Wer elektrisch fährt, kennt das: Nach einigen Hundert Kilometern ist Schluss – und die Suche nach einer freien Ladesäule beginnt. Auf der A6 bei Amberg in Bayern könnte sich das bald ändern. Dort lädt ein E-Auto, während es fährt. Kein Stopp, kein Stecker, kein Kabel. Unter dem Asphalt liegt ein unsichtbares Netz, das Strom überträgt, sobald ein geeignetes Fahrzeug darüberrollt.
Die Teststrecke ist Teil des Projekts E|MPOWER, das vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert und von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) geleitet wird. Ziel ist es, zu testen, ob Elektrofahrzeuge künftig während der Fahrt laden können – und damit Reichweitenprobleme und lange Ladepausen der Vergangenheit angehören.
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E-Auto laden beim Fahren: Wie die Technik funktioniert
In die Fahrbahn sind Kupferspulen eingelassen, die ein Magnetfeld erzeugen, sobald ein entsprechend ausgerüstetes Fahrzeug darüber fährt. Eine Gegenspule im Wagen nimmt die Energie auf und leitet sie direkt an die Batterie weiter. Das Prinzip ähnelt dem kabellosen Laden von Smartphones – nur in deutlich größerem Maßstab.

Die Technik stammt von dem Unternehmen Electreon Deutschland, das sich auf induktives Laden spezialisiert hat. Die Spulen liegen etwa zwölf Zentimeter tief im Asphalt, geschützt vor Witterung und Verschleiß. Jede Einheit kann rund 25 Kilowatt Leistung übertragen – genug, um den Energiebedarf eines Fahrzeugs während der Fahrt deutlich zu verringern.
Die Teststrecke zwischen Sulzbach-Rosenberg und Amberg-West ist rund einen Kilometer lang und voll befahrbar. Für den normalen Verkehr bleibt die Technik jedoch ausgeschaltet. Nur autorisierte Testfahrzeuge mit der passenden Empfangsspule im Unterboden können dort tatsächlich laden. So lässt sich im laufenden Verkehr prüfen, wie zuverlässig die Technologie funktioniert – ohne Risiken für andere Fahrerinnen und Fahrer.
Induktives Laden: E-Autos könnten günstiger werden
Der Ansatz könnte auch Auswirkungen auf E-Autos selbst haben. Denn sie würden dann kleinere Batterien benötigen. Diese würden nicht nur die Preise für Elektroautos senken, sondern auch die Umweltbilanz verbessern – weil weniger Lithium und Kobalt benötigt wird. Zudem müssten Fahrzeuge künftig seltener anhalten, um zu laden. Besonders im Güterverkehr wäre das ein großer Vorteil, denn jeder Stopp kostet Zeit und Geld.
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Auch für den Straßenbau bietet das System neue Möglichkeiten: Die Spulen können einzeln aktiviert werden, sodass nur registrierte Fahrzeuge Energie erhalten. Für alle anderen bleibt die Strecke passiv. Der Energiefluss ließe sich dann über eine digitale Plattform steuern, Ladezeiten und Strommengen könnten sich automatisch an den Bedarf anpassen. So soll die Energie effizient genutzt werden.
Am Projekt beteiligen sich mehrere Partner: Neben der FAU und Electreon Deutschland sind auch VIA IMC, EUROVIA, die Technische Hochschule Nürnberg und Risomat beteiligt. Unterstützt wird das Ganze von der Autobahn GmbH des Bundes. Wenn die Tests erfolgreich verlaufen, könnten weitere Autobahnabschnitte mit der Technologie ausgestattet werden – später vielleicht auch Stadtstraßen oder Buslinien.



