Zusammenfassung

  • Der Krieg in der Ukraine zeigt sein hässliches Gesicht
  • In den Lazaretten an der Front grassiert eine tödliche Seuche
  • Die Soldaten leiden – und können oft nur unzulänglich behandelt werden

An der ukrainischen Front geht aktuell eine Krankheit um, die lange als besiegt galt: Gasbrand. Der gefürchtete Erreger, der schon im Ersten Weltkrieg ganze Einheiten dahinraffte, grassiert unter den Soldaten.

Wie der britische „Telegraph“ berichtet, wurden in den vergangenen Monaten vermehrt Fälle der bakteriellen Infektion bei verwundeten Soldaten gemeldet. Ukrainische Militärärzte schlagen Alarm. „Wir sehen Verletzungskomplikationen, die noch nie ein lebender Mensch in Kriegszeiten gesehen hat“, zitiert die Zeitung einen freiwilligen Sanitäter, der in der Region Saporischschja arbeitet.

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Notdürftig ausgestattet und nicht steril: Hilfe für Verwundete kommt oft zu spät

Wegen der ständigen Bedrohung aus der Luft können Verwundete oft tagelang, manchmal sogar wochenlang, nicht aus den Kampfgebieten gebracht werden. Russische Drohnen greifen gezielt Rettungskräfte und Versorgungskonvois.  „Wir haben nicht genügend Feldsanitäter. Die wenigen, die wir haben, können ihre Positionen nicht wechseln, um zu helfen. Sie werden sofort beschossen“, berichtet Oleksiy, ein Kampfmediziner und ein Freiwilliger, unserer Redaktion.

Die medizinische Versorgung findet deshalb größtenteils unterirdisch in improvisierten, notdürftig ausgestatteten Bunkern oder Kellern, ohne sterile Bedingungen statt. In diesen „Stabilisierungszentren“ versuchen Sanitäter, Verwundete so lange wie möglich am Leben zu halten, bis sie transportiert werden können. Doch oft ist es dann zu spät. Gerade bei Gasbrand sei das Gewebe dann bereits abgestorben und die Infektion breite sich unaufhaltsam aus.

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Weltkriegs-Seuche: Ein tödlicher Keim aus dem Boden bedroht ukrainische Soldaten

Gasbrand wird durch das Bakterium Clostridium perfringens verursacht, das in Erde, Staub und Fäkalien vorkommt. Gelangt es über verschmutzte Wunden in den Körper, frisst es sich durch das Gewebe. Unter der Haut bilden sich Gasblasen, die bei Berührung ein knisterndes Geräusch erzeugen. Ohne sofortige Behandlung droht der Tod. Die Sterblichkeit liegt unbehandelt bei fast 100 Prozent.

Im Ersten Weltkrieg war Gasbrand eine der gefürchtetsten Erkrankungen. Schätzungen zufolge starben über 100.000 deutsche Soldaten daran. In Friedenszeiten gilt die Infektion dagegen als extrem selten. In Deutschland werden jährlich nur etwa 100 Fälle registriert. Doch die Kriegsbedingungen in der Ukraine ähneln jenen von damals: tiefe Schuss- und Splitterwunden, Schlamm, mangelnde Hygiene und lange Wartezeiten auf Behandlung.

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Wie Lindsey Edwards, Dozentin für Mikrobiologie am King‘s College London dem „Telegraph“ sagte, müsse das abgestorbene Gewebe während einer Operation vollständig entfernt werden. Zusätzlich seien hohe Dosen von intravenösem Antibiotika nötig. Doch genau dort liegt das nächste Problem.

Breitbandantibiotika führt vermehrt zu antimikrobiellen Resistenzen

Der gezielte Einsatz von Antibiotika ist in der Ukraine derzeit kaum möglich. Statt gezielter Behandlungen sind Sanitäter häufig auf Breitbandantibiotika angewiesen, die gegen mehrere Erreger wirken, aber langfristig ihre Wirksamkeit verlieren. Dadurch nimmt die antimikrobielle Resistenz (AMR) im Land weiter zu. „Wenn man einen Stamm hat, der gegen Antibiotika resistent ist, wird die Behandlung deutlich komplizierter“, erklärt Edwards gegenüber dem „Telegraph“.

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Sanitäter berichten, dass selbst schwere Amputationen oder frühzeitige Operationen nicht mehr ausreichen, um Leben zu retten. Viele Soldaten sterben an Infektionen, die unter normalen Umständen überlebt werden könnten.