US-Präsident Donald Trump hat sich für den Einsatz der Nationalgarde gegen angeblich ausufernde Kriminalität ein neues Ziel ausgesucht: das auch als Heimatstadt des Rock ’n’ Roll und Blues bekannte Memphis. Dort will Trump neben den Soldaten auch FBI-Mitarbeiter und Drogenfahnder einsetzen. Auf Bitten des republikanischen Gouverneurs Bill Lee solle eine entsprechende Taskforce entsandt werden, sagte Trump bei der Unterzeichnung eines entsprechenden Memorandums am Montag.

Die Gruppe solle nach dem Vorbild des Einsatzes in der Hauptstadt Washington vorgehen. Ein genaues Startdatum wurde im Memorandum nicht erwähnt. Memphis im US-Bundesstaat Tennessee ist die dritte demokratisch regierte Stadt, in die der Präsident Nationalgardisten entsendet – nach Los Angeles (Kalifornien) und Washington.

Der Bürgermeister von Memphis, Paul Young, lehnt den Einsatz ab. Trump drohte erneut damit, Nationalgarde auch in Chicago einzusetzen. Chicago und der Bundesstaat Illinois lehnen die Pläne ebenfalls ab. Trump sagte dazu: „Wir hoffen, dass wir die Unterstützung des Gouverneurs bekommen, oder wir greifen ohne ein.“ Auch in St. Louis im Bundesstaat Missouri könne er sich vorstellen einzugreifen, sagte Trump.

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Memphis war wichtiger Schauplatz der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung

Erst vor wenigen Tagen gab die Polizeibehörde von Memphis bekannt, dass sich Verbrechen in der Stadt auf einem 25-Jahrestief befinden. Das gelte insbesondere für Raubüberfälle, Einbrüche und Diebstähle, Morde seien seit sechs Jahren nicht mehr so niedrig gewesen, sexuelle Übergriffe zuletzt vor 20 Jahren. Gleichzeitig zeigen FBI-Statistiken für 2024, dass Memphis unter US-Städten eine der höchsten Verbrechensraten besitzt: Hier kommen 2501 Gewaltverbrechen auf 100.000 Einwohner, wie Analysen der „BBC“ ergaben.

Mit heute über 600.000 Einwohnern war Memphis in der Zeit der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung der 1950er und 1960er Jahren eines der Zentren für den von Martin Luther King Jr. angeführten Widerstand gegen die rassistische Gesetzgebung. 1968 wurde der Pastor in Memphis in einem Motel ermordet. Zuvor war King jahrelang vom FBI ausspioniert worden, das versuchte die Bürgerrechtsbewegung zu diskreditieren.

Wie die „New York Times“ berichtet, äußerten sich angesichts der Geschichte der Stadt viele Einwohner und Demokraten kritisch gegenüber dem Einsatz der Nationalgarde. Laut der letzten Volkszählung sind rund 63 Prozent der Bevölkerung von Memphis Afroamerikaner.

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Trump darf Nationalgarde eigentlich nur im Notfall kontrollieren

Trump hatte die Hauptstadt Washington als „Rattenloch“ bezeichnet und vor Wochen die Nationalgarde auf ihre Straßen geschickt. In Kalifornien wiederum waren im Juni Menschen gegen Razzien der Einwanderungsbehörde ICE gegen Migranten auf die Straße gegangen - das wollte Trumps Regierung unterbinden und schickte Nationalgardisten gegen den Willen der dortigen Regierung.

In den USA haben im Normalfall die Bundesstaaten die Kontrolle über die Nationalgarde. Kommt es zum Krieg oder zu nationalen Notfällen, kann der US-Präsident das Kommando übernehmen. Die Nationalgarde ist eine militärische Reserveeinheit und Teil der US-Streitkräfte.

mit dpa