Es sollte ein Abend der Freude werden. Hunderte Menschen hatten sich am Sonntagabend am Bondi Beach versammelt, um gemeinsam die erste Nacht von Chanukka zu feiern. Familien mit Kindern, Großeltern, junge Paare – sie alle kamen zusammen, um beim jüdischen Lichterfest an die Hoffnung in dunklen Zeiten zu erinnern. Niemand ahnte, dass diese Dunkelheit so plötzlich und brutal über sie hereinbrechen würde.

Schüsse im Menschenmenge am Bondi Beach: Ahmed el Ahmed stellt sich den Angreifern

Gegen Abend eröffneten zwei Bewaffnete das Feuer auf die Menschenmenge. Panik brach aus. Menschen warfen sich zu Boden, Kinder schrien, Eltern versuchten verzweifelt, ihre Familien in Sicherheit zu bringen. In diesen Momenten purer Angst, als die meisten nur noch an Flucht dachten, entschied sich Ahmed el Ahmed für das genaue Gegenteil.

Lesen Sie auch: Anschlag am Bondi Beach in Sydney: „Absolute Hölle auf Erden“

Der 43-jährige Vater von zwei Kindern aus dem Sutherland Shire im Süden Sydneys war an diesem Abend eigentlich nur zufällig in Bondi. Er betreibt ein Obstgeschäft und hat keinerlei Erfahrung mit Waffen oder Kampfsituationen, wie lokale australische Medien berichten. Doch als er sah, wie der Schütze in schwarzem Hemd und weißer Hose vom Parkplatz aus auf die wehrlosen Menschen feuerte, zögerte er nicht.

bondi
Ein Video zeigt, wie ein Passant einem der Angreifer am Bondi Beach die Waffe entreißt.© news.com.au | Screenshot

Dramatische Videoaufnahmen zeigen, was dann geschah: Ahmed, in einem hellblauen oder weißen Hemd, schleicht sich geduckt zwischen geparkten Autos hindurch. Er nutzt jede Deckung, kommt dem Schützen immer näher, während dieser weiter auf die Menge feuert. Dann, in einem Moment höchster Gefahr, springt Ahmed auf. Er wirft sich auf den bewaffneten Mann, umklammert ihn, ringt mit ihm. Sekunden, die sich wie Ewigkeiten anfühlen müssen.

Auch interessant

Held von Bondi: Familienvater entwaffnet Terroristen und verhindert weiteres Unheil

Der Schütze wehrt sich, hält die Waffe fest. Doch Ahmed gibt nicht auf. Er bringt den Terroristen aus dem Gleichgewicht, reißt ihm das Gewehr aus den Händen und stößt ihn zu Boden.

Was folgt, ist fast surreal: Ahmed richtet die Waffe auf den nun entwaffneten Schützen, der sich aufrappelt und zurückweicht. Der Familienvater aus der Vorstadt steht da, eine Waffe in den Händen, zwischen einem Terroristen und Hunderten unschuldigen Menschen. Dann lehnt er das Gewehr behutsam gegen einen Baum – die Gefahr durch diesen Schützen ist gebannt.

Doch der Alptraum war noch nicht vorbei. Ein zweiter Bewaffneter feuerte weiter von einer nahegelegenen Brücke. Und Ahmed, der gerade noch Leben gerettet hatte, wurde selbst zum Opfer: Zwei Kugeln trafen ihn, eine in den Oberarm, eine in die Hand.

Podcast "Meine schwerste Entscheidung"
#26 Karin Prien über ihre jüdischen Wurzeln - und die Gedanken an eine Flucht nach Israel
Meine schwerste Entscheidung
 

Terroranschlag in Australien: Angehörige hoffen auf Ahmeds Genesung

„Er ist im Krankenhaus, und wir wissen nicht genau, was drinnen vor sich geht“, sagte Ahmeds Cousin Mustafa dem australischen Sender Seven News, als er am Sonntagabend vor dem St. George Hospital auf Nachrichten wartete. „Wir hoffen, dass es ihm gut gehen wird. Er ist zu 100 Prozent ein Held.“

Die Bilanz des Terrors ist verheerend: 16 Menschen verloren ihr Leben, Dutzende wurden verletzt. Die Ermittler haben den Anschlag mittlerweile offiziell als Terrorakt eingestuft. Australiens Premierminister Anthony Albanese, der die Attacke als „bösartigen antisemitischen Akt“ bezeichnet hat, fand bei einer Pressekonferenz ebenfalls Anerkennung für Menschen wie Ahmed, die unter Lebensgefahr halfen: „Wir haben heute Australier gesehen, die der Gefahr entgegenliefen, um anderen zu helfen. Diese Australier sind Helden, und ihre Tapferkeit hat Leben gerettet.“

Mehr Politik-News

Auch Chris Minns, Premier von New South Wales, würdigte Ahmeds Mut: „Ich denke, es ist wichtig daran zu erinnern, dass es bei all diesem Bösen, bei all dieser Traurigkeit, immer noch wunderbare, mutige Australier gibt, die bereit sind, ihr Leben zu riskieren, um einem völlig Fremden zu helfen.“