Das überraschende Wahlergebnis in Argentinien muss man als eine Wette auf die Zukunft lesen. Die Menschen in dem südamerikanischen Krisenstaat hoffen darauf, dass die von der ultrarechten und neoliberalen Regierung versprochenen Verbesserungen ihrer Lebensbedingungen auch wirklich kommen. Bisher haben sie nur die Schattenseiten dieses monumentalen Reformprogramms mit der Kettensäge zu spüren bekommen.
Seit nahezu zwei Jahren hat Staatschef Javier Milei die argentinische Wirtschaft im Wesentlichen zu Kleinholz verarbeitet. Er hat Arbeitsplätze vernichtet, Subventionen kassiert, Preise freigegeben. Die Medizin war bisher bitter, aber die Gesundung ist noch nicht eingetreten.
Dass die Menschen ihn trotz einer Verschlechterung der Lebensbedingungen mit einem stärkeren Mandat ausstatten, wirkt auf den ersten Blick schwer verständlich. Doch die Angst vor dem Alten in Gestalt der peronistischen Opposition ist offenbar größer als die Furcht vor dem Neuen – einem unberechenbaren Staatschef.
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Die Argentinierinnen und Argentinier begeben sich zwei weitere Jahr in die Hand eines radikalen Reformers, der wiederum sein Wohl und Wehe an die USA und Donald Trump gehängt hat. Denn ohne dessen 40-Milliarden-Dollar-Rettungsweste wäre Argentinien auch mit Radikalreformer Milei in den tiefen Strudeln des wirtschaftlichen Kollapses versunken.
Das Milei-Modell ist sozial und wirtschaftlich langfristig unhaltbar und unsozial
Es steht in den kommenden zwei Jahren viel auf dem Spiel. Für den Präsidenten, für die Bevölkerung und für die Stabilität des südamerikanischen Landes. Denn eines ist sicher. Die Proteste gegen den Kettensägenmann werden zunehmen – bei den Arbeitslosen, den Rentnern, den Marginalisierten und auch den Kleinunternehmern, bei denen die Reformen bisher nur Verschlechterung brachten.

Das Milei-Modell ist sozial und wirtschaftlich langfristig unhaltbar und unsozial. Es ist ein explosiver Cocktail. Der Präsident kommt nicht umhin, nach den Wahlen umzusteuern, verbal abzurüsten und in der Konsenssuche aufzurüsten. Aber ob er das kann, ist zweifelhaft.
Bisher trat Milei eher als Hassprediger auf denn als Versöhner. In seiner ersten Rede vor seinen Anhängern war er zwar bemerkenswert zahm und lud andere Oppositionsbündnisse dazu ein, sich seinem Projekt anzuschließen, aber er machte keine Anstalten von Zugeständnissen bei der Radikalität seines Wirtschaftskurses. Es wird turbulent werden in Argentinien.


