„Herbst der Reformen“ am Morgen im Bundestag bei der Generaldebatte und am Abend beim Medien-Q der FUNKE Mediengruppe das vertrauliche Gespräch – abseits der Schlagzeilen: Doch nicht nur anstehende wichtige Entscheidungen der Koalition, sondern auch die allgemeine politische Großwetterlage waren am Mittwoch Gesprächsthemen bei dem Zusammentreffen wichtiger Entscheider aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Medien in Berlin-Mitte.
Zur achten Ausgabe der Veranstaltung kamen zahlreiche Kabinettsmitglieder, darunter Forschung- und Technologieministerin Dorothee Bär (CSU), Digitalminister Karsten Wildberger (CDU), Landwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU), Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) sowie Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan, Justizministerin Stephanie Hubig und Umweltminister Carsten Schneider (alle SPD). Zu den Gästen zählten darüber hinaus Bundestags-Vizepräsident Omid Nouripour (Grüne), der Vorsitzende des Europaausschusses im Bundestag, Anton Hofreiter (Grüne), der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Armin Laschet (CDU), und der Linken-Politiker Dietmar Bartsch. Auch Verdi-Chef Frank Werneke gab sich die Ehre, ebenso wie der israelische Botschafter Ron Prosor, der mit seiner Ehefrau Hadas kam, und zahlreiche Chefredakteure der FUNKE-Zeitungen.
8. Medien-Q im Clärchens Ballhaus: Die schönsten Eindrücke
Chefredakteur Jörg Quoos: Warum er „echt stolz“ ist
Insgesamt folgten rund 200 Gäste der Einladung ins Clärchens Ballhaus. Ein Ort, der selbst übrigens ein altehrwürdiges Stück Geschichte ist. Seit seiner Eröffnung im Jahr 1913 überstand der Tanzsaal zwei Weltkriege, fünf politische Systeme und sechs Währungsreformen. Der von Kanzler Friedrich Merz (CDU) schon mehrfach angekündigte Reform-Herbst mit wichtigen Entscheidungen zum Beispiel zum Bürgergeld, aber auch zu Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung dürfte historisch gesehen eine eher kleinere Herausforderung sein, aber dennoch eine zukunftsweisende.

Jörg Quoos, der Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion, wies in seiner Eröffnungsrede zunächst auf ein wichtiges Jubiläum hin: Die FUNKE Zentralredaktion, die die Zeitungen und Online-Portale der Mediengruppe, täglich mit überregionalen Informationen versorgt, feiert in diesem Jahr Zehnjähriges. Er sei vor zehn Jahren gespannt gewesen, ob es gelingen würde, FUNKE als neue Informationsquelle zu etablieren. Aber das sei geglückt. „Wir haben bis heute rund 14.000 Vorabmeldungen mit exklusiven Informationen an die Agenturen geschickt und mussten keine einzige davon zurückziehen“, sagte Quoos. Auf diese Qualität sei er „echt stolz“.
Vor Gästen wie dem Maritimen Beauftragten der Bundesregierung, Christoph Ploß (CDU), Bundesärztekammer-Präsident Klaus Reinhardt, Moderator Cherno Jobatey und dem deutsch-ungarischen Musikproduzenten Leslie Mandoki betonte Quoos, man werde „weiter Vollgas geben“. Journalisten würden gebraucht, „weil in diesem Saustall an Hatespeech und Fakenews echte Profis aufräumen“ müssten. „Wir tun das kompromisslos, immer öfter auch mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI), aber mit Herz und Verstand“, sagte der Gründungschefredakteur der Zentralredaktion weiter.

„Hier kommen wir Medien ins Spiel“: Funke-Verlegerin über die Rolle der Journalisten
FUNKE-Verlegerin Julia Becker unterstrich in ihrer Begrüßungsrede zunächst ihre eigene Verantwortung. Ihr gehe es darum, ihr Medienunternehmen sicher in die Zukunft zu führen. „Wir reden nicht nur, sondern tun es auch“, erklärte Becker. „Wir haben in den vergangenen Jahren über eine Milliarde Euro in verschiedene Medienmarken investiert. Darüber bin ich verdammt stolz“, sagte sie weiter. Im Kern gehe es ihrer Familie um eine Überzeugung und die sei, dass die Demokratie jeden Tag verteidigt werden müsse.

Danach nahm sie auch auf die Pläne der Koalition direkten Bezug. „Wir alle wissen: Unser Problem ist nicht der Mangel an Ankündigungen, sondern der Mangel an Umsetzung“, mahnte Becker. Und erklärte kurz darauf, dass sich Deutschland in einem Netz aus Verfahren, Regeln und Widersprüchen verfangen habe. Was dabei oft fehle, sei die Ehrlichkeit im Umgang mit den Bürgerinnen und Bürgern. „Hier kommen wir Medien ins Spiel. Journalismus ist die Instanz, die Ankündigungen mit Wirklichkeit konfrontiert. Ohne Journalismus bleibt Politik ein Ritual aus Pressekonferenzen und leider auch TikTok-Reels“, betonte die Aufsichtsratsvorsitzende der FUNKE Mediengruppe. Neben Becker waren auch die weiteren FUNKE-Gesellschafter Nora Marx und Niklas Jakob Wilcke beim Medien-Q dabei.
Becker nahm in ihrer Rede auch Bezug auf KI, eine vergleichsweise neue Herausforderung für die Verlage. Journalisten, Wissenschaftler oder auch Schriftsteller würden Inhalte liefern, die Plattformen und KI-Systeme antrieben. Dabei drohe aber Europa, auf die Rolle des Zulieferers reduziert zu werden. „Unsere Journalistinnen und Journalisten liefern erstklassige Arbeit – und die Tech-Giganten scrapen diese dann und machen Gewinne – auf unsere Kosten“, so Becker mit Blick auf das mitunter automatische Extrahieren von Daten und Informationen seitens Google & Co.

Die FUNKE-Verlegerin nannte die Entwicklung „nicht nur ökonomisch gefährlich, sondern kulturell und politisch“. Es gehe dabei nicht nur ums Urheberrecht, sondern um Gerechtigkeit. „Wer Inhalte schafft, muss an den Gewinnen beteiligt werden. Wer die Grundlage für neue Technologien liefert, darf nicht ausgeschlossen werden“, forderte Becker und betonte gleichzeitig, dass der „Herbst der Entscheidungen“ auch eine Entscheidung für unabhängigen, starken Journalismus mit einschließe. Denn ohne Journalismus drohe ansonsten ein „Winter des Schweigens“.
Wenig schweigsam ging es an diesem Abend allerdings weiter. Noch bis in den späten Abend hinein wurde diskutiert. Nicht nur Rolle und Zukunft des Journalismus boten dafür sicherlich noch genügend Gesprächsstoff.
























