Die Bundeswehr erhält ein neues Sturmgewehr: Auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr in Bayern gehen die ersten Modelle der neuen Standardwaffe G95 an Soldaten des Heeres. „Die Übergabe des G95 ist mehr als ein bloßer Meilenstein in der Modernisierung. Sie ist sichtbares Zeichen für den Fortschritt und die Einsatzbereitschaft unserer Streitkräfte“, sagte Generalleutnant Heico Hübner, Stellvertreter des Inspekteurs des Heeres, vor der am späten Nachmittag geplanten Zeremonie der Deutschen Presse-Agentur. 

Das G95 löst das G36 ab, beides Produkte der Waffenschmiede Heckler & Koch. Die Bundeswehr hatte in einem ersten Schritt knapp 120.000 Modelle unter Vertrag genommen. Wegen der veränderten Bedrohungslage soll die Bundeswehr aber um rund 80.000 Soldaten auf 260.000 Männer und Frauen wachsen – und die Zahl der Sturmgewehre gleich mit. 

G36G95
Einführungsjahr19972025
Kaliber5,56 × 45 mm NATO5,56 × 45 mm NATO
FunktionsprinzipGasdrucklader mit DrehkopfverschlussGasdrucklader mit Kurzhub-Gaskolben
Gewichtca. 3,6 kgca. 3,7 kg
Feuerrate750 Schuss/Minute850 Schuss/Minute
Magazinkapazität30 Schuss30 Schuss
Effektive Kampfentfernung300 Meter450 Meter
VisierZieloptiken separat von ReflexvisierKombivisier (Hauptkampf- und Reflexvisier vereint)
SchalldämpferNicht standardmäßigStandardmäßig
NATO-KompatibilitätBegrenzt, eigene MagazineVollständig kompatibel, Standard-Magazine
Präzision bei DauerfeuerProblematisch, besonders bei Hitze und KälteDeutlich verbessert, stabil unter extremer Belastung

Technische Angaben des Herstellers Heckler & Koch, bezogen auf die Standardvariante

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#9 Lars Klingbeil über seinen Soldatenvater und das Sterben im Krieg
Meine schwerste Entscheidung
 

Bundeswehr: Verteidigungsministerium bestellt offenbar 250.000 neue Sturmgewehre

Der Haushaltsausschuss des Bundestages billigte am Mittwoch eine Vorlage des Verteidigungsministeriums, mit der deutlich mehr Sturmgewehre bestellt werden. Nun sollen es dem Vernehmen nach 250.000 Stück werden. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur soll der Hersteller jährlich mindestens 20.000 Waffen liefern.

Die Bundeswehr soll bis zu 250.000 Stück des neuen Sturmgewehrs erhalten.
Die Bundeswehr soll bis zu 250.000 Stück des neuen Sturmgewehrs erhalten.© Daniel Karmann/dpa | Daniel Karmann

Mit der Entscheidung werde die Anzahl der beschafften Systeme deutlich erhöht, teilte das Verteidigungsministerium dazu mit. „Wir berücksichtigen damit den geplanten personellen Aufwuchs der Streitkräfte in den nächsten Jahren und können so die Truppe bedarfsgerecht, vollständig und zügig ausstatten.“

Als erster Verband des Heeres erhalte das Panzergrenadierbataillon 122 aus dem bayerischen Oberviechtach die neue Waffe. Zusätzlich würden passende Laserlichtmodule beschafft, die in Kombination mit Nachtsichtbrillen „eine präzise Nutzung bei Nacht oder schlechter Sicht“ möglich machten, so das Ministerium.

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G95 ist auch bei anderen Nationen im Einsatz 

Das Beschaffungsamt BAAINBw verspricht nach umfangreichen Tests und Erprobungen ein „leistungsfähiges neues Sturmgewehrsystem“. Die Koblenzer Behörde weist auch darauf hin, dass die Waffe bereits in anderen Nationen in ähnlichen Varianten im Einsatz sei, darunter bei engen Verbündeten wie Frankreich, Litauen und die Niederlande.

Die neue Standardwaffe der Bundeswehr wird wie ihr Vorgänger von Heckler & Koch produziert.
Die neue Standardwaffe der Bundeswehr wird wie ihr Vorgänger von Heckler & Koch produziert.© Daniel Karmann/dpa | Daniel Karmann

Das gilt in vergleichbarer Art auch für das Vorgängermodell G36, das als „Pannengewehr“ Schlagzeilen im Heimatland machte, in Streitkräften anderer Nationen aber nicht bemängelt wurde. Auch in Deutschland wird es bis heute von Soldaten geschätzt.

Um die Treffgenauigkeit des Sturmgewehrs G36 hatte es 2012 große Aufregung und politische Diskussionen gegeben. Amtlichen Untersuchungen zufolge traten Probleme nach zu langen Schussfolgen oder auch unter Hitzeeinwirkung als Folge thermischer Überlastung auf. Praxisbeispiele dafür gab es aus Afghanistan.

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„Pannengewehr“ G36 hat „keine Zukunft in der Bundeswehr“

Im Jahr 2015 dann eine Entscheidung: Die damalige Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) verkündete, „dass das G36, so wie es heute konstruiert ist, keine Zukunft in der Bundeswehr hat“. 

Bei Schusswaffen ergeben Materialmix, Gewicht, Lauflänge, Munition und Treffleistung ein komplexes Zusammenspiel. Das Material der Waffe wirkt sich dabei auch auf die thermische Belastbarkeit aus, wie die Waffe also auf Erhitzung reagiert. Das Kaliber der Munition bedingt die Durchschlagskraft, begrenzt aber gewichtsmäßig auch, wie viel Schuss mitgeführt, also notfalls auch als Gepäck getragen werden können.

Heckler & Koch wehrte sich öffentlich und juristisch gegen einen Imageschaden durch die Kritik und bekam vom Landgericht Koblenz bescheinigt, mit dem G36 von 1996 an geliefert zu haben, was die Bundeswehr bestellt hatte: ein Sturmgewehr nicht für die Bedingungen in Afghanistan und Mali, sondern zur Landesverteidigung im mitteleuropäischen Klima.

dpa/bee