So nah wie Christopher Anderson ist wohl noch kein Fotograf den Mitarbeitern von Donald Trump gekommen. Anderson hat die Bilder zu einer Geschichte gemacht, die jüngst im renommierten Magazin „Vanity Fair“ erschien. Der Hauptartikel hatte es bereits in sich. Trumps Staatschefin Susie Wiles attestierte darin ihrem Chef die „Persönlichkeit eines Alkoholikers“. Über Trumps Vize JD Vance sagte sie, er sei „ein Verschwörungstheoretiker“. Später ruderte Wiles zurück und warf dem Magazin vor, Aussagen aus dem Kontext gerissen zu haben.
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Doch dann gibt es da noch die Bilder – und die sprechen für sich. Anderson fotografierte unter anderem Trumps Pressesprecherin Karoline Leavitt. Eine Nahaufnahme zeigt jede Pore ihres Gesichts, Einstichlöcher von Botox-Nadeln. Die sonst perfekte Fassade verkommt von Nahem zu einer Grimasse:
Auch Trumps Außenminister Marco Rubio, ein möglicher Nachfolger für das Amt des Präsidenten, ist Anderson sehr nahegekommen. Die Schwarz-Weiß-Aufnahme seines Gesichts lässt jedes abrasierte Barthaar erahnen, jede Aknenarbe, jede Lach- und Sorgenfalte:
Und dann ist da noch Vizepräsident JD Vance. Während des Shootings soll er gegenüber „Vanity Fair“ gescherzt haben: „Ich gebe euch 100 Dollar für jede Person, die ihr schlechter aussehen lasst als mich. Und 1000 Dollar, wenn es Marco (Rubio) trifft.“ Ein Witz mit Beigeschmack: Es ist kein Geheimnis, dass Vance ebenfalls der nächste US-Präsident werden will und Rubio sein härtester Konkurrent ist. Zudem vertreten die beiden in der US-Außen- und Sicherheitspolitik konträre Ansichten.
Rubio nachdenklich, Vance unnachgiebig
Wenig überraschend wirken die Portraits der beiden wie Gegensätze. Auf der einen Seite Rubio in schwarz-weiß, mit glänzenden Augen, nachdenklich, fast ein bisschen verletzlich. Auf der anderen Seite Vance in Farbe, streng, unnachgiebig, mit tief sitzenden Augen.
Für die Bilder steht Anderson nun in der Kritik. Eine Sprecherin des Weißen Hauses warf ihm vor, absichtlich unvorteilhafte Bilder der Trump-Administration gemacht zu haben. Allerdings ist Anderson für seine extremen Nahaufnahmen bekannt. Er hatte bereits in der Vergangenheit Prominente und Politiker entsprechend abgelichtet – etwa Barack und Michelle Obama. Gegenüber der „Washington Post“ sagte Anderson: „Ich starte mit der Absicht, ein Bild zu machen, das wahrheitsgetreu wiedergibt, was ich in dem Moment gesehen habe, als ich dem Motiv begegnet bin.“



