Die Diskussion über den Umgang von Wirtschaftsverbänden mit der AfD hat besonders durch den Austritt großer Unternehmen wie Rossmann und Vorwerk aus dem Verband der Familienunternehmer Fahrt aufgenommen. Anlass war die Entscheidung der Präsidentin Marie-Christine Ostermann, die Brandmauer zur AfD infrage zu stellen und stattdessen eine inhaltliche Auseinandersetzung mit der Partei vorzuschlagen.
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Während Rossmann seinen Austritt als klaren Gegenpol zur neuen Haltung des Verbandes positionierte, hält Konkurrent dm an einem anderen Kurs fest: Nach einem Interview von dm-Chef Christoph Werner in der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ) sieht sich der Drogeriemarkt-Riese einer Welle heftiger Kritik ausgesetzt – besonders auf der Social-Media-Plattform Instagram. Viele Nutzer werfen dem Unternehmen vor, durch seine Haltung politische Positionen zu unterstützen, und rufen teils lautstark zum Boykott von dm auf. Viele kündigen an, ihre Einkäufe künftig beim Konkurrenten Rossmann zu tätigen.

„Was ist das für ein wischi waschi Statement?!“
Auch ein Statement von dm konnte die Kritik nicht beruhigen, da vielen Nutzern eine deutliche politische Abgrenzung fehlt. In den Kommentaren unter dem Post wird dm vorgeworfen, nicht klar Stellung zu beziehen und sich einer klaren Abgrenzung zu bestimmten Parteien zu verweigern. „DM wurde von vielen Kund:innen aufgrund der Haltung und Werte geliebt. Genau das jetzt nicht weiterhin zu leben, ist nicht nur menschlich enttäuschend, sondern auch wirtschaftlich absurd. Ein Schlag ins Gesicht eurer Zielgruppe“, schreibt eine Instagram-Nutzerin. Jemand anderes kommentiert: „Was ist das für ein wischi waschi Statement?! Peinlich!“
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Auslöser der Debatte waren Äußerungen von Werner über die Einladung von Parlamentariern aller Parteien im Bundestag zu einem parlamentarischen Abend. Laut Werner sei es „grundsätzlich statthaft“, Abgeordnete aller demokratisch gewählten Parteien zu solchen Veranstaltungen einzuladen. Er betonte, politische Verantwortungsträger sollten sich „in der Tiefe mit den Anliegen der Bürgerinnen und Bürger beschäftigen und Lösungen anbieten, die überzeugen und wirksam sind“, statt sich mit gegenseitigen Schuldzuweisungen aufzuhalten.
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dm-Chef Werner äußert sich zur Kritik
In einer Reaktion auf die weiterhin starke Kritik äußerte sich Werner erneut in der „SZ“ und stellte klar: „Seit der Veröffentlichung erreichen uns teilweise sehr empörte Zuschriften, die uns unter Verdrehung der Tatsachen unterstellen, mit einer bestimmten Partei zu sympathisieren.“

Werner verteidigte die Haltung des Unternehmens: „dm lehnt eine polarisierende Brandmauer-Debatte ebenso entschieden ab wie Positionen der Partei AfD, welche die freiheitlich-demokratische Grundordnung infrage stellen.“ Ihm und der Drogeriemarktkette sei eine lebendige Demokratie „ein Anliegen“. Eine Diabolisierung hält er für wenig hilfreich. „Das führt lediglich dazu, die gesellschaftliche Lage in Deutschland zu verharmlosen und die Debatte weiter zu polarisieren“, wird er zitiert. Seiner Ansicht nach müsse politische Auseinandersetzung vielmehr „differenziert über Inhalte“ geführt werden, und nicht geprägt durch „Ausgrenzung und Diffamierung“. Mit Nachdruck bekräftigt Werner gegenüber der „SZ“: „Dafür setzen wir uns ein – auch wenn manche uns dafür kritisieren.“
Er stellt klar, dass sein Unternehmen bereits lange bevor die aktuelle Debatte um mögliche Annäherungen an die AfD öffentlich wurde aus dem betreffenden Verband ausgetreten sei. Die Frage, wie der Verband mit einzelnen politischen Parteien umgehe, liege nicht mehr in seiner Verantwortung. Werner betonte gegenüber der Tageszeitung: „Wir haben unseren Austritt bereits vor vielen Monaten erklärt und sind daher nicht mehr Teil der internen Meinungsbildung.“ Die offizielle Bekanntgabe des Austritts war ursprünglich erst zum Jahresende vorgesehen. dm wollte vermeiden, dass der Schritt als Reaktion auf die Diskussion um den Verband und dessen Umgang mit der AfD gedeutet wird.





