE-Agenten bittet, den Puls der Frau prüfen zu dürfen. Er wird abgewiesen, man sieht den reglosen Körper der Frau hinterm Steuer.
a video taken by the eyewitness, Emily Heller, shows agents denying a self-identified physician access to the victim and telling bystanders to “just relax.” pic.twitter.com/tDvyP7udDh
— Jessica Schulberg (@jessicaschulb) 7. Januar 2026
USA: Renee Good war Mutter eines Sechsjährigen
Bei der Getöteten handelt es sich nach Medieninformationen um Renee Nicole Macklin Good, eine 37 Jahre alte Frau mit US-Staatsbürgerschaft. Sie lebte in der Region der sogenannten „Twin Cities“, Minneapolis und Saint Paul, nur wenige Häuserblöcke von dem Ort entfernt, an dem sie erschossen wurde. 2020 hatte sie einen Universitätsabschluss in Englisch an der Old Dominion University in Virginina erworben, wie die Hochschule mitteilte.
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Der „Minnesota Star Tribune“ zitiert ihre Mutter, Donna Ganger, wonach Good eine „extrem mitfühlende“ Frau gewesen sei. Sie habe sich ihr ganzes Leben lang um Menschen gekümmert. „Sie war eine wunderbare Frau.“ Renee Good war Mutter eines sechsjährigen Sohnes, dessen Vater vor mehr als zwei Jahren verstorben sei. So berichtete es der Großvater des Kindes der Zeitung. Good soll zwei weitere Kinder aus einer früheren Beziehung haben, lebte aber getrennt vom Vater der Kinder. Unbestätigten Berichten zufolge soll sie zuletzt in einer Beziehung mit einer Frau gelebt haben. Es gibt ein Video vom Tatort in Minneapolis, das eine wimmernde Frau am Straßenrand zeigt. „Sie haben meine Frau getötet. Ich weiß nicht, was ich tun soll“, sagt die Frau.
Renee Nicole Good verbrachte den Großteil ihres Lebens in Colorado und zog nach dem Tod ihres zweiten Mannes, einem US-Veteranen, kurzzeitig wieder bei ihren Eltern in Kansas ein. „Sie hatte ein gutes Leben, aber ein hartes“, wird ihr Vater Tim Ganger im „Star Tribune“ zitiert. Auf ihrem Instagram-Profil schrieb sie, sie entdecke gerade Minneapolis. Sie bezeichnete sich als „Poetin, Autorin, Ehefrau und Mutter“. An der Universität wurde sie 2020 für ihr Stück „Über das Erlernen der Präparation von Föten von Schweinen“ ausgezeichnet.
News aus den USA
USA: Renee Good war „keine Aktivistin“, sagt ihr Ex-Mann
„Sie war keine Aktivistin“, sagte ihr Ex-Mann. Er habe keine Kenntnis darüber, dass sie jemals an Protesten teilgenommen habe. Sie sei eine gläubige Christin gewesen, die in früheren Jahren an kirchlichen Reisen nach Nordirland teilgenommen habe. Neben dem Schreiben sei Singen ihr großes Hobby gewesen. Zuletzt habe sie beruflich wieder als zahnmedizinische Assistentin Fuß gefasst, nach einigen Jahren als Hausfrau.

In der Stadt ist das Entsetzen über den Vorfall groß. Anwohner legten Blumen und Kerzen für die Getötete nieder. Manche skandierten: „Say it once. Say it twice. We will not put up with ICE“ (Sag es einmal, sag es zweimal, wir werden ICE nicht hinnehmen).
US-Vizepräsident JD Vance gab sich auf X davon überzeugt, dass der ICE-Beamte sich lediglich selbst verteidigt habe. Er bezeichnete den tödlichen Vorfall als selbst verschuldete Tragödie. „Behindern Sie nicht illegal die Strafverfolgungsmaßnahmen des Bundes und versuchen Sie nicht, unsere Beamten mit Ihrem Auto zu überfahren“, schrieb Vance bei X. „So einfach ist das.“
Correct. You can accept that this woman's death is a tragedy while acknowledging it's a tragedy of her own making.
— JD Vance (@JDVance) 8. Januar 2026
Don't illegally interfere in federal law enforcement operations and try to run over our officers with your car. It's really that simple. https://t.co/4k4KFjfsRZ
Juristen und Beobachter betonten auf „X“, die ICE-Beamten seien rechtlich nicht mit den gleichen Befugnissen ausgestattet wie reguläre Polizisten. Sie dürften nur im Kontext mit Einwanderungsfragen und dem Verdacht einer Verletzung von Einreiseregeln aktiv werden. „Eine US-Bürgerin kann nicht aus Einwanderungsgründen festgenommen werden, und zu fliehen ist allein noch keine rechtliche Grundlage, um tödliche Gewalt anzuwenden“, schreibt ein User. Mehrere Nutzer weisen unter Verweis auf Augenzeugen darauf hin, dass die Frau offenbar Angst gehabt habe und versucht habe, ihr Auto aus der Situation herauszumanövrieren, anstatt eine tödliche Konfrontation mit den ICE-Beamten einzugehen.
Minneapolis: Bürgermeister lehnt ICE ab – und ruft zu Besonnenheit auf
Schon zuvor hatte es Diskussionen über die ICE-Agenten in Minneapolis gegeben: Seit dieser Woche sind rund 2000 ICE-Beamte in der Stadt im Einsatz. Die Trump-Administration hatte sie entsendet, als Vorwürfe über einen angeblichen Sozialbetrug in der somalischen Migranten-Community laut wurden. Ein konservativer Youtuber hatte sie erhoben.
Der Bürgermeister von Minneapolis, Jacob Frey, rief die Bürger dazu auf, ruhig zu bleiben. „Dies ist ein Moment, in dem wir alle in Minneapolis und darüber hinaus uns der Situation gewachsen zeigen können“, sagte er. „Wir können ihnen zeigen, wer wir sind. Wir können ihnen den Mut, die Tapferkeit, die Liebe und das Mitgefühl zeigen, die Minneapolis und Amerika ausmachen.“













