Eigentlich hatten sie erst im Oktober ein Friedensabkommen unter Vermittlung von US-Präsident Donald Trump geschlossen – doch zwischen Thailand und Kambodscha eskalieren jetzt nur zwei Monate später die Spannungen in der Grenzregion. Am Montagmorgen flog das thailändische Militär Luftangriffe im Grenzgebiet, unter anderem in der Nähe des Hindu-Tempels Prasat Preah Vihear, der von beiden südostasiatischen Ländern beansprucht wird.
Der Beschuss aus der Luft sei erfolgt als Vergeltungsschlag auf Angriffe kambodschanischer Truppen mit Granaten und BM-21-Raketen im Grenzgebiet Chong An Ma am frühen Morgen, bei denen ein thailändischer Soldat getötet und vier verletzt worden sein, teilte Thailands Armeesprecher Winthai Suvaree mit. Kambodscha habe ihm zufolge zuerst militärische und zivile Ziele in Thailand mit Granaten und Raketen beschossen, mehrere weitere Soldaten seien verletzt worden. Er kündigte an, dass 385.000 Zivilisten aus den Grenzgebieten evakuiert werden sollen.
Kambodschas Verteidigungsministerium bezeichnete die Darstellung Thailands dagegen als „falsche Information“ und beschuldigte die Streitkräfte des Nachbarlandes, zuerst das Feuer im kambodschanischem Teil des umstrittenen Grenzgebiets eröffnet zu haben. Dabei hätten sie neben F16-Kampfjets auch Gas eingesetzt, sagte Ministeriumssprecher Maly Socheata. Um was es sich für ein Gas gehandelt haben soll, wurde nicht näher beschrieben. Kambodscha habe seinerseits „die größte Zurückhaltung gewahrt“ und das Feuer nicht erwidert, sagte der Sprecher. Auf beiden Seiten der Grenze flüchteten Anwohner Medienberichten zufolge aus ihren Wohngebieten.
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Die Eskalation kommt zu einem Zeitpunkt, der internationale Beachtung garantiert: In Thailand und Kambodscha hat gerade erst die beste Reisezeit begonnen, die generell bis März eher kühlere Trockenzeit sorgt für angenehme Temperaturen und wenig Regen. Das Auswärtige Amt in Berlin hat für Thailand und Kambodscha bereits eine Teilreisewarnung ausgesprochen: Gewarnt werden Touristen vor Reisen in das unmittelbare Grenzgebiet (10 Kilometer) zwischen beiden Ländern. Allerdings befinden sich die Hauptstadt Bangkok und insbesondere die Strandurlaubsgebiete wie Phuket Hunderte Kilometer von der Konfliktregion entfernt
Nachdem es im Juli 2025 im Grenzgebiet zu militärischen Gefechten mit Toten und Verletzten gekommen sei, könne ein Wiederaufflammen der militärischen Auseinandersetzungen nicht ausgeschlossen werden – betroffen waren die thailändischen Provinzen Surin, Si Sa Ket, Ubon Ratchathani und Trat sowie in Kambodscha Preah Vihear, Oddar Meanchey und Pursat, erläuterte das Auswärtige Amt. Reisende sollten Demonstrationen und größere Menschenansammlungen weiträumig meiden, den Anweisungen der Sicherheitskräfte unbedingt Folge leisten. Auch eine Registrierung auf der Krisenvorsorgeliste wird empfohlen.
Für das auch bei Urlaubern immer beliebtere Kambodscha sind die Warnungen noch deutlicher: „Machen Sie im gesamten Grenzgebiet zu Thailand keine Fotos, da Überreaktionen der Sicherheitskräfte nicht ausgeschlossen werden können“, so das Auswärtige Amt. Und: „Von Reisen in Provinzen an der Grenze zu Thailand wird abgeraten.“
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Erst im Juli hatte es schwere Gefechte zwischen Thailand und Kambodscha gegeben
Ende Oktober hatten die Nachbarländer nach schweren Kämpfen ihrer Streitkräfte im Grenzgebiet im Juli auf dem Gipfel der südostasiatischen Staatengemeinschaft Asean ein Friedensabkommen unterzeichnet. Vermittelt hatten dies US-Präsident Donald Trump und der malaysische Ministerpräsident Anwar Ibrahim. Doch bereits im November war die vereinbarte Waffenruhe von Thailand erst einmal ausgesetzt worden, nachdem laut Armee zwei thailändische Soldaten durch die Explosion einer Landmine nahe der Grenze verletzt worden waren.

Im Juli waren bei fünftägigen Gefechten mindestens 43 Menschen getötet und 300.000 weitere vertrieben worden. Die Gefechte markierten eine erneute Eskalation in dem seit Jahrzehnten andauernden Streit um die Grenzziehung im sogenannten Smaragd-Dreieck, wo die thailändische Provinz Surin und die kambodschanische Provinz Oddar Meanchey sowie Laos aneinander grenzen.
Schon seit Unabhängigkeit Kambodschas 1953 gibt es aufgrund einer unklaren Grenzziehung aus der Kolonialzeit einen Konflikt um die 800 Kilometer lange Grenze mit Thailand. Im Mittelpunkt steht dabei über die 1000 Jahre alte Tempel Prasat Preah Vihear, der seit 2008 Unesco-Weltkulturerbe ist. Die Anlage steht zwar offiziell auf kambodschanischem Territorium, wird jedoch auch von Thailand beansprucht. 2011 lieferten sich die Armeen beider Länder wochenlangen Artilleriebeschuss.
Mit Material von dpa und AFP




