Der Verfassungsschutz widmet der „Hammerbande“ in seinem Bericht einen eigenen Abschnitt und die US-Regierung führt die auch „Antifa-Ost“ genannte Gruppe als „ausländische Terrororganisation“: Ihre Mitglieder sollen gezielt Personen aus der rechten Szene brutal angegriffen und teils schwer verletzt haben – oft mit einem Hammer als Tatwerkzeug. Seit Dienstag stehen sieben mutmaßliche Linksextremisten deswegen in Dresden vor Gericht.

Wer ist die „Hammerbande“?

Der Prozess vor dem Oberlandesgericht Dresden richtet sich gegen sechs Männer und eine Frau, denen die Mitgliedschaft beziehungsweise Unterstützung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen wird. Die Gruppe hat sich nach Erkenntnissen der Generalbundesanwaltschaft Ende 2017 oder Anfang 2018 im Raum Leipzig zusammengefunden. Die Mitglieder teilen demnach eine militante linksextremistische Ideologie und schrecken vor schweren Gewalttaten nicht zurück. So schlugen die mutmaßlichen Täter in manchen Fällen mit Hämmern auf die Köpfe ihrer Opfer ein.

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Im Verfassungsschutzbericht wird die Gruppe als linksextremistisches Netzwerk „Antifa-Ost“ bezeichnet. In Anlehnung an ihr bevorzugtes Tatmittel sei die eher als Netzwerk charakterisierte Vereinigung als „Hammerbande“ bekannt. Der Verfassungsschutz rechnet ihr Angehörige „im niedrigen zweistelligen Bereich“ zu.

Auf dem Dachboden eines Hauses im Leipziger Szenestadtteil Connewitz entdeckten Ermittler 2021 in einem mutmaßlichen Versteck der Gruppe neben Sturmhauben, Pfefferspray und Schlagstöcken sowie Mobiltelefonen und SIM-Karten laut „Spiegel“ drei Gummihämmer, sieben Kfz-Notfallhämmer, vier Schlosserhämmer, vier Zimmermannshämmer und einen Fäustel. Die Ermittler werfen der Gruppe vor, gezielte Blitzangriffe auf ihre Gegner trainiert zu haben.

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Wer ist der Anführer Johann G.?

Zu den in Dresden Angeklagten gehört der 32-jährige Johann G., dem die Ermittler eine „herausgehobene Stellung“ in der Gruppe zuschreiben. Im Verfassungsschutzbericht wird er als mutmaßlicher Rädelsführer des Netzwerks bezeichnet. G. soll an einer Reihe von Taten beteiligt gewesen sein, darunter 2023 in Budapest an gewalttätigen Attacken auf Angehörige der rechtsextremen Szene. In der ungarischen Hauptstadt verherrlichen am „Tag der Ehre“ alljährlich Rechtsextremisten aus ganz Europa den Nationalsozialismus.

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G. war zwischenzeitlich untergetaucht und hielt sich wohl unter anderem in Thailand auf. Nach dem durchtrainierten Mann mit roten Haaren wurde mit der Veröffentlichung von Fotos in der Fernsehsendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ gesucht. Zeitweise war G. mit Lina E. zusammen, eine weitere Führungsperson der „Hammerbande“, sie wurde bereits 2023 in einem früheren Prozess in Dresden wegen mehrerer Angriffe auf tatsächliche oder vermeintliche Rechtsextremisten zu mehr als fünf Jahren Gefängnis verurteilt.

G. ging Zielfahndern im vergangenen Jahr ins Netz, sie fassten ihn in einem im Regionalzug von Erfurt nach Gera. Ein bisheriges Erkennungsmerkmal hat G. entfernen lassen: ein Tattoo auf seinen Händen mit dem Schriftzug „Hate Cops“ („Hass auf Bullen“). Dafür hat er sich auf der Brust zwei gekreuzte Hämmer und die Buchstaben „HB“ stechen lassen. Das soll für „Hammerbande“ stehen vermuten die Ermittler.

Johann G. - Hammerbande
Die frühere Tätowierung mit dem Schriftzug „Hate Cops“ von Johann G. © BKA | BKA

Welche Taten werden der „Hammerbande“ vorgeworfen?

Die Gruppe soll für die Angriffe in Budapest sowie zuvor für eine Serie von Attacken in Deutschland verantwortlich sein, die 2018 mit einem Angriff auf einen früheren NPD-Stadtrat in Leipzig begann. Die Täter brechen dem Mann das Knie. Im folgenden Jahr wird ein Kanalarbeiter in Leipzig attackiert, der eine Mütze eines rechten Szenelabels trägt. Die Angreifer brechen ihm Knochen im Gesicht. Zwei Attacken richten sich gegen einen bekannten Neonazi aus Thüringen.

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In Erfurt soll die Gruppe zwei Rechtsextreme überfallen haben, einer der Männer erleidet einen Schädelbasisbruch. Im Februar 2020 greifen Vermummte auf dem Bahnhof Wurzen eine Gruppe von Neonazis an, mehrere Opfer erleiden lebensgefährliche Verletzungen. Hinzu kommen weitere Taten, darunter Angriffe auf Läden des rechten Modelabels „Thor Steinar“, die der Gruppe zugeschrieben werden. In dem Dresdner Prozess geht es unter anderem um Straftaten wie gefährliche Körperverletzung und versuchter Mord.

Wie gefährlich ist die Gruppe noch?

Mit der Verhaftung von Rädelsführer G. schätzt der Verfassungsschutz das Potenzial des Netzwerks für weitere schwere Gewalttaten als „deutlich geschwächt“ ein. „Dennoch sind den verbliebenen Akteuren oder Nachahmern solche Taten weiterhin zuzutrauen.“ Die kürzliche Einstufung der Gruppe als „ausländische Terrororganisation“ durch die USA kam für deutsche Behörden dennoch überraschend. Hintergrund dürften eher ideologische Beweggründe der US-Regierung sein.

Wie groß ist die Gefahr durch Linksextremisten in Deutschland?

Der Verfassungsschutz zählt in seinem jüngsten Bericht 38.000 Personen zum linksextremistischen Spektrum, darunter seien 11.200 gewaltorientierte Linksextremisten. Die Zahl linksextremistisch motivierter Straftaten stieg demnach im vergangenen Jahr um fast 40 Prozent auf rund 5.850 Delikte an. Zum Vergleich: In der rechtsextremistischen Szene verorten die Verfassungsschützer 50.250 Personen, darunter 15.300 gewaltorientierte Rechtsextremisten. Die Zahl rechtsextremistischer Straf- und Gewalttaten stieg 2024 um fast die Hälfte auf 37.835 an.