Frühmorgens an einer Tankstelle in Moskau. Alles ist wie immer, Benzin gibt es reichlich, Diesel auch. Keine Schlangen an den Zapfsäulen. Und im Shop kann man Snacks und Süßigkeiten kaufen. Eigentlich ist alles wie an einer normalen deutschen Tankstelle. Benzin allerdings wird teurer, das spüren die Menschen in Russlands Hauptstadt. „Nach meinem Eindruck hat sich der Benzinpreis in Moskau nach oben entwickelt“, sagt ein Autofahrer unserer Redaktion. „Wir hatten in den letzten Monaten einen Anstieg von sechs bis sieben Prozent.“ Das läge durchaus im Rahmen der Inflation, berichtet er. Die Preise steigen rasant, dies weiß die ‚Moskauer Kraftstoffvereinigung‘. Benzin kostet jetzt im Durchschnitt 60,4 Rubel pro Liter, Super 66,65 Rubel. Verglichen mit Deutschland ist Tanken in Russland aber nach wie vor ein preiswertes Vergnügen. Umgerechnet 70 Cent bezahlt man jetzt für einen Liter Superbenzin, für deutsche Verhältnisse ein Traumpreis.
Doch außerhalb Moskaus, in anderen Regionen Russlands, ist auch Benzinmangel spürbar. Bilder von langen Autoschlangen vor russischen Tankstellen kursieren im Netz. Auf der annektierten Halbinsel Krim zum Beispiel blieben viele Tankstellen geschlossen. Der Verkauf von Benzinmengen über 30 Liter war zeitweise verboten. Ende September sah sich Gouverneur Sergej Aksjonow gezwungen, per Videobotschaft die Krim-Bewohner zu beruhigen. In ein, zwei Wochen würde sich die Lage entspannen, versprach er.
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Ukrainische Drohnenangriffe beschädigen wichtige Öl-Infrastruktur Russlands
Benzinmangel in einem Land, in dem die Ölquellen sprudeln. Woran liegt das? Der naheliegende, aber nicht der einzige Grund: ukrainische Drohnenangriffe auf die ölverarbeitende Industrie Russlands. Im europäischen Teil des Landes wurden in den vergangenen Wochen Dutzende Raffinerien angegriffen, teils müssen sie monatelang den Betrieb einstellen.Drohnenangriffe gab es auch in der Nacht zum Dienstag. 55 Flugkörper wurden abgefangen, so das russische Verteidigungsministerium. Zwei davon über der Halbinsel Krim.
Große Raffinerien in Saratow, Samara und in anderen Regionen wurden in der Vergangenheit schwer beschädigt, sie haben ihre Benzin- und Dieselproduktion um 17 Prozent reduziert. In der Folge stiegen die Großhandelspreise an der Börse. Auch Pipelines und Ölpumpstationen werden angegriffen, zuletzt in der Wolga-Region Tschuwaschien, rund 1200 Kilometer von der Ukraine entfernt. Die Anlage habe den Betrieb nach dem Angriff gestoppt, teilte Gouverneur Oleg Nikolajew auf Telegram mit.

Der Stillstand russischer Raffinerien hat historischen Höchstand erreicht
Laut Zahlen der Consultingagentur „Siala“ hat der Stillstand von Raffinerien in Russland Ende September einen historischen Höchststand erreicht. 38 Prozent aller Anlagen würden nicht arbeiten. Rund 70 Prozent seien durch ukrainische Drohnenangriffe ausgeschaltet worden sein. Sollten Tomahawk-Marschflugkörper mit großer Reichweite an die Ukraine geliefert werden, könnte sich die Lage noch verschärfen. Doch die kommen zunächst nicht.
Die Reparatur der beschädigten Anlagen kostet viel Geld, meint Igor Juschkow, Analyst beim „Nationalen Fonds für Energiesicherheit“ gegenüber der Zeitung „Nowaja Iswestzija“. Woher das Geld nehmen? Vom heimischen Markt, meint der Experte. Auf Erlöse durch Exporte kann man nicht setzen, gerade hat Russlands Vizeregierungschef Alexander Nowak das bestehende Exportverbot für Benzin und Diesel bis Jahresende verlängert. Der Grund: Treibstoffmangel im Land selbst.
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Die Drohnenangriffe sind nicht Russlands einziges Problem
Nicht nur Drohnenangriffe, auch technische Probleme bremsen die Benzinproduktion. Vor kurzem brannte eine Raffinerie in der Großstadt Jaroslawl, 300 Kilometer nordöstlich von Moskau. Das Feuer sei nicht durch Drohnenangriffe verursacht worden, betonte Gouverneur Michail Jewrajew auf Telegram. „Eine Drohnenattacke wurde heute nicht festgestellt.“ Die Raffinerie ist mit einer Verarbeitungskapazität von 15 Millionen Tonnen Rohöl pro Jahr eine der größten in Russland und die größte im Norden des europäischen Landesteils. Sollte die Anlage länger ausfallen, wird sich der Engpass bei der Benzinversorgung in Russland weiter verschärfen.
Ein weiterer Grund dafür, dass gerade in der russischen Provinz viele Tankstellen geschlossen sind, liegt an der Deckelung des Benzinpreises. Der ist an den Verbraucherpreisindex gekoppelt. Doch dieser berücksichtige viele Kosten der russischen Ölindustrie nicht, weder Kreditkosten noch die Kosten für die Modernisierung von Ausrüstung sowie die steigenden Transport- und Arbeitskosten, bemängelt die ‚Russische Brennstoffunion“, die aus rund 30 Verbänden und Unternehmen besteht.
Den russischen Bürgern wird es zu teuer– Benzin ist nur noch etwas für Reiche
„Der gesamte Einzelhandelssektor, einschließlich der Ölkonzerne und unabhängigen Einzelhändler, arbeitet derzeit mit negativen Margen“, sagt der Experte Jewgeni Arkuscha der Zeitung „Nowaja Iswestzija“. Sprich: Der Benzinpreis müsste noch stärker steigen, damit sich das Geschäft an der Tankstelle wieder lohnt. Höhere Benzinpreise? Immer mehr Autofahrer in Russland weichen aus, steigen um auf billiges Gas. Längst schon ist Benzin nur etwas für Reiche, meinen viele.
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Zum Beispiel Marija. Sie lebt in Samara an der Wolga. Auch dort sind die Benzinpreise gestiegen. „Ich habe mir gerade ein neues Auto gekauft“, erzählt sie unserer Redaktion. „Und dazu einen Umrüstsatz auf Autogas. Eine Spezialwerkstatt hat diesen dann eingebaut. Jetzt fahre ich billiger und auch umweltfreundlicher. Die Abgase sind weniger schädlich. Aber die Hauptsache ist die finanzielle Ersparnis. Viele sind jetzt auf Gas umgestiegen.“







![DIESES FOTO WIRD VON DER RUSSISCHEN STAATSAGENTUR TASS ZUR VERFÜGUNG GESTELLT. [RUSSIA, LUGANSK PEOPLE'S REPUBLIC - JULY 29, 2026: A serviceman from the military commandants office of the Lugansk People's Republic performs an air defence duty to protect the airspace of the Lugansk People's Republic. Alexander Reka/TASS] Air defence in Lugansk People's Republic, Russia](https://img.sparknews.funkemedien.de/412741926/412741926_1785999935_v16_9_1200.jpeg)



