Wolodymyr Selenskyj hat sich im Interview mit Markus Lanz überraschend deutlich zu den laufenden Friedensverhandlungen in Berlin rund um den Ukraine-Krieg geäußert. Seine Aussagen wählte der Präsident mit Bedacht, machte dabei aber unmissverständlich klar: Sein Land werde sich die Bedingungen zum Kriegsende nicht aufdiktieren lassen.

So steckte in vielen Aussagen Selenskyjs zweifelsohne auch eine Botschaft an Russland – und die USA. Auf Lanzʼ Frage, welche Fortschritte es in den Friedensverhandlungen in Berlin gebe, sagte Selenskyj: „Wir brauchen ganz starke Sicherheitsgarantien. Das hängt nicht allein von Russland ab und nicht vom Präsidenten der USA. Das hängt von allen ab, natürlich auch von den europäischen Kollegen.“

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Selenskyj bei Lanz: „Es gibt noch territoriale Fragen, sehr schmerzhafte“

Es ist wieder einmal der schmale Balanceakt des ukrainischen Präsidenten, eigene Stärke zu demonstrieren, Autonomie zu wahren und gleichzeitig die für einen möglichen Frieden unbedingt erforderlichen US-Amerikaner im eigenen Boot zu halten. So schob Selenskyj direkt nach: „Die US-Amerikaner sind ein Vermittler, sie bemühen sich, uns Kompromisse anzubieten. Wir haben schon vieles ausgearbeitet dank den USA, aber es gibt noch territoriale Fragen, sehr schmerzhafte.“

Trump hatte sich am Montag in gewohnt euphorischer Manier zu den laufenden Friedensverhandlungen in Berlin geäußert. „Ich denke, wir sind jetzt näher dran als je zuvor“, sagte der US-Präsident in Washington. Doch umgehend kam aus Russland die Nachricht, man sei nicht zu territorialen Zugeständnissen bereit. 

Konkret geht es vor allem um Gebiete im Osten. Moskau will, dass die Ukraine die Regionen Donezk, Luhansk sowie die südukrainischen Gebiete Cherson und Saporischschja als russisches Staatsgebiet anerkennt. Auf die Frage von Lanz, ob Selenskyj die Frontlinie einfrieren will, konterte Selenskyj: „Was heißt einfrieren? Wie soll man das so betrachten: juristisch, verfassungsrechtlich und völkerrechtlich? Ich bin kein Eigentümer einer Wohnung, ich bin Präsident eines Landes.“ Die Ukraine erkenne die Gebiete als kurzzeitig besetzt an. Und nun spreche man eben darüber, den Krieg beenden zu wollen und territoriale Fragen auf dem diplomatischen Weg zu klären. „Sonst verlieren viele Menschen ihr Leben“, so Selenskyj.

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Der Donbass, so Selenskyj, sei von Beginn an eines der Haupziele Russlands gewesen. „Nun verstehen sie, dass sie keine Kraft mehr haben, diese Gebiete vollständig zu erobern und bemühen sich, diese Frage anders zu beantworten.“ Wenn Russland wirklich an einer Beendigung des Krieges interessiert sei und nicht nur an Spielen mit den USA und den Europäern, „dann werden sie da stehen, wo sie stehen und wir können verhandeln“.

Selenskyj: Russische Desinformation muss bekämpft werden

Bereits vor dem Beginn der Friedensverhandlungen in Berlin hatte Selenskyj betont, dass ein Waffenstillstand entlang der aktuellen Frontlinie fair sei. Ein Abzug ukrainischer Truppen aus Regionen, die Russland noch nicht einmal erobert hat, sei indiskutabel.

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Selenskyj erzählte auch von seinem Besuch an der Front in der Stadt Kupjansk. Zuletzt hatte der Kreml ein Video veröffentlicht, in dem Russlands Oberbefehlshaber Sergey Kuzovlev Putin über die Eroberung der Stadt informiert. Selenskyj besuchte die Kleinstadt im Osten der Ukraine kurze Zeit später und machte bei Lanz deutlich: „Kupjansk ist unter unserer Kontrolle, natürlich gab es Gruppen, die in die Stadt eingedrungen sind, aber unsere Kämpfer leisten Widerstand. Wenn Putin über unsere Städte spricht, habe ich gleich das Gefühl, ich muss dahin fahren, um die Desinformation zu bekämpfen. Da sind die Russen die stärksten in Europa.“

Deutsche Soldaten im Ukraine-Krieg? Präsident kontert Lanz mit klarer Aussage

Hinsichtlich des möglichen Einsatzes deutscher Truppen in der Ukraine sagte Selenskyj: „Uns wird gesagt, dass wir Kompromisse eingehen müssen. Das möchten wir, dass es konstruktiv wird, diese Signale achten wir hoch. Wer kämpft an unserer Seite, wer? Bis jetzt niemand.“ Auf Lanzʼ Nachfrage, wie konkret diese Sicherheitsgarantien aussehen könnten und ob das im Zweifel hieße, dass Europäer in der Ukraine zum Einsatz kommen, konterte Selenskyj: „Wir haben nie darum gebeten, dass deutsche Soldaten für die Ukraine kämpfen. Diese Frage hatten wir nie gestellt.“

Das gesamte Interview mit Selenskyj wird im Rahmen der Sendung „Markus Lanz – Das Jahr 2025“ am Mittwochabend um 20.15 Uhr im ZDF ausgestrahlt.